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Der Orient · 1842-07-30 · 31 (30.7.1842) · p. Spalte 487-488

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
31 (30.7.1842)
Date
1842-07-30
Page
Spalte 487-488 (sequence 4)
Language
German
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487 488 Beiträge zur Geschichte der Juden irn Mittelalter. Von P. I. zeit 27) zwei von ihnen, Isaak und Juda vor der Stadt von einem Mainzer Christen ermordet worden waren, wagte dieser nicht nach der Stadt zurückzukehren und seine Güter wurden vom Erzbischöfe eingezogen. —: Muthig vertheidigte sich ein anderer Mainzer Jude, Samuel der Sohn Isaaks2S), als er zwischen Worms und Mainz von einer Schaar überfallen wurde. Drei seiner Gegner streckte er nieder, bevor er selbst den Todesstoß erhielt. — Eine Jüdin aber aus Spei er, Namens Migahwurde vor der Stadt aufgegriffen und ihr Ohren und Daumen abgeschnitten29). — So wurden aller Orten Grausamkeiten und Ermordungen an Juden geübt, ungeachtet der Gegendemühungen der Fürsten und Herren, weil diesen entweder hinreichende Kraft fehlte, die fanatisi'rten Schaarm zu zügeln, oder oft der rechte Wille. Allem Vorwurf jedoch unzugänglich ist das Betragen Bernhards von Clairvaux. Auf seinen Ruf hatten Völker und Könige die Waffen ergriffen, um das heilige Grab der Christenheit zu erhalten- und diese seine Macht über die Geister richtete er nun im klaren Bewußtsein von Menschenwerth und Menschenwürde mit allen Kräften gegen die Uebel, die sich, im Geleite seiner eigenen Wirkungen eingefunden hatten. Christliche und jüdische Nachrichten sprechen mit ungetheiltem Lobe von den Bemühungen Bernhards in Hinsicht der Juden und Rabbi Josephs) sagt: „Hatte es Gott nicht gefallen, diesen Priester zu senden, so, wäre von den Juden keiner entkommen und übrig geblieben. Er nahm keinen Lohn von den Juden, und sprach Gutes von Israel aus seinem Herzen". Am deutlichsten aber erkennen wir Bernhards Menschlichkeit aus seinen eigenen Briefen. An die Geistlichkeit und das Volk von Franken und Baiern erließ er ein Schreiben^), worin er ihnen sagt, daß er sich zwar über ihren großen Gotteseiser bei der Rüstung zum Kreuzzuge freue, aber auch hier dürfe das Maaß nicht fehlen. Man dürfe die Juden weder verfolgen noch vernichten, ja nicht einmal verjagen. Sie seien ja eben deshalb zerstreut über alle Gegenden, daß sie Zeugen seien christlicher Seligkeit; dies sei Strafe genug für sie.. Uebrigens müsse man 21) Rabbi Joseph p, 123. §. 160.: „in the time of harrest.“ 28) Rabbi Joseph p. 123. §. 161. 29) Rabbi Joseph p. 120. §. 157. 30) p. 118: „And the Lord heard their cry , and remembered bis covenant, and turned hiniself unto them, according to his great loving kindneas. Änd he sent after this Belial (Rudolph), the Abbat 8t. Beinardj from Clairvaux. — And he took no ransom of the Jews, for he 8pake good of Israel from his heart. — lf it had not been for the compässion of the Lord that he had sent this priest, there would have none escaped nor remained of them. — 31) epist. S. Beruh. N. 363. in opp. 8. Beruh, ed. Mabill. Parisiis 1719. die Hoffnung hegen, daß die Juden doch noch einmal sich bekehren würden, welche Aussicht jedoch gänzlich schwinde, wenn man sie-vernichtet. Ja man müßte sogar, wenn sie noch Heiden waren, mit ihnen Geduld haben. Nur dann dürfe man so feindlich gegen sie cmstreten, wenn sie selbst das Schwerdt gegen die Christen erhüben. —- - In einem andern Briefe-^) "an den Erzbischof Heinrich von Mainz, der ihm die Gräuel der Verfolgung, die Rudolph stets in Bewegung zu erhalten wußte, geklagt hatte, beschuldigter den Rudolph dreierlei Vergehen: daß er als Mönch zu predigen wage, die Bischöfe (oder ihre Befehle) verachte und den Mord erlaube. Dann fährt er in seiner Lebhaftigkeit gleichsam Rudolph selbst anredend fort: „Mensch ohne Herz, Mensch ohne Sinn! deine Lehre kommt nicht von Gott, kommt nicht von dir, die lügnerische kommt von dem, der dich geschickt hat, vom Vater aller Lüge. O scheußliche Kenntniß und höllische Wissenschaft, feindlich den Propheten und den Aposteln, Umkehr von Frömmigkeit und Liebe. O schmutzigste Ketzerei, o kirchenschänderische Hure, die du vom Geist der Falschheit den Schmerz empfingst und das Unrecht gebarst-^)." — Doch begnügte sich Bernhard nicht mit bloßen Briefen, wo es zu handeln galt. Rudolph trieb noch immer, vom wilden aufrührerischen Volk geschützt, ungestraft sein Unwesen. Er mußte entfernt werden. Diesen Zweckmitdem ihm freilich heiligeren verbindend, die Fürsten Deutschlands und den noch immer schwankenden Kaiser Conrad III. selbst zur Annahme des Kreuzes zu bewegen, eilte Bernhard nach Deutschland. Nachdem er am 25. December dieses Jahres (1146) in Spei er auf dem Reichstage den Kaiser für das Unternehmen gewonnen, ging er nach Mainz, wo sich Rudolph noch immer in größter Gunst beim Volke befand. Er lud den Mönch vor. sich, warf ihm sein eigenmächtiges und ungebührliches Betragen vor und brachte ihn zu dem Entschlüsse, ins Kloster zu Clairvaux^) zu gehenz 32) epist. S. Bernh. N. 365. 83) „0 monstruosa scientia, o sapientia infernalis, contraria prophetis et apostolis inimica, subversio pietatis et gratiae! o immundissima haeresis! o meretrix sacrilega, quae impraegnata de spiritu falsitatis concepit dolorem, et peperit iniquitatem.“ 34) So ist die Stelle Otto F ri s i n g. C. 39: „Tandem ad hoc eum, ut sibi promissa obedientia in coenobium suum transiret, induxit“ zu verstehen; und nicht Rudolphs, früheres Kloster ist gemeint, wie jedoch Luden Gesch. der Leutschen X. 230 behauptet. Das sibi promissa obedientia so wie baß transiret sprechen deutlich für meine Ansicht; es müßte ja sonst wohl rediret heißen. — Aus dem Rabbi Joseph möchte sogar hervorgehen, daß Rudolph schon früher im Kloster von Clairvaux gewesen sei, denn er läßt Bernhard in Bezug auf Rudolph pag. 118 sagen: „my diseiple Rudolph has not spoken aright —

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