Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 31 (30.7.1842)
- Date
- 1842-07-30
- Page
- Spalte 485-486 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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485 Beiträge zur Geschichte der Juden im Mittelalter. Don P. Z. 486 geführt H). — Die Flamme der Judenverfolgung entzündete sich also wieder im Jahre 1146, in Jubeljahre nach der großen Judenverfolgung vom Jahre 1096 15). Die Erfahrung hatte aber bereits gelehrt, daß den Herren der Städte und Landschaften mit der Vertilgung der ihnen zugehörigen Juden keinesweges gedient war. Die unerschöpflichen Quellen immer neuer Einkünfte, zu der sie die Juden zu machen verstanden, mußte auf jene Weise versiegen; und dieser Zwiespalt in den Interessen der Ziehenden und Bleibenden war es, der diesmal die Judenverfolgung nicht zu jener frühern fast allgemeinen Vernichtung kommen ließ. Die Vornehmen eröffnten ihre Burgen und Schlösser den Juden als Zufluchtsörter vor der Wuth der sich zusammenziehenden Schaaren 16). Nach dem Laubhütten- , feste flüchtete alles dahin (nach dem 23. September 1146) n). Arnold, Erzbischof vonEöln, räumte ihnen die Wolkenburg jS), Bonn gegenüber auf der rechten Seite des Rheins, mit einer tüchtigen Besatzung ein, nachdem sie ihm ihre Häuser und Güter als Pfänder übergeben hatten l9); und Kaiser Konrad III. selbst 14) Der angeführte Chronist fügt selbst hinzu: ut fertur. — Corner erzählt in seinem Chronikon unter 1145 dasselbe Mährchen, das er jedoch so erweitert: die Seele des getödteten Knaben sei von einem Engel erst in die Hölle, dann ins Paradies geführt worden. Der Engel habe darauf die Seele zum Körper zurückgeführt und ihr gesagt, wenn sie tugendhaft leben würde, könne ihr das Paradies nicht entgehen. Dann sei der getödtete Knabe wieder auf gelebt: „resuseitatus ergo VViLLermus vitam deificam duxit ad finem.“ — Das Mährchen wird kurz erwähnt im Chron. Riddageshus. Leihnitz Scr. Rer. Bruns. 11. p. TT. L. 1 u. pag. 1011. - 15) Rabbi Joseph p. 117 läßt die Juden beim Ausbruch der Verfolgung so klagen: „Alas o Lord! behold fifty years, like the years of a jubilee, have not passed by, since our blood was spilt tike water ete." — , 1(>) Rabbi Joseph p. 121: „and every one asked of bis acquaintance, who had a tower or a fort, to dwell in the clefts of the rocks, and in the tops of the rugged cliffs, to bi de themselves until the fury should be overpast.“ — p. 124 (§. 162) „ln those days all the Je\vs in Ashkenaz ran — unto the rocks and unto the strong hoids.“ — IT) Rabbi Joseph p. 12! : „And they weilt out from their houses after the feast of Tabernacles in the year 490T". Die Jahreszahl ist jedenfalls in 4906 zu verwandeln. 18) Wilken, der in der Beilage zum dritten Bande seiner „Geschichte der Kreuzzüge" ein Stück aus her von Rabe gemachten (ungedruckten) Uebersetzung des Rabbi Joseph mittheilt (v. Rabbi Joseph. Preface p. XIII.) liest Falkenburg, Bialloblotzky aber, der englische^Uebersetzer, entscheidet sich p. 121 in der Note ganz richtig für Wolkenburg, weil das Wort im hebräischen Text lautet: 19) Rabbi Joseph p. 121: ,,And theygave their houses and their property unto the bissop as a pledje.“ gestattete ihnen in dem festen Nürnberg 20) und in andern Städten sich zu sammeln und zu bergen. Nichts destoweniger vermochten die von Rudolph immer auf's Neue angestachelten Leidenschaften noch der Schlachtopfer genug zu erreichen. Die Herren der Städte sahen ihre Bemühungen nach Ruhe und Ordnung mit Aufstand und Empörung belohnt^); und der Strom der Verfolgung ergoß sich unaufhaltsam auf den schon früher von ihm betretenen Wegen nach Frankreich hinein^-), besonders aber wieder durch Deutschland nach Franken und Baiern'^), nach Böhmen und Kärnten^). Schon im Augusts), als Rudolph bei Köln seine blutigen Predigten hielt, siel ein Rabbi Simon aus Trier, der dorthin von Köln zurückkehren wollte, als ein Opfer der Volkswuth. Der alte ehrwürdige Mann wurde überfallen und zur Taufe aufgefordert. Auf seine Weigerung schlug ihm Einer den Kopf ab; steckte diesen auf die Spitze eines Daches und ließ den Körper auf dem F^Ide liegen. Doch brachten es die Kölner Juden dabin, daß ihnen Kopf und Rumpf zur Beerdigung ausgeliefert wurden. — Aus der Wolkenburg, die ihnen, wie erzählt, der Erzbischof Arnold darauf einraumte, entfernten sich eines Tages zwei Knaben, mit Namen Abraham und Samuel, Söhne eines alten Mannes, aus Neugierde auf die Berge. Ein Christ begegnete ihnen und schlug sie todt. Der alte Vater wollte auf die Nachricht vor Schmerz vergehen. Erzbischof % cn 0 lb aber ließ eine Untersuchung darüber anstellen und dem entdeckten Mörder die Augen ausstechen, so daß er drei Tage darauf verschied 26). Gleich dem von Köln strebte auch Erzbischof Heinrich von Mainz mit redlichem Eifer dahin, seine Juden zu erhalten und zu beschützen. Als daher zur Ernte- 20) Otto Frising. 1. c.: „ut multi sub principis Romanorum - alas tuitionis causa confugerent. Unde factum est, utnonpauci—in oppido principis quod Noricum seu Norenberg appellatur aliisque municipiis ejus ad conservandam -vitam se reciperent.“ Was Jost Gesch. der Israel. Vll. p. 238 not. 2 von einem Edikt des Kaisers erzählt, beruht auf einem Anachronismus von hundert Jahren etwa. 21) Otto Frising. 1. c. Cap. 39: „— Rudolfo occasione Judaeorum crebras in civitatibus seditiones populo contra dominos suos inoventi — 22) Otto Frising. ). c. Cap. 3T: „Quod doctrinae seinen in multis GaLliae Germaniaeque civitatihus — germinavit.“ 23) Siehe epist, 363 8. Bern har di; der Brief ist cm's Volk Frankens und Baierns gerichtet. 24) Rabbi Joseph p. 121. §. 164. 25) Rabbi.Joseph p. 119. „in the nionth EIiuife d. i. vom 11. August bis zum 8. September. 26) Rabbi Joseph p. 122. §. 159. •31*