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Der Orient · 1842-07-30 · 31 (30.7.1842) · p. Spalte 483-484

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
31 (30.7.1842)
Date
1842-07-30
Page
Spalte 483-484 (sequence 2)
Language
German
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483 Beitrage zur Geschichte der Juden im Mittelalter. Von P. I. 484 neu und verspotten? Doch sag' ich dies nicht, damit du das Schwerdt zum Tode der Fluchbeladenen ziehest, denn es steht geschrieben: Tödte sie nichts. Gott will nicht daß sie ganz vernichtet, sondern wie der Brudermörder Kam, zu großen Qualen, zu größerer Schmach, zu einem Leben arger, als der Tod, bewahrt würden. Und so sind sie dienend, elend, seufzend, furchtsam und flüchtig auf der Erde, und werden's bleiben, bis sie zum Heile sich bekehren. Nicht tobten sollst du sie, aber strafen, wie sie's verdienen.' Nicht durch Ackerbau, durch Kriegs¬ und bürgerlichen Dienst haben sie ihre Scheuern mit Früchten, ihre Keller mit Wein, ihre Beutel mit Geld, ihre Kasten mit Gold und Silber angefüllt, sondern durch Verschlagenheit und durch Hehlerdienste Werden geheiligte Kreuze und Kelche entwendet, so finden sie bei den Juden einen sichern Versteck. Wie fühlt Christus so ganz die ihm angethane Schmach, wenn seine geweihten Gefäße zu fluchwürdigem Gebrauch den Händen derer überliefert werden, die sein Blut vergossen haben! Ja um diese Schmach noch zu erhöhen, besteht sogar ein altes, teuflisches, von christlichen Fürsten gegebenes Gesetz: daß wenn kirchliche Gerathe bei einem Juden gefunden würden, dieser weder zur Herausgabe des Entwendeten, noch zur Nennung des Stehlers gezwungen werden könnet). Und so bleibt der Jude ungestraft und wird reich und fett, wo ein Christ die Todesstrafe leiden müßte. Man nehme also den Juden ihre Schätze , die sie sich trügerischer Weise zugeeignet, entweder ganz, oder doch zum größten Theile. Man lasse ihnen dasLeben, aber nehme ihrGeld^). Und so mögen ihre Schatze selbst wider ihren Willen den Christen zur Erkampfung des heiligen Grabes dienen, wie einst die Schatze der Egypter den Voreltern der Juden, " Solche Rückschläge* in solcher Weise und von so einflußreichen Geistlichen, wie der Abt von Clugni war, konnten natürlich ihres Eindrucks nicht verfehlen. König Ludwig VII. von Frankreich erließ also, überdas päbstliche Mandat weit hinausgehend, den Befehl, dast die Kreuzfahrer aller Schulden an Juden ledig sein sollten^). Welcher Verlust hierdurch für die Juden 6) Psalm 59, 12. 7) „de his quae furtini a furibus emta". 8) „ut si res ecclesiastica, vel .quoll deterius aliquod s a er um vas, apud Judaeum repertum fueril-, nec rem sacrilego furto possessum reddere, nec nequam fuirem Judaeus prodere compellatur". Von wem ein solches Gesetz gegeben worden, ist mir nicht bekannt. 9) „reservatur eis vita, auferatur pecunia". 10) Rabbi Joseph, ben Joshua ben Meir Xronicles p. 128: „for King Lewis commanded, and proclamation was ma.de throughout the whole King* dom saying: „who 's the man that is willing to go to war with me unto Jerusalem? He shall be free from all the debts which be oweth unto the Jews". herbeigeführt wurde, ist klar, wenn man bedenkt, daß ihnen außer dem Handel mit Geld fast kein Erwerbszweig gestattet war. Hatte aber Abt Peter von Clugni sich begnügt, dem Verfolgungsgeiste eine Richtung auf die materiellen Güter der Juden zu geben und ihnen das nackte Leben wenigstens, das freilich mit jenen Gütern den einzigen Reiz, den es noch für sie hatte, verlieren mußte, zu erhalten sich bestrebt, so trat dagegen in den Rheinlandschaften, dem klassischen Boden der Judenverfolgungen, eine Lehre auf, die wiederum auf völlige Ausrottung hinauslief. Ein Mönch Namens Rudolph zog im Jahre 1146.auf.der linken Seite des Stromes von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf und entzündete viele Tausende zur Annahme des Kreutzes. Weniger die Tiefe seines Wissens, als die streng ascetische Lebensweise^), verbunden mit einer hinreißenden Beredsamkeit erwarb ihm eine ungemeine Gewalt über die Geister. Um so leichter aber fanden seine Worte Eingang, als er keinen Anstand nahm, die Ausrottung derjenigen Feinde des Christenthums zu predigen, die durch die heimathlichen Städte verbreitet, so leicht zu erreichen waren r2). Zur Steigerung der Wuth wurden die alle Zeit fertigen und ihren Zweck fast nie verfehlenden Mahrchen, daß Christenkinder von Juden ermordet worden seien und dergleichen verbreitet.. So wurde erzählt, in Norwich 6 7 8 9 10 * * 13) in England hatten die Juden einen Christenknaben mit Namen Wilhelm gekreuzigt und dann außerhalb der Stadt begraben; ein göttliches Licht aber auf dem Grabe des Ermordeten hätte auf . die Spur des Verbrechens — Rabbi Joseph schrieb zu Anfang des 16. Jahrhunderts seine Chronik unter dem Titel DV^h ^£>0, die mir jedoch nur in der von Bialloblotzky veranstalteten, London 1835 gedruckten, Uebersetzung bekannt ist. Seine Nachrichten über die Judenverfolgung zu Anfang des zweiten Kreuzzugs verdienen allen Glauben, weil sie einerseits mit den Berichten der andern Schriftsteller in gutem Einklang stehen, andererseits weil ihnen die Chronik eines Zeitgenossen zu Grunde liegt, wie Rabbi Joseph pag. 121 selbst gesteht, indem er sagt: „Eiieser the Levite wrote all this in bis chronicle, — and he was thirteen years old at that time?£. 11) Otto F r i si n g en s i s. Vita Fried e.rici 1. Lib. 1. C. 37: „Rudoiphus monachus, vir quideni religionis habitum habens, religionisque severitatem sollerter iniitans, sed litterarum notitia sobrie indutus". 12) Otto Fris. 1. c. „Hoc tarnen doctrinae suae non vigilanter interserens quoll videri in civitatibus oppidis passim manentes tanquam christianae religionis hostes trueidai ent". Rabbi Joseph p. 117: „And in all places he passed thrugh, he stirred up the dogs in them (in the Jews sc.) saying: Avenge ye nur Lord’s vengeance on his enemies who are before üs: after that we shall go." 13) Robert de Monte app. ad Sigeb. Genibl. ad ann. 11.46: „apud Nornicum (Norvicum) Angliae civitatem."

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