Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 31 (30.7.1842)
- Date
- 1842-07-30
- Page
- Spalte 481-482 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Meralnrblatt -es Orients. . Berichte, Studien und Kritiken für jüdische Geschichte und Fiteratur. M 31. Leipzig, den 30. Juli 1842. Geschichte. Beitrage zur Geschichte der Juden im Mittelalter. Die zwei Jahre 1146 u. 1147. Von P. I. — Literar i sch e Miscellen. 1) Der erste jüdische Polemiker gegen das Christenthum. 2) Juda Chiug. 3) Ergänzung der talm.- methodologischen Schriften. — Uebersicht einiger neueren Erscheinungen der englisch-israelitischen Literatur. Besprochen von Jos. Mendelssohn.— Lit. Ankündigungen. Beiträge zur Geschichte der Inden im Mittelalter. Von P. I.... Hl. Die Judenverfolgung von den Jahren 1146 und 1147 bei Beginn des zweiten Kreuzzugs. Die blutigen Tage der großen Judenverfolgung vom Jahre 1096 waren vorübergegangen. Kaiser Heinrich IV. nahm sich, von Italien zurückgekehrt, der Verfolgten cn, erlaubte den gewaltsam Getauften, zum Glauben ihrer Vater zurückzukehren!), und ließ am 6. Januar des Jahres 1103 in der von den Großen des Reichs auf vier und ein halbes Jahr, bis Pfingsten (2. Juni) 1107, beschworenen allgemeinen Friedensconstitution auch den Juden Sicherheit und Schutz gegen. Gewaltthatigkeit Zusagen 2). Noch vor Ablauf dieser Zeit starb der Kaiser^). Unter der vielbewegten und stürmischen Regierung seines Sohnes, Kaisers Heinrich V., und wahrend der Kampfe Kaisers Lothar III. mit den Hohenstauffen, die vorzüglich in den von den Juden am meisten bewohnten Rheingegenden geführt wurden, mag es freilich an mancher Bedrückung und Verfolgung derselben nicht gefehlt haben; indessen sind sie weder mit jener nachhalligen 1) Siehe die Judenverfolgung zu Anfang des ersten Kreuzzuges 1096 in einer frühern Nummer des Orients. — ■ 2) Constitutio pacis generalis ap. Pertz IV (Legum 11) p. .60: „Jurarerunt dico pacem ecclesiis, clericis. monachis, laicis, mercatoribns. muliebribus ne vi rapiantur, J u d aeisa — „juraverunt eandem pacem. usque ad pentecosten et hule per quatnor annos.“ 3) Am 7. August 1106. Wuth, noch jener Allgemeinheit geführt worden, die sie einer besondern Erwähnung der Schriftsteller hätte werth machen sollen. Erst die Regierung Kaisers Conrad III. sah den zweiten Akt der fürchterlichen Tragödie spielen, die im Jahre 1096 begonnen hatte. Edefsa siel in die Hände der Muselmänner. Dies schreckende Ereigniß und die Bemühungen Bernhards, Abts von Clairvaux, gaben den schlummernden Kräften der Christenheit einen neuen mächtigen Aufschwung in der Richtung nach Osten. Mit diesem Enthusiasmus erwachte die alte Raserei gegen die Juden wieder. Pabst Eugen III. begnügte sich zwar, denjenigen die Zahlung der Zinsen von ihren Schulden an Juden zu erlassen, welche sich dem Kreuzzuge anschließen würden^), doch gingen Andere weiter. Peter, Abt von Clugni, forderte in einem Briefe5) König Ludwig VII. von Frankreich zur Uebernahme des Kreuzzuges auf und fahrt, nachdem er Hm große Erfolge von dem Unternehmen versprochen, also fort: „Aber was nützt es, in entfernten Gegenden die Feinde des Chcistenthums zu verfolgen, wenn die gotteslästerischen Juden, die weit schlechter als die Sarazenen sind, in unserer Mitte, so frei, so kühn und ungestraft Christum und alle christlichen Sakramente schmähen dürfen! Ist der Sarazene, der ja außer manchem Andern, daß Christus von einer Jungfrau geboren, mit uns glaubet, schon deßhalb zu verfluchen, weil er leugnet, daß ec Gottes Sohn, daß er gestorben und auferstanden ist, um wie viel fluch- und hassenswürdiger sind erst die Juden, die Alles leug- 4) Epist. 8. Bernhard! Nr. 363: „Attamen exigendum est ab eis (Judaeis sc ) juxta tenorem aposto Hei mandati, ut omnes qui crucis signum susciperent, ab us urarum exactione liberos omnino dimittant“, a) Bei Du Chesne IV. p. 460. 31