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Der Orient · 1842-07-30 · Heft 31 (30.7.1842) · p. Seite 245

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 31 (30.7.1842)
Date
1842-07-30
Page
Seite 245 (sequence 9)
Language
German
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Mantua, denn die dortigen Juden bilden den wohlhabendsten Theit der Bevölkerung. Aus Verona und Brescia sind zahlreiche Truppen eingerückt, welche die Ruhe und Ordnung aufrecht erhalten. Ueberhaupt nimmt die Obrigkeit sich der Verfolgten sehr an und laßt nichts unversucht, um die Eintracht wieder herzustellen. Auch der Ghetto in Verona wird fortwährend von Patrouillen durchzogen. Wir wollen indes; hoffen, daß diese Vorsicht bald nicht mehr nöthig sein werde. Wir leben ja nicht in Zeiten, wo Verfolgung an der Tagesordnung 'ist, und wenn auch Einzelne nicht erleuchtet sind, so erblickt doch die Gesammtheit in dem Juden den Menschen, den Mitbruder, als welcher er auch mit Recht überall behandelt wird. (Allg. Ztg.) Literatur. Prophetenstimmen. An das Geschlecht dieser Zeit nach den Aussprüchen der heiligen Seher des -Morgenlandes von Leopold Haupt. Grimma, 1842. 8. I. W. Gebhardt. Eine Uebersetzung oder vielmehr Bearbeitung des Jesajas nach folgenden Grundsätzen: Das Nationale, Geschichtliche, Oertliche, also alles was den gewitterprächtigen hebräischen Sänger, den Sohn des Amos, eben zum Sänger und Propheten machte, verwischt; dagegen das „für alle Orte und alle Zeiten Paffende und Bleibende (wie Herr Haupt sich ausdrückt) hervorgehoben, mit möglichster Treue wiedergegeben, jedoch auch theils zusammengezogen, theils weiter ausgesührt, theils anders gew end et." Herr Haupt sagt eingängig der Vorrede: „Des lebensfrischen (?), unerschöpflichen, alles Fremde in ein heimisches Eigenthum mit unnachahmlicher Gewandtheit umschaffenden Friedrich Rück e r t „ „Weisheit des Brahmanen" " war der Feuerstein, an welchen der Stahl meines Geistes schlug und als sprühende Funken die Propherenstimmen hervorleckte." Also: Rückert's Brahmanische Weisheit der Stein, Herrn Haupt's Geist der Stahl und das Funkenprodukt nichts Geringeres als Jesajas! Diese orientalischen Uebersetzungskünstler werden naiver als naiv. Ein willkührliches, formenspielendes Schalten und Walten mit fremdem geistigen Eigenthum nimmt in ihren Augen den Werth höchster schöpferischer Thätigkeit an, ihre Stahlfeder verwandelt sich in einen Stahlgeist, der Prophetenstimmen als sprühende Funken hervorlockt! Das Nächste war also, das; Herr Haupt, von den Nückcrtschen Bearbeitungen entzückt wurde. Nachdem der Nachahmungszeist in Herrn Haupt geweckt worden war, sagte er sich mit Betrübnis;, daß das naheliegendste Kostbarste, Heiligste aus dem reichen Morgenlande kaum mehr beachtet, und besonders von denen, welche sich die Gebildeten nennen, als eine alterthümliche werthlose Reliquie in der Regel mit Verachtung übersehen werde. Jndignirt eilte Herr Haupt zu den heiligen Sängern und Sehern der Vorzeit, um sie dieser Nichtbeachtung odergar Verachtung von Seiten des Geschlechtes dieser Zeit zu entreißen. Was, fragte er sich nämlich, was kann an der (vorausgesetzten) Nichtachtung oder gar Verachtung dieses göttlichen Sängers Schuld sein? Einmal, er ist nicht modern und poetisch genug gewendet; zweitens, man sieht ihm zu sehr den k alten Juden an, den Sohn des Amos, zur Zeit Usia, Iothanll Ahas und Jehiskia. Luthers Uebersetzung? Sie macht es dem Volk verständlich; das ist Alles. Man. redet freilich viel von Luthers Kern- und Kraftsprache, und ich rede auch davon — aber, wie anders, wie viel schöner, bezaubernder würde das klingen in moderner Rückertscher Verdeutschung, wo man sich überdies freie Hand ließe, wegzulaffen und zuzusetzen. Da lautet so Luthers Uebersetzung des zweiten und dritten Verses des ersten Kapitels: „Höret ihr Himmel, und Erde nimm zu Ohren, denn der Herr redet: Ich habe Kinder auferzogen und erhöhet und sie sind von mir abgefallen. " „Ein Ochse kennet seinen Herrn und ein Esel die Krippe seines Herrn, aber Israel kennt es nicht und sein Volk vernimmt es nicht." „Gottes Klage über seine Kinder." Wenn man (sagte Herr Haupt zu sich) dies (lest, so ist es allerdings verständlich und, was den Ochsen und Esel betrifft, nur zu kraftvoll und kernig, aber wer merkt die Schönheit davon? Laßt mich einmal übersetzen: Höre Himmel! horch (!) o Erde! Welt (!) thu' auf dein Ohr! (!) Denn er (!) spricht, zu dem die Sonnen betend schau'n empor: (!) Kinder Hab' ich mir erzogen und sie reich (!) gemacht; Aber von mir abgesallen sind sie unbedacht. (!) Jedes Thier (!) kennt seine Krippe, seines Herrn Gesicht; (!) Aber meine Kinder (!) kennen ihren Vater nicht. Giebt es (sagte Herr Haupt, nachdem der Stahl seines Geistes in Berührung mit dem Feuerstein der Riickertschen Brahmanen-Weisheit diese Jesajas-Funken hatte fliegen lassen), giebt es in Deutschland Emen „der sich gebildet nennt und sonst den Lutherschen Iesaias mit Verachtung übersieht", dem aus diesen Versen nicht die poetischen Funken in die Nase fliegen? Was braucht man überhaupt (dachte Herr Haupt ferner) zu wissen oder sich darum zu bekümmern, daß Iesaias diese Worte spricht? Ich werde ihn gar nicht nennen, werde den ersten, überdies verdächtigen Vers: „Das ist das Gesicht Iesaia, des Sohns Amos" u. s. w., ganz übergehen (_ew Ochse kennt seinen Herrn und ein Esel kennt die Krippe seines

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