Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 31 (30.7.1842)
- Date
- 1842-07-30
- Page
- Seite 243 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Posen, 26- Juni. (Verspätet.) Die ungeteilteste Liebe und Hingebung gegen unfern gerechten König, und die Beweise der Huld und Gnade, die wir von unserem edlen und großmüthigen Regenten, der alle seine Unterthcmen ohne Unterschied des Bekenntnisses gleich achtet, empfangen, sind die Lichtpunkte in unserer Gemeindegeschichte, und mi,t Freude berichte ich Ihnen, was wir so eben mit Freuden tief empfunden. Eine Anzahl gebildeter jüdischer Kaufleute, nämlich die Herren A. Mosino, Louis Wallenberg, Moritz I. Mamroth, Schie Jaffe, so wie der Buchhändler Theodor Scheck, sammtlich Mitglieder der hiesigen jüdischen Corporation, hatten gestern das seltene Glück, an dem für unsere Provinz unvergeßlichen Fest- Dine auf dem hiesigen Rachhause, welches Sr. Majestät unserem Könige von der Bürgerschaft gegeben wurde, Theil zu nehmen. Es muß jedem Unterthan eine erfreuliche Erscheinung sein, den edlen und geliebten Landesvater im Kreise seiner Bürger zu seheu, um die Beweise der Huld zu empfinden, die unmittelbar in reichem -Maaße gespendet wird; diese Freude ward unfern erwähnten Glaubensgenossen, welche die Gemeinde reprasentirten, zu Theil und als Zeichen der Güte gegen die jüdischen Unterthcmen ist dieser Tag auch uns unvergeßlich. Die Einladung genannter Corporations-Mitglieder erfolgte, der Würde unserer Gemeinde gemäß, ohne alles Zulhun,- sondern in brüderlichem Einverstandniß des Wohllöblichen Magistrats mit der Versammlung der Stadtverordneten, und diese Eintracht, die man in so mancher preußischen Stadt des Nordens leider vermißt, beweist auf das Uebeczeugendste, von welchem Humanitats-Sinne unser braver, edler und wackerer Oberbürgermeister, der geheime Regierungsrath Herr Neumann, von welchem Bieder- und Freisinne unsere hochachtbaren Mitglieder beider Stadtbehöcden beseelt sind. Noch muß ich erwähnen, daß die zarte Art und Weise, in welcher die Einladung gedachter Mitglieder zu diesem unvergeßlichen Feste erfolgte, nicht nur das schönste Lob und die aufrichtigste Anerkennung, sondern auch ein schönes Beispiel bürgerlicher gegenseitiger Achtung abgiebt. Diese Offenheit und Humanität, diese Herzlichkeit und Brüderlichkeit empfanden unsere Repräsentanten wahrend der ganzen Dauer des Festes. Von einer Jsolirung war keine Spur, die überhaupt dem edlen Bürger- Sinne fremd ist, und noch weniger konnte an. Zurücksetzung oder Antipathie gedacht werden. Und so bewahrte sich das schone königliche Wort: „Mein Volk sei mannigfach, doch eins." Beweise solchen Sinnes von Seiten der Stadtbehörden und der Bürgerschaft, so wie die allgemeine ohne Beziehung auf Confession sich äußernde Huld, ist gewiß das unverfälschteste Zeugniß von der Achtbarkeit und Würdigkeit der hiesigen Juden, die in der That ihren Beruf als Staatsbürger und Söhne des preußischen Vaterlands, und ihre Wichsen in der wahren Fortbildung ihxex religiösen Institutionen und im Fortschreiten ihrer Schulen, längst erkannt haben. Wo der Bürgerstnn so thatkräftig und Liehe spendend quftritt, da werden auch unsere letzten politischen Rechte nicht lange ausbleiben; stehen wir äe faclo schon den andern Bürgern gleich, so dürfen wir gewiß zuversichtlich hoffen, daß die Gleichstellung äe jure nicht ausbleiben kann und wird. E. Alton er, 16. Juli. Zu einer Zeit, danoch so viele Rabbiner durch die Gleichstellung der Juden die Religion gefährdet glauben, ist es doppelt erfreulich, wenn ein streng orthodoxer Rabbiner wie Herr Ettling ec in Altona, den Fortschritt als eine Wohlthat preist. Herr Ettlinger hat nämlich am 9. Mai, mit Bezug auf das den Juden in Altona vor wenigen Tagen zugestandene Bürgerrecht einen Vortrag gehalten, in welchem er zur Dankbarkeit gegen den Lcmdessürsten ermahnte und die so lange entbehrten und ersehnten Aussichten auf eine bessere Zukunft als trostreich und beglückend darstellte. — Daß die durch die neue Verordnung in ihrem Erwerbe Geschmälerten die Vortheile einer solchen Veränderung nicht begreifen wollen, liegt am Tage; glücklicherweise bilden diese eben so wenig die Mehrzahl oder die Tonangeber in der Gemeinde, wie die Verketzerer der Freiheit aus religiösen Motiven. Karlsruhe, 16. Juli. Der Abg. Züllig las den Commissionsbericht über die Emanzipation der Israeliten. Es ist die Sache durch 45 Mitglieder jener Bekenner aus Mannheim neu angeregt, welche Gleichstellung oder mindestens Modisication zweier ihnen enrgegenstehenden Gesetze begehrten. Der Commisstonsbericht setzte in fast anderthalbstündigem Vorträge auseinander, daß man fern von Unduldsamkeit und Vorurtheil sei, es'aber zu bedenken wäre, daß sich die Israeliten, welche die alten tatmudischen oder Rabbiner- Gesetze streng befolgten, selbst außer Stand brächten, die Gleichheit annehmen zu können, da sie sich körperlich durch ein Zeichen, und ferner durch Gebräuche, Speisegesetze, Sabbatfeier u. s. w. von der größeren christlichen Bevölkerung streng sonderten. Die das Begehren gestellt hätten, wollten vermuthlich den Separativgefttzen entsagen und ihnen wäre die Annahme zu wünschen, ja es sei billig und gerecht, sie zu bewilligen; aber dies seien bisher nur Vermuthungen, die Berichterstatter hätten aussprechen sollen, daß sie den Reformen zugethan seien, und nur für diese Emancipation begehrten, dann hätte ihnen die Commission Wege angeben können; da dies aber'nicht geschehen, wären die Schwierigkeiten groß, die nicht in der Moral lägen, da ihre Schrift ja auch einen Theil unserer heiligen Bücher ausmachten, und sie die Einheit des unsichtbaren Gottes glaubten, sondern in äußeren Verhältnissen bestände, die ein Buch aufrecht erhielte, welches Einige historisch, Andere praktisch nannten, welches Gott als racheathmend beschriebe und den Aberglauben begünstige u.st w^ Als die Verlesung des Commissionsberichts vollendet war, hatte sich die Kammer fast ganz zerstreut, so daß gegen den Schluß der Vorlesung nur noch L0 Mitglieder, das Präsidium und der Berichterstatter im Saale zugegen waren, als um halb 2 Uhr die Sitzung geschlossen wurde. (Mannh. I.) 31 *