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Der Orient · 1842-07-30 · Heft 31 (30.7.1842) · p. Seite 242

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 31 (30.7.1842)
Date
1842-07-30
Page
Seite 242 (sequence 3)
Language
German
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242 — Alle diese Aufregungsversüche werden jedoch an der erwachten bessern Gesinnung des Volkes scheitern. Erfreulich ist es, daß ein junger in Berlin lebender und der Hegelschen Schule angehöriHer Gelehrter, von dem mehrere publlcistische uttd wie nian glaubt, auch zwei satyrische Schriftchen herrühren, L. Buhl, in dem eben erschienenen Hefte seiner Broschüre: „Der Patriot" (Inländische Fragen von L. Buhl. Erstes Heft. Berlin, 1842. Verlag von Hermes) in dem Abschnitte: „Das alte Preüßenthum" sich S. 10—11 also ausspricht: „Ferner (es war kurz vorher von der Städte- und Landgemeinde-Ordnung die Rede) gereicht es der Stein- Hardenbergschen Epoche zum unvergänglichen Ruhme, daß sie den Druck der Juden gemildert, und dieselben zu Staatsbürgern erhoben hat. Doch wurde die Emancipation nicht so weit ausgedehnt, wie es Gründe der Humanität und einer wohlverstandenen Politik in letzter Instanz fordern. Die Juden blieben von allen Staatsämtern ausgeschlossen. Auch wurde sogar später die Einräumung der bürgerlichen Rechte auf die alten Provinzen der Monarchie beschränkt. Ein neues Juden- Gesetz ist eine Forderung, die nicht lange mehr unberücksichtigt bleiben kann. Freilich dürfte dasselbe nicht in dem Sinne des Entwurfs abgefaßt sein, den die Zeitungen vor einiger Zeit mitgerheilt haben. Es könnte nur dann befriedigend sein, wenn es aus dem liberalsten Sinne hervorginge und alle Fesseln sprengte, die noch auf ihnen lasten: mit einem'Worte, die Juden müßten den Christen in jeder Beziehung gleichgestellt' werden. Wie sollte auch der Unterschied der Religion eine bürgerliche und politische Beschränkung begründen? Die Juden haben hinlänglich gezeigt, daß sie die Idee des Staates, dem sie angehören, in sich ausgenommen haben, und daß sie die Religion nicht den Bürgerpflichten entfremdet. Ihr heißester Wunsch ist es, statt Preußischer Juden jüdische Preußen zu sein. Und warum wollte es der Staat verschmähen, sich eine so zahlreiche Klasse der Bevölkerung vollständig zu incorpociren? Die Juden werden und können nur so lange ihre Besonderheit festhalten, als der Staat noch Barrieren zwischen ihnen und ihren christlichen Mitbürgern bestehen laßt. In Frankreich ist die vollständige Gleichstellung längst erfolgt, und dieselbe hat nur heilsame Folgen gehabt. S ch ämen wir uns nicht, Frankreich in dem nachzuahmen, was es Gutes hat." Und in dem letzten Capitel seiner Broschüre (Kleiner Krieg) sagt Herr Buhl (S. 38): „Wie die Zeitungen uns melden, hat die hiesige (Berliner) Jüdische Gesellschaft der Freunde eine bedeutende Summe zum Kölner Dombau beizusteuern beschlossen. Man braucht nicht von dem jetzt grassirenden Dombau-Enthusiasmus eingenommen zu sein, um diesen Entschluß zu billigen. Der Enthusiasmus ist durch die Rhein-Dithyrambe und das wiedererwachte Deutschthum hervorgerusen worden. Der religiöse Gesichtspunkt soll hierbei nicht in Betracht kommen, sondern gegen den nationalen zurücktreten z Deutschland will durch sein Zusammenwirken zu einem großen Zwecke einen Beweis seiner Einheit geben. Hieran halten sich die Juden. Der Entwurf des neuen Inden- Gesetzes, wie er zur öffentlichen Kenntniß gekommen ist, beabsichtigt, der Verschiedenheit der Religion wegen, sie in ihren staatsbürgerlichen Rechten zu beschränken, sie als besondere Korporation zu cönstituiren. Indem sie also zur Vollendung einer katholischen Kirche beitragen, geben sie den Beweis, daß sie über die religiöse Befangenheit erhaben sind, und daß ihre religiöse Particularität sie nicht abhält, sich einem Unternehmen anzuschließen, das als nationales tzilt. Wien, 7. Juli. Der Orient, welcher schon dem Titel nach vorzüglich durch Mittheilung von Aktenstücken sich von andern Blättern gleicher Art auszeichnet, wird ersucht, beifolgende Copie eines Decrets seinen Lesern mitzutheilen. *) Copie von der k. k. Nieder-Oest. Landes-Regierung.. Die Uebertragung der Leitung des Local-Acmenwesens in der k. k. Haupt- und Residenzstadt Wien, welche bisum von Seite der kais. kön. Landesregierung besorgt wurde, an den Magistrat gibt der Negierung die erwünschte Veranlassung, dem Herrn Armen-Bezirks-Director für das in dieser Eigenschaft seit beinahe zwei und zwanzig Jahren mit gleich unermüdetem Eifer, mit entsprechendem Erfolge' und mit unverdrossener Ausdauer an den Tag gelegte menschenfreundliche Wirken für die Ihrem Armen? Bezirke zugewiesenen Armen, denen Sie ungeachtet Ihrer anderweitigen ausgedehnten Geschäfte viel Zeit geopfert und reichliche Unterstützung aus Eigenem gebracht haben, auf das Verbindlichste zu danken. In der dankbaren Anerkennung Ihrer ausgezeichneten Leistungen, in der sich auch .jene der vollsten Zufriedenheit ausspricht, übt die Regierung nur einen Act der strengsten Gerechtigkeit aus und das um so lieber, als so bewährte - Eigenschaften sichere Bürgschaft sind, daß Sie in Ihrem bisherigen, verdienstlichen Wirken bei Ihrem wohlthatigen Berufe nicht Nachlassen werden. Wien, am 15. Mai 1842. Iago m. p. G. Fuchs m. p. Collationirt und den hier vorgezeigten ungestempelt ausgesertigten Originale wörtlich gleichlautend. 1752. (L. S.) Metropolitan Kapitel. JfC* 10. Wien, am 6. Juni 1842. Putsch m. p. An den Herrn Isaak Löwy Hofmann Edlen von Hofmanns - Thal, k. k. privilegirten Großhändler und Armen-Bezirks-Director in dem Psarrbezirke zu den IX Chören der Engel am Hofe. ’) Um fernere Mittheilungen über Vorkommnisse der isr. Gemeinde in Wien bittet der Red.

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