Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 30 (23.7.1842)
- Date
- 1842-07-23
- Page
- Spalte 475-476 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/8555529-9894039-9894084--2225-3529514- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Simlai 1× ep/1007159
OCR text
415 Der Geist der talmud. Auslegung der Bibel, von Hirschfeld. BeurtheilL v. Cassel. 476 ist zuvörderst eine Klassisication der Gesetze nothwendig. Wenn man nun hier auch der Behauptung des Vers. daß dem Werthe nach zwischen den biblischen Satzungen kein Unterschied sei, um bei Begegnung zweier Falle entscheiden zu können, und dem wichtigern das Vorrecht zu geben, nicht ganz beistimmcn kann (vgl unten die Bestimmungen ran nN' cnp rann tnipon b «.f. w. -pinn b iu dergl.), so ist doch das nicht zu bestreiten, daß die Formelle: in Gebote und Verbote die schärfste und beste sei; denn nicht bloß „in der Mischna und in einer gewissen Beziehung schon in den Apokryphen" treffen wir sie an (S. 178), sondern schon im Pentateuch selbst (Lev. 4, 2. 13. 22. 27. 5, 17). Mas nun die Ge- und Verbote betrifft, die der Talmud in der Bibel (Pentateuch) auffand, so hat. der Vers, wie natürlich, bestimmte Grundsätze und Regeln nicht auffinden können (S. 180), da der Talmud zwar die Zahl der Ge- und Verbote angiebt, sie selbst aber nicht aufzahlt, und daher die spateren Gesetzlehrer (Maimuni, Mose aus Coucy, Ahron ha- Levi) in der Einzelzählung abweichen. Dazu kommt, daß zwar das Verbot durch die Formeln xb, btt, p u. s. w. angegeben wird, das Gebot aber verschiedenartig ausgedrückt ist, und man daher oft in Zweifel geräth, ob ein Gebot, ein Rath, ein Segen oder ein bloßes Futurum gemeint sei. Man rechne hierzu Schw ankungen vom talmudischen Standpunkt, die durch jrD NW lNt>, ober: HDN )xb bblD entstehen konnten. — Der Vers, bemerkt §. 182 „beiläufig" die Zahl der Gebote und Verbote, die der Talmud auffand. Jene betragen 248, nach talmudischer Bemerkung gleich der Zahl der menschlichen Knochen, diese 365 gleich den Tagen eines Sonnenjahres- oder den Muskeln des menschlichen Körpers. Zusammen belaufe sich ihre Zahl aus 613, jrtn rnirQ, in der Lehre, und wenn man sieben Gebote späterer Zeit (welche?), die von der Synode (friD WjN?) angeordnet wurden, hinzuzählt, so sind es 620 ^nD u. f. w. Für alles dies ist keine Quelle angegeben, nur im Allgemeinen bemerkt, daß es „nach talmudischer Bemerkung " sei. Das ist aber nur von dem kleinsten Theil des Gesagten wahr. Makk. 23 b wird gesagt, sä'mmtliche Gesetze der Tora betragen 613, nämlich 248 Geboten 248 QrQ'N 55)/ und 365 Verbote —365 Tagen des Sonnenjahrs. Von 365 D’HIÜ, was der Vers, mit Muskeln übersetzt 56J, ist im Talmud 55) □nnw übersetzt der Vers, ungenau mit Knochen; wenn der Talmud dies sagen wollte, so konnte er moäy gebrauchen; unter ist ein ganzes Glied zu verstehen. Einzeln aufgezählt findet man sie Oholot 1, 8, womit Negacim 6, 7 zu vergleichen. 56) Zu dieser Auffassung fühlt sich der Vers, dadurch veranlaßt, daß man unter jrpj) weder Blutgefäße — „deren Anzahl entweder nicht so hoch kommt, wenn man die Hauptadern zählt, oder unendlich höher, wenn man die Verzweigungen mit anfnlmmt" — noch Nerven „deren Existenz vielleicht dem Talmud nicht einmal bekannt war" verstehen rönne. Wir haben oben erwiesen, daß der Talmud von365 jrpjj nichts weiß; die Späteren (wie J.bn-Efta in oet oben aus nirgends die Rede, und wenn der Vers, hierin späteren Quellen gefolgt ist, so durfte er auch die Bemerkung des ^bw k. 265): DpoiDn bm min h.m>n py nw wpn nm m ribicn dv-q'n non tu on nmo .inn nW>m nonn niD' i.'ud nn rb nW ddn nix> ppon yisnn nm nw viNnn n^ni ♦ .omnN D^ni DpDn rb^i dtü;nw now dmn u/w top^m bn nWa-n nonn tw* bw nW idd dn \\Toy n nroi .♦..D'D' ribtp ui dh DpDim »non^i iwim p\) now nw 1Ä im pD noty by ii nnnrn D'D’’ not^ -m DW nicht übersehen; auch die übrigen Gimatria's finden sich, so viel wir wissen nicht im Talmud 57); sondern eben an jener Stelle in Makkot setzt R. Simlai fc>ie rmn —611 Geboten, wozu die beiden ersten der Zehngebote kommen mn.in M mrp ’tb) nJN) DOyDfiy). Daß die 613 Gesetze mit noch si eben zusammengenommen — den 620 Buchstaben des ersten Dekalogs sind, ist eine alte Bemerkung (rj^ 266 a), und fällt hierdurch ein Licht auf den Ursprung dieser Zahl. — Wo nur von den Widersprüchen zweier Gesetze gehandelt wird, kommen verschiedenartige Grundsätze in Anwendung, die hier näher besprochen und mit gewohnter Gründlichkeit beleuchtet werden. Dergleichen sind; ran HN EHip rOPi hN Tmn b u. ebenso — p Mischna Horajot (nicht Horioth S. 183) Cap. Ul 6». (auch Seb. Ich .1); ferner die Bestimmungen über den Vorrang des Vaters vor der Mutter, des Lehrers vor den Vater, des mit rrD belegten Gesetzes vor andern unter geringer» Strafe befohlenen; ferner über nP mil nlüy mit einzelnen Ztebenbesiimmungen, die in die Kasuistik einschlagen. Zu. vergleichen war dabei Tos. Kidd. 38 a oben. Was aus Pes. 41 a (S. 185 A. 4) citirt wird, findet sich dort nicht. Im zweiten Kapitel wird von der Gleichheit und Allgemeinheit der Gesetze und Gebräuche in dem Combinationsschluffe gehandelt. Es wird zuerst nochmals hervorgehoben, daß „jedes Gesetz und jede Bestimmung in der Bibel (Pentateuch) allgemein und auf Alles anwendbar gehalten werden müsse, was in den Kreis eines solchen Gesetzes hineingehört" eitirten Stelle) sprechen geradezu von 365 Venen und 365 Arterien; aber gesetzt auch der Talmud hätte 365 ppvj angenommen, so konnte er, wenn man schon Adern und Nerven ausschließc, noch immer Sehnen, keinenfalls aber Muskeln meinen. Da nämlich die Muskeln eben die Fleischmasse des Körpers bilden, wie konnte eine Meinungsverschiedenheit entstehen über qh pTJD L7' oder nicht, und die Hatacha sich sogar für den letzten Fall entscheiden. Bei der Unklarheit über die Functionen der Nerven, und bei der Unwissenheit in der Anatomie überhaupt, die im Alcerthume und im Mittelalter herrschte, versucht man vergebens und sogar mit Unrecht, alte Bezeichnungen für gewisse Theile des Körpers genau mit den Kunsrausdrücken der neueren Physiologie wiederzugeben. Man vergl. ein Mehres in unserer Bemerkung zu Kus. 11, 26. 57) Für die nbS Glieder finden sich noch die Gimatria's uTlf Dm Moed latent 17a unten.