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Der Orient · 1842-07-23 · Heft 30 (23.7.1842) · p. Seite 239

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 30 (23.7.1842)
Date
1842-07-23
Page
Seite 239 (sequence 13)
Language
German
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239 kräftig zurück/ verspottete öffentlich die Unwahrheiten der Gegner und zeigte der Welt/ wie nur unter dem Mantel der Lüge und des Truges jene Judenfeinde ihre Verleumdungen zu bergen und zu schützen vermögen. Hatte nun auch dieser Kampf keinen vollständigen Sieg zur Folge/ war es ihm auch nicht gelungen das Vorurtheil und die Verkehrtheit gänzlich zu überwinden, so vermochte er doch dieselbe wenigstens zu schwächen, um die B essergesinnten zu überzeugen, daß die Juden nur deßwegen so Manchem verächtlich erscheinen, weil sie verachtet gehalten werden und daß endlich schon die Zeit da wäre, wo Staaten und Fürsten einer bisher unschuldiger Weise unterdrückten Religionspartei dasjenige Recht und diejenige Freiheit gewähren sollten, die ihnen als Menschen und Staatsbürger rechtlich zustehen. Wie früher 1781 Dohm und später David Friedländer, so trat in unserer Zeit Rieß er mit Umsicht und Bedacht auf und forderte mit Nachdruck das bisher seinen Glaubensbrüdern vorenthaltene Recht, zeihete und strafte Lügen jene heimtückische Bosheit, die unterm Vorwand der Gerechtigkeit und der christlichen Liebe einen großen Theil moralischer, sittlicher und rechtlicher Menschen mit brandmarkender Ausschließung in den Bodmsatz menschlicher Gesellschaft, in den Pfuhl und Schmutz des Lebens stieß und erdichtete Ammenmärchen und bodenlose Gemeinplätze vorschützte, um das begangene Unrecht zu beschönigen und zu rechtfertigen.— Und weil Rieß er stets mit einem Vollgefühl der Persönlichkeit, mit klarem Selbstbewußtsein und mit dem reinsten und heiligsten Eifer für die gerechte Sache seiner Glaubensbrüder kämpfteweil er mit der herrlichsten Meisterschaft das Wort führte für Religions- und Gewissensfreiheit und eine musterhafte, durch keine Rücksichten getrübte Selbstverleugnung und Uneigennützigkeit zu Tage legte in seinen offenen Kämpfen für die Juden als — Jude, darum werden seine werthvollen Schriften noch der späteren Nachwelt eine lesenswürdige Leetüre sein und immer gebraucht werden können zur Abwehr feindlicher Gesinnungen und zur Verständigung über verkümmertes Recht. Sehen wir jedoch von den anderweitigen Leistungen Riesters ab, uyd wenden unsere Aufmerksamkeit auf die angezeigten Briefe, so ist besonders auf ihren polemischen und apologetischen Charakter zu achten. Sie haben nämlich die Tendenz, Mängel und Fehler, Unrichtigkeiten und verkehrte Urtheile über Juden und Judenthum, deren sich namhafte Schriftsteller, wie W. Menzel, H. Psitz er, H. Marggraf, K. Gutzkow in Werken oder Rezensionen haben zu schulden kommen lassen, aufzudecken und zu berichtigen) sie. haben die Aufgabe, die Juden gegen jede Verunglimpfung in politischsocialer und moralischer Beziehung in Schutz zu nehmen und somit von vorn herein jedem Vorurtheil aus dem tiefsten Grunde die Wurzel abzuschneiden. Dabei aber wußte V^rf. an literarische Persönlichkeit, wie Michael Beer, G. Sand, Rahe! re. die vortrefflichsten, belehrendsten ästhetischen Betrachtungen zu knüpfen und dadurch den Briefen einen Reiz und Werth zu verleihen, der sie zur Klassicität erhebt, Besonders trefflich ist die Polemik gegen Menzel und Gutzkow, die der Verfasser mit ihren eigenen Worten schlägt, und an ihnen das große Dichtersvort: „Das ist eine von den großen Thaten Sich in seinem eignen Fett zu braten" zu bewahrheiten sucht; ja, es ist ihm nicht genug, sie der Lüge und Unwahrheit überführt und ihnen die Motive ihres unedlen Verfahrens nachgewiesen zu haben, er dringt darauf, daß sie ihre Verleumdungen zurücknehmen und giebt ihnen Mittel und Wege an, wie sie das Verfehlte wieder gut machen könnten. Das im Allgemeinen. Im Einzelnen wären noch die große Fülle von psychologischen Bemerkungen und der Jdeenreichthum hervorzuheben, die wir fast auf jeder Seite der Briefe so geschickt einverwebt finden, und die durch die gewählte Briefform um so stärker hervortreten und dem Leser die Einsicht in die Stimmungen des Verfassers gewähren. — Insofern halten wir uns auch überzeugt, daß diese durch und durch musterhaften Briese ihren edlen Zweck nicht verfehlen und zur Abwehr jeglicher Unbill und zur Verständigung über jedes Vorurtheil gegen Juden viel beitragen werden. Daß der gelehrte Verfasser auch diesmal seiner mit hoher Begeisterung vertretenen Sache die passendste und reizendste Diktion zu geben wußte, brauchen wir kaum zu erwähnen, und wir wünschen darum, daß das lesende Publikum mehr als gewöhnlich diesen Briefen seine Teilnahme widme, was den Verfasser gewiß ermuntern wird, uns bald mit dem versprochenen dritten und letzten Hefte zu beglücken, wodurch wir eine nicht geringe Belehrung über die wichtigsten Erscheinungen und Momente der neuesten deutschen Literaturepoche gewinnen werden. Dr. H. I o l o w k c z. Bilder aus dem heiligen Lande. Vierzig ausgewählte Original-Ansichten biblisch-wichtiger Orte, treu nach der Natur gezeichnet von I. M. Bern atz. Mt erläuterndem Texte v. G. H. v. Schubert. 2. Ausgabe in kl. Format. Stuttgart, 1842. I. F. Ster'nkopfsche Buchhandlung. 3 Thlr. 10 Ngr. Nichts ist geeigneter und empfehlenswerther für den Jugend-Unterricht in der biblischen Geschichte, als solche teefflich gezeichnete Bilder aus dem heiligen Lande mit so einfacher Erklärung, wie sie hier in ausgezeichneter Weise geboten werden; denn nicht nur, daß die an die wichtigen Orten dieses merkwürdigen Landes geknüpften biblischen Erzählungen sich dem Gedächtniß der Jugend besser einprägen, sondern sie werden auch durch den lieblichen bildlichen Einblick noch besonders lieb gewonnen, was für eine Veredlung des religiösen Gefühls nur wohlthätig ist. Die Originalansichten, deren hier 40 in vortrefflicher Ausführung mitgetheilt sind, bilden schon durch die 40 Erklärungen zu denselben, deren jede eine ganze Quartsekte einnimmt, keinen unwichtigen Beitrag für die biblische Geschichte, durch die bildliche Anschauung geeignet, Kinder zum Lesen einzuladen. Der Preis ist auch bei 40 so vor-

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