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Der Orient · 1842-07-23 · Heft 30 (23.7.1842) · p. Seite 238

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 30 (23.7.1842)
Date
1842-07-23
Page
Seite 238 (sequence 11)
Language
German
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238 Daß in den israelitischen Aeitungsblattern von allen diesen erfreulichen Dingen mit keiner Sylbe Erwähnung geschehen ist eben so unbegreiflich als tiefkränkend. Wie schnell spitzte man die Federn, wo es galt, das Schlechte herauszuheben und versteckte Angriffe auf verschiedene Personen zu machen; und jetzt will sich keiner die Mühe nehmen, das geschehene Gute öffentlich dankbar anzuerk'ennen. Das Loben scheint wirklich schwerer als das Tadeln zu sein! — Es kann aber auch leicht möglich sein, daß man einen ähnlichen Bericht an die allg. Zeit, des Judenth. geschickt hat, der aber von dem Redacteur derselben unterdrückt wurde. Daß sich der De. Philippson dergleichen, ja noch weit Schlimmeres erlaubt, mag Folgendes als Beleg dienen: Vor einigen Monaten schickte einer meiner Freunde einen Aufsatz an den Dr. Philippson. Der Aufsatz erschien auch bald gedruckt, wir erkannten ihn an der Aufschrift „Von der russischen Grenze, den 1. März". Aber welche Gestalt hat ihm Hr. Philippson gegeben. Wir hatten ihn fast nicht erkannt. Was für ein verhunzter, sinnwidriger Artikel ist aus diesem unschuldigen, gutgemeinten und gutgeschriebenen Aufsatze geworden! Htn. Philippson gefiel eS gleich Anfangs einzuschalten, daß in diejenigen, die die Landestracht angenommen haben, der Hochmuthsteufel gefahren sei! Befand sich dieser Ausdruck im Originale? Ferner hat sich Hr. Philippfon ein neues Deutsch geschaffen. Statt wie es im Originale heißt „die sich deutsch Tragenden" heißt es im gedruckten Artikel „Träger der deutschen Tracht"!!! Jetzt fragt sich billig, ob das der moderne deutsche Styl oder ein unglücklich gewählter Ausdruck für die zu bezeichnende Idee ist? Was soll man nun von einer Zeitung erwarten, dessen Redacteur die ihm eingeschickten Artikel nach seinem Geschmack, und wie es zu seinem Interesse am tauglichsten ist, zubereitet! Allerdings steht dem Redacteur das Recht zu, an einem Aufsatz etwas zu modeln, aber nur insofern der Hauptsinn desselben keine wesentliche Veränderung erleidet. Soll aber dieser Hauptsinn gewissen Absichten des Redacteurs nicht entsprechen, so ist schon weit ehrlicher gehandelt, den Artikel ganz zu unterdrücken. Aber ihn so lange zu zerren und zu wenden, bis aus ihm ein nichtssagendes, gestaltloses und verkrüppeltes Ding wird, ist eine Unredlichkeit, welche die strengste Rüge verdient. — Um diesen Bericht so angenehm zu schließen, wie ich ihn begonnen habe, spreche ich die Hoffnung aus, in diesem Blatte nächstens Mittheilungen über neue großartige Schöpfungen zu machen, die durch das unermüdliche Streben unserer für das allgemeine Wohl beseelten Vorsteher bald entstehen dürften. Namentlich muß ich des Tempels erwähnen, dessen definitive, baldige Gründung keinem Zweifel mehr unterliegt, da die Hauptschwierigkeit überwunden, nämlich die dazu nöthigen Fonds zusammengebracht sind. — Auch werde ich über die Fortschritte und das Gedeihen der neuen Talmud- Tora und des Waisenhauses, wie auch über die Leistungen des Frauenvereins dann und wann Bericht erstatten. — H. Literatur. Jüdische Briefe. Zur Abwehr und zur Verständigung. Von Gabriel Rießer. Erstes und zweites Heftt Berlin 1842. Veit und Comp. Seitdem die Juden eine Selbstständigkeit erlangt haben und im Gesammtvölkerleben als Volks- und Nationaleinheit ausgetreten sind, hatten sie immer das traurige Schicksal, von anderen Religionsgenossenschaften angeseindet, gehaßt und verfolgt zu werden. Wo die Macht nicht ausreichte, sie zu unterdrücken, oder wo man sich aus Rücksichten schämte, materielle Zwangsmaßregeln gegcn sie zu ergreifen, da miethete man Propheten, sie zu verfluchen, und seit der Zeit, daß solche dem Gott der Wahrheit verhaßte Lügenmäuler verstummen mußten, übernahmen Schriftsteller eigener Art das wichtige Geschäft, durch Schriften Israel zu verleumden, anzuklagen und zu verfluchen. — „Das dauert schon 1800 Jahr Und ein Paar darüber, das ist wohl wahr!" Denn nur was der berüchtigte Grieche Apion gegen die Juden und ihren Glauben lügenhaft hingeschrieben hat, das nur, und nichts mehr ist von den ju'oenfeindlichen Schriftstellern aller Zeiten und selbst unserer aufgeklärten schon hundert, schon tausendmal wiedergekäuet und bis zum Ekel dem lesenden Publikum wieder aufgetischt worden.. Im Mittelalter, wo die Christen fast ausschließlich lateinisch und die Juden ingleichen fast ausschließlich nur hebräisch schrieben, da harte die Verfolgung der Juden durch Scheiststeller ihren guten Fortgang; denn der Dränger war vom Bedrängten, der Bedrücker von dem Bedrückten durch die größtmöglichste weite Kluft, durch die Sprache getrennt, und ohne die geringste Gegenwehr mußten die Juden das verhängnißvolle Mißgeschick über sich ergehen lassen, vertrieben, gefoltert und verachtet zu werden. Ein Parteienkampf war unmöglich, weil die Waffen durchaus ungleich waren, mit denen die Kämpfer sich rüsten mußten, und so pflanzten sich das Vorurtheil und die Lüge wie eine böse Krankheit von Geschlecht zu Geschlecht ungestört fort. — In der neueren und neuesten Zeit aber, wo die Juden es erstrebt haben, mit ihren christlichen Mitbewohnern einerlei Sprache zu sprechen und zu schreiben, wo sie sich angeeignet die Macht des Wortes zur Abwehr gegen ihre übermüthigen Feinde, zur Verständigung über Vorurtheil und Lüge, da blieb natürlich der offene Kampf nicht aus, und eine große Anzahl jüdischer Schriftsteller trat in die Schranken und wies jede Verleumdung'

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