Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 30 (23.7.1842)
- Date
- 1842-07-23
- Page
- Seite 235 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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235 diese Verpflichtung in keinem Falle brechen. Dagegen stehen Ihnen die Spalten der Leipziger Allgem. Aeitung zur Widerlegung von Thatsachen gleichfalls offen, was indessen in dem vorliegenden Falle wohl deshalb nicht mehr nöthig sein dürste, da inzwischen in Nr. 103. bereits ein zweiter Artikel ausgenommen worden, der ganz die gegentheilige Ansicht der Correspondenz in Nr. 99 aus spricht. Genehmigen Sie die Versicherung meiner hochachtungsvollen Ergebenheit gez. F, A..Brockhaus. Aber was er aus einem offt'ciellen Schreiben der Redaction nichterfahren konnte, das konnte er leicht auf anderem Wege erhalten, und so erfuhr ec denn, daß sammtliche Mittheilungen von Dc. F. herrühren, was ich freilich als Mittheiler nicht verbürgen mag. Ob aber Hr. Dr. F. als Repräsentant der öffentlichen Meinung für Geiger gelten könne, darüber mag jeder Breslauer urtheilen, der da weiß, daß gerade nur er die Weranlaffung zu seinem'Hinkommen war; nur sollte man nicht mit einer öffentlichen Meinung prunken wollen, die nur die Privatmeinung eines intimen Freundes ist. Von derselben Qualität sind die Correspondenzen in der Leipziger Allg. Aeitung mit dem ssj-Zeichen, wobei man nur erstaunen muß, wie weit sich die lateinische Philologie in der Liebe zu dem Geiger'schen Judenthum vergessen kann. Eine Schilderung der Juden-Artikel-Macher mit Angabe der Namen behalte ich mir vor. Daß der Rabbiner in derselben Zeitung, wenn er Lust hatte und es der Würde des Judenthums und eines politischen Blattes angemessen fände, antworten kann, dürften Sie daraus hinlänglich ersehen, aber es ist nicht Sache der Wahrheit, die Mittel der Marktschreier zu ergreifen. O Ihr erbärmlichen Parteimenschen! Ihr spinnt Euch in Euerm kleinlichen und grillenhaften Hasse so fest ein, daß Ihr den Feind, der vor Euch mit dem flammenden Schwerte steht, nicht sehet. Habt Ihr Breslauer denn nicht jenen infamirenden Artikel in der L. A. Z. vom 10. Juli gelesen, und wahrlich dieser verletzt und infamirt Euch, Euere Reichen, Euern Vorstand, Euern alten und neuen Glauben mehrmals je ein Rabbiner es gethan; da, nur da ist Euer Feind, nicht im Talmud des Hrn. Tiktin. Und Sie, federfüchsiges Gemeinde-Mitglied, warum schreiben Sie nicht gegen diese so niederschmetternde Anklage, die Euere politische Existenz bedrohet? Warum schweigen Dr. F., warum Geiger, warum schreiben sie nicht in jenem Blatte dagegen, welches sie doch selbst zum Tummelplatz des sogenannten reinen Judenthums machen? Oder sind jene politischen Anklagen weniger wichtig, als das Tragen der Filzschuhe am Versöhnungstage? O der erbärmlichen Patteimenschen! sie sind wie die Götzen der Heiden, sie haben Augen und sehen nichj! Bveslcm, den 9. Juli. Zur Charakteristik d e r R a b d -i n a l s - W i r r e n *). Die Publicitat ist heut zu Tage eine dämonische Macht: was sie erst bei einem Haare gefaßt hat, das gehört ihr auch bald ganz. Daß sie von den hiesigen Rabbinats-Angelegenheiten als von einer interessanten Stadtneuigkeit sogleich Notiz nahm, ist sehr natürlich; daß sie den weiten Verlauf der Controverst, der den Localstreit in eine principielle Glaubens- Frage zu verwandeln beginnt, gewissenhaft begleitet, ist ihr sogar zum Verdienst anzurechnen. Um so mehr muß man sich wundern, wie die Gegenschriften auf den Bericht des hiesigen Ober-Vorsteher-Collegiums sich nicht geschenkt haben, vor der alles überwachenden Oeffentlichkeit in jener schillernden lojalen Haut zu erscheinen, aus der die Schlangennatur so unverkennbar hervorlugt. Wir würden es nicht minder auffallend finden, daß besagte Gegenschriften sogar die Oeffemlichkeir mit vielem Selbstdewußtsem heraussordern, und sich in gewisse Kreise drängen, von denen für sie und ihre Sache durchaus kein Jncereffe zu erwarten ist; wenn uns nicht so mancher Passus in denselben verriethe, wie er in jenen Kreisen eben verstanden sein möchte. Wir wissen es, die gegen den Vorstand Opponirenden und ihre Agenten behelligen Veamie, Offiziere, Schulmänner, Geistliche mit ihren übelgerathenen Herzensergießungen; wodurch wollen sie aber Sympathien erwecken? Bei den letztem höchstens wäre ein Interesse an einer theologischen Debatte, wenn sie auf rein wissenschaftlichem Gebiete geführt würde, vorauszufttzen; was aber Männer der Wissenschaft zu einer Ausgeburt der krassesten Unwissenschaftlichkeit sagen mögen, sagen müssen; was sie bei dem Anblick eines Reigensührers, der auf der Lärmtrompete seiner Autorität das: Steiniget, Steiniget! schreit, wozu ein Troß von fanatischen Duodez-Rabbinerlein Chorus macht, anders als die tiefste Entrüstung fühlen können, brauchen wir wohl nicht erst zu fragen. Es gab freilich auch einmal eine Zeit, wo der jüdischen Fanalismus das erste Erwachen des philosophischen Bewußtseins im Zeitalter des Maimonides, bei den Dominikanern als jüdische Ketzerei denuncirte, gegen die eben so streng als gegen die christliche verfahren werden müßte; und es ist wahrlich traurig für uns, nur damit uns trösten zu können, daß es heute keine Dominikaner mehr giebt, daß von der Sonne unsres Jahrhunderts die Bleidächer der Inquisitionen geschmolzen, während der jüdische Fanatismus noch wie vor 800 Jahren in voller Blüthe steht. Wenn wir es nun auch diesem Fanatismus, der das Ansehen eines so hohen Alters für sich hat, zu Gute halten wollen, daß er sich in seiner Ohnmacht einmal Lust machen will, so müssen wir doch der flachen nackten Heuchelei, die ihm die ehrwürdige Schleppe trägt, und mit vornehmer Ironie und gen Himmel gedrehten Augen sich so unausstehlich spreizt, *) Diese gegen Herrn Tiktin scharf sich aussprechende Correspondenz ist uns von einem andern Correspondentcn als den gewöhnlichen mitgetheilt worden, und obgleich ich darin die Unparteilichkeit, die Würde, vorzüglich die Gerechtigkeitsliebe nicht immer antreffe, die sonst die Arbeiten dieses Mannes auszeichnen, so stehe ich doch nicht an, dieselbe als Ausdruck einer ganzen Partei hier mitzutheilen. Aus Liebe zum Fortschritt hat der Corr. zu unterscheiden vergessen, daß milder Liebe zu diesem der Unwerth des sich als Werkzeug desselben Ausgebenden nicht übersehen werden darf. Redr 30 *