Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 30 (23.7.1842)
- Date
- 1842-07-23
- Page
- Seite 234 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- 234 - Hirizuschlagen fällig gewordener Zinsen auf die angesehene Summe als Zinswucher zu bestrafen sein. Breslau, 12. Juli. Vertrauend auf die Unparteilichkeit Ihres Blattes sende ich Ihnen sammtliche Blatter der Breslauer Zeitung, worin die Wortführer der Geigec'schen Partei mir Koth und Schmutz um sich werfen, wie sie es auf dem Friedhofe gerhan. Einer dieser Wortführer, hat sogar die Frechheit, sich „Gemeinde- Mitglied" zu nennen; es wäre traurig, wenn die ehrwürdige jüdische Gemeinde aus solchen Mitgliedern bestehen sollte; jedenfalls aber, wenn besagtes Subjett ein Mitglied ist, so kann es höchstens nur ein Auswuchs sein. Ich erwähne und rüge die Katzbalgereien in der Breslauer Zeitung nicht deßhalb, um hier gar etwa eine Sympathie für Hrn. Tiktin auszusprechen, noch weniger um eine Gelegenheit zu haben, auf die Geigerianischen Marktschreier loszuziehen, denn wahrlich, der Streit an sich ist mir höchst gleichgültig; aber bedauerlich ist es, daß die Redaction der Breslauer Zeitung das gemilderte Eensurgesetz der preußischen Regierung nicht besser zu benutzen weiß, als daß sie die Spalten ihres Blattes zum Äusspielen der Posse „Unser Verkehr" in Manier der modernen Juden hergiebt. Ein solches politisches Blatt, dessen Berus es ist, ein Organ dieser herrlichen Provinz unseres Vaterlandes zu sein, ein Blatt, das schon aus der Königsberger und Rheinischen Zeitung hatte lernen können, für welche Interessen des gemeinsam deutschen Vaterlandes noch zu kämpfen und zu ringen ist, wahrlich ein solches sollte sich nicht zu einem Trödelplatz hergeben, wo aufgestutzte Judenhausirer ihre geistlose Aufklarerer feil bieten. Man muß die Stimmung der Gebildeten Breslaus kennen, um zu wissen, mit welchem Ekel man sich von diesen Mauscheteien m der Breslauer Zeitung wegwendet, und mit welchem Verdruß man auf eine Redaction hinblickt, die, wenn auch nicht von den Interessen Deutschlands, nicht einmal von unfern Provinzialinteressen eine bessere Meinung hat. Wenn je eine Zeitung die Geißelhiebe der Censur verdient, so ist es die Breslauer; nicht deßhalb, weil sie die schlechteste im deutschen Reiche ist, sondern weil sie die beste sein könnte und sie ist so erbärmlich schlecht. — In Erwartung, daß Sie von allen dielen Artikeln, die Sie hier in der Bresl. Zeit, erhalten, keinen Gebrauch machen werden, erlaube ich mir noch Folgendes zu bemerken. Auf die spaltenlangen Artikel in besagter Zeitung hat Hr. Tiktin eine kurze aber recht würdige Antwort gegeben, nämlich daß er es nicht angemessen findet, in einem politischen Blatte solchen Anfragen Rede zu stehen, und daß er bereit sei, Jedem, der sich zu ihm verfügen wollte, über dieses oder jenes zu belehren. Diese Antwort hat für Hrn. Tiktin eine sehr gute Meinung selbst bei vielen seiner Antagonisten hervorgebracht, weil sie der Erbärmlichkeit und der Prahlerei der andern Partei gegenüber einem geistlichen Oberhaupte völlig angemessen scheint. Auch die höchsten Behörden in Berlin wissen, so viel wir erfahren, die ruhige Haltung des Herrn Tiktin zu würdigen, wie überhaupt unsere Regierung die Ostentation der Geiger'schen Parthei und diese den Juden nur zu oft vorgeworfene Zudringlichkeit nicht liebt. Noch muß ich erwähnen, daß die Partei Geigers mit der Bresl. Zeitung allein sich nicht begnügt, sondern vornehmlich auch die Leipziger Allgemeine Zeitung gleichsam als Organ anzuwerben strebt, um sagen zu können, Geiger habe die öffentliche Meinung für sich. Um aber den unparteiischen Lesern des Orients auch einen Blick in das Getriebe dieser Zeitung zu gönnen, möge hier Folgendes erwähnt sein« Schon vor Jahren führte einmal die Leipziger Allgemeine Zeitung die Sache des Hrn. De. Geiger; da waren sehr oft Artikel zu lesen, in denen von, den Ungeheuern Segnungen des Geigerschen Reiches, von der Herrschaft des Lichts unter seinem Zepter gesprochen wurde, hingegen war Hr. Tiktin als das Princip der Finsterniß, als die letzte Spitze der Intoleranz, als der wahre Hemmschuh des Messiasreiches dargestellt. Diese Erscheinung war zwar den Einsichtigen nicht unerklärlich, dennoch waren sie geeignet, die große Masse zu blenden. Die Einsichtigen, sage ich, fanden diese Erscheinung erklärlich; denn Jeder, der den Zustand dieser Zeitung seit einigen Jahren beobachtet, weiß in welchem anarchischen Zustande, in welcher Geistesdürre und Corcespondenzennoth und aus welcher Bahn dieses öffentliche Organ Preußens sich befindet, zumal seitdem Hannover und Köln nichts von Interesse wehr darbietem Jede Correspondenz wird ausgenommen und da Judensachen, schon ihres Pacteiinteresses wegen, leichter zu haben waren, so wurde nach und nach die Leipz. Allg. Zeit, fast zu einer Judenzeitung. Das wußten und wissen die Einsichtigen und haben daher aus die öffentliche Meinung in Judensachen, die sich in der L. A. Z. vernehmen ließ, nichts gegeben, da man vermuthen konnte, daß diese öffentliche Meinung höchstens die Meinung von zwei oder drei Juden sei, also gar nichts beweisen könne. Hr. Tiktin, obgleich er vermuthete, daß jene Artikel von einem seiner Feinde herrührten, da bekanntlich diese Neuerer gern in öffentlichen Blättern prunken, wollte sich über die Person Gewißheit verschaffen und schrieb deshalb an den Red. Fr. Brock H aus. Dieser beantwortete umgehend das Schreiben des Rabbiners in Folgendem : Herrn Ober-Rabb. S. A. Tiktin, Wohlg. in Breslau. Leipzig, den 19. April 1842. Ew. Wohlgeb. bemerke ich in ergebener Erwiederung Ihrer geehrten Zuschrift vom 14. d., daß es mir zu meinem Bedauern unmöglich ist, Ihrem Wunsche zu entsprechen. Sie haben, indem Sie denselben gegen mich aussprachen, wohl nicht bedacht, daß es die erste Pflicht und Bedingung der Redaction ist, hinsichtlich der Correspondenten die strengste Diskretion zu beobachten, und ich dars