Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 29 (16.7.1842)
- Date
- 1842-07-16
- Page
- Spalte 457-458 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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457 Religionsphilosophie des Ahron den Elia v. Nikomed. Herausgegeb. v. Dr. Delitzsch. 458 Religionsphilofophie. 2 " n yv Ahron den Elia's aus Nikomedien, des Karäers, System der Religionsphilosophie nebst einem dazu gehörigen einleitenden Traktat des Karäers Kaleb Abba Äfendopolo, zum ersten Mal herausgegeben 2c., sprachlich, kritisch und geschichtlich erläutert v. Franz Delitzsch. Leipzig 1841. 8. Barth. LXXX. S. 388. Auch unter dem Titel: Anecdota zur Geschichte der mittelalterlichen Scholastik unter Judeir und Moslemen. Aus hebräischen und arabischen Handschriften herausgegeben von 2c. Ein Werk in hebräischer Sprache, im Jahre 1346 geschrieben von einem berühmten Karäer, muß an sich schon die Aufmerksamkeit des gelehrten Publikums in vieler Beziehung auf sich ziehen. Wird dies nun noch von geübter und bewährter Hand sprachlich, kritisch und geschichtlich beleuchtet und werden durch Zugaben diese Vorzüge noch erhöht, so nimmt es mit Recht eine hohe Stufe unter den literarischen Erzeugnissen der Neuzeit ein. Nicht unpassend nennt Jost (Gesch. der Israeliten 8, 142) diesen Verfasser „den Maimonides der Karäer"; denn in diesem Werke philosophirt er nach Art desselben, ja dies Werk wurde eigentlich durch den More für die Karäer nöthig und hervorgerufen. Und so wie dieses Werk ein rivalisirendes Gegenstück zum More bildet, so tritt, nach dem 825. des Orients 1840. 40. S. 634 sein großes nomokanonisches Werk NM >30 mit Maimum's npin T in die Schranken, wovon dort eine kurze Schilderung gegeben wird. Dieses große Werk wurde acht Jahre später zu Konstantinopel vollendet im 1.1354. Im Jahre 1362 verfaßte er seinen Pentateuchcommentar min nn3. Vergl. darüber Orient 1840. 32. S. 500. Im September 1369 starb der Verfasser (Jsr. Annalen 1839. 11. S. 83). Geboren.war derselbe zu Nikomedien, nicht zu Kahira wie Mordechai berichtet, Prolegomena S. IV. Hiernach ist auch Jost a. a. O. zu berichtigen, wo es heißt „aus Nikomedien in Mizr." Das siebente Kap. unseres Werkes war schon früher gedruckt im Noblot Chochma 91, J). nach Proleg. S. V. Anm. 8. / Die Hauptmaxime des Ahron ist, nach Del. S. X. „daß das Aequilibrium der intellektuellen und körperlichen Interessen die Hauptaufgabe des Lebens, die Grundbedingung der Seligkeit und das Kriterium der Religionen sei, welches er auch historisch-biblisch zu begründen sucht. „Wenn D. aber in seinem Excurs über das Verhaltniß des Ez Chajim zum More Nebuchim S. 336 behauptet: „Der Geist des More und des Ez Chajim ist derselbe. Es herrscht in beiden eine für sich eingenommene stlbstgenügsame Speculation, die einerseits, ohne es wissen zu wollen, von dem Lichte der göttlichen Offenbarung Ulustrirt ist, andrerseits gegen dieses Licht sich absperrt, indem sie durch stolzes Jgnoriren oder falsche Deutung sich selber betrügt", so ist dies ein hartes, und nach meiner Ueberzeugung ein sehr unwahres Urtheil gegen Beide. \ Die göttliche Offenbarung auf dem Berge Sinai geht ihnen über Alles. Ja Ahron geht so weit, daß er alle Philosophie der Griechen, Christen und Muhammedaner von den Israeliten und ihrer Offenbarung ableitet S. 4., und war Maimuni auch zu sehr vertraut mit der Philosophie der Griechen, als daß er solches behaupten sollte, so geht ihm doch nichts über die Offenbarung. Mit Unrecht behauptet daher D. ferner, daß sie die in der Schrift niedergelegte Offenbarung der speculirenden Vernunft subordiniren. Die Tendenz Ahrons ist, wie die des More, die Aussprüche der h. Schr. mit der Philosophie in Einklang zu bringen und somit eine reine Gotteserkenntniß zu begründen. Daher mußten die Ausdrücke, welche auf Körperlichkeit Gottes führen könnten, gedeutet werden. Die Uebereinstimmung mit dem More Nebuchim ist hier zu sichtlich, als daß der Einfluß des letztem geleugnet werden könnte. Auffallend ist es aber, daß dieses Werk nicht namentlich von Ahron genannt wird. Selbst Perek 18. S. 46, wo Ahron von seinen Vorgängern spricht, und Maimuni genannt werden mußte, erwähnt er nur sein Werk yiD, von welchem daselbst bemerkt wird, es sei im Jahre 4938 1178 verfaßt worden, 29 Jahre nach der Abfassung des 3D3n fet&w-tjon Jehuda ha- Abel, woraus hervorzugehen scheint, daß Maimuni .die karaischm Quellen nicht unbekannt waren, eben so wenig, wie dem Jbn-Efta. Hierbei ist merkwürdig, daß Maim. die Karäer und ihre Werke ganz ignorirt. Ich kann mich wenigstens keiner Stelle erinnern, wo er ihrer Erwähnung gethan. Auch darin unterscheidet sich Ahron von Maimuni, daß er seine Ansicht allenthalben deutlich ausspricht, wahrend M. sich zurückhalt und öfters seine Meinung errathen läßt. Das kommt aber daher, weil M. nach der Mischna die deutliche Auseinandersetzung der metaphysischen Ansichten für unerlaubt hält, während der Karäer natürlich daran keinen Anstand nimmt. Polemisch tritt Ahr. gegen Maim. S. 57 unter ND3 und S. 66 unter auf. An ersterer Stelle wird als ein Vers angeführt 'n ND3 by not “j'PDm, wozu Delitzsch die Frage stellt S. 256. „An welche Bibelstelle mag Ahron gedacht haben?" Mir scheint es keinem Zweifel zu unterliegen, daß Ahr. hier an 1 Chr. 29, 23 dachte 'n ndd by r\obw 3OT, welche Stelle nur im Anfänge, vielleicht durch einen Abschreiber, mit der vorher angeführten 1ND3 by 3OT verwechselt worden ist. Die Karaiten nennt er vorzüglich nDNn *>DDn und wwn S. 85 und DDinb ■ D'obin S. 63. Indessen war die Kluft zwischen den Karaiten und Rabbaniten ehe- . mals nicht so weit, wie man gewöhnlich glaubt, denn aus den S. 302 angeführten Stellen geht hervor, daß viele Karaiten Schüler der Rabbaniten waren, wie z. B. Ahron benJosef zuKonstantinopel um das Jahr 1294, der ein Schüler des Ramban war und viele Andere sonst.