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Der Orient · 1842-07-16 · 29 (16.7.1842) · p. Spalte 451-452

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
29 (16.7.1842)
Date
1842-07-16
Page
Spalte 451-452 (sequence 2)
Language
German
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451 Der Geist der talmud. Auslegung der Bibel, von Hirschfeld. Beurtheilt v. Cassel. 452 Händen ' waren. „Sie waren darum in gewisser Beziehung traditionell". „Wir nennen dies „wiederholen" „einüben" „einschärfen", obwohl es im Talmud nicht so benannt vorkommt." Hierbei kann man fragen 1) Warum nicht die Bezeichnung wählen, die . im Talmud dafür vorkommt? 2 Gesetzt, es käme im Talniud keine dafür vor, warum eine Benennung wählen, die erst nur auf einen Seitenbegriff beruht, und nicht mit der Hauptsache in Verbindung steht, die endlich im Talmud, an den man sich doch immer anschließen will, in ganz anderer Bedeutung vorkommt (nämlich heißt im Talmud: erwiedern, widerlegen)? 3) Wozu überhaupt diese Benennung, da sie im ganzen Buche sonst nicht angetroffen wird? — Die zweite Abtheilung „die Grundgesetze der talmudischen Exegese im Besondern" hat ihre Abschnitte schon durch die oben aufgezählten verschiedenartigen Commentationsversuche gefunden; indeß fehlen hier (tz. 123), wo diese Aufzählung auf die Zerfällung der zweiten Äbtheilung verwendet wird, die mit und po benannten Versuche. Man fühlt sich geneigt, sie dem 3. Abschnitt, --narrt, zuzuschlagen, da sie sich von dem letzten Versuch dadurch wesentlich unterscheiden sollen, daß bei allen frühern noch ein Zusammenhang, zwischen Inhalt und Text, bei diesen aber gar keiner statt findet; und in der Lhat hat dies auch der Vers, gethan. Daß demungeachtet die Uebersicht des 4. (druckfehlerhaft 3. Abschnitt überschriebenen) Abschnitts S. 439 neben nst auc^ NrDDDN hat, ist wohl eben nur der vorhin schon ansgesprochenen Unsicherheit dieser Ausdrücke im Talmud, dem sich hier der Verf. anschloß, zuzuschreiben. o-v;:.,. Da man unter »MO, dem ersten Abschnitt dieser zweiten Äbtheilung, die Auffassung durch den Talmud nach einer gewissen Natürlichkeit versteht, ist hier nur davon zu sprechen, in stiefern diese Natürlichkeit von der unsrigen abweiche. Die ä^ilssmittel, deren man sich hier bedient, sind „entweder der innern Oekonomie der Bibel entnommen, oder aber anderwärtsher entliehen. Diese letzten sind die Hilfswissenschaften, die in der Exegese angewendet werden; jene ästhetische Ansichten der Natur der Bibel entnommen. Aus beiden stellen sich die Grundsätze dann für die einfache Auslegung heraus" (S. 131). — Im 1. Kap. werden die Hilfswissenschaften, nämlich theils mittelbare, welche durch andere Gegenstände die genauere Erkenntniß der Bibel und ihre Verhaltniß zu ändern Disciplinen lehren , theils unmittelbare, die uns durch ihre Kenntniß schon die Erkenniniß der Bibel' eröffnen, behandelt. Jene sind schon oben in dem zweiten Kap. des ersten Abschnitts der ersten Abtheilung als „Intelligenz" besprochen; als. letztere kann eigentlich nur die .Sprachwissenschaft bezeichnet werden. In Beziehung auf letztere erinnert der Verf..wieder an das, was schon oben über das Schicksal der orientalischen Sprachen im Allgemeinen und der hebräischen ün Besonder» gesagt wurde, nämlich-an die Einwirkung der Dialekte, an die bei dem immer erhaltenen Urtypus dadurch und durch/die Anfügung vieler neuerer Begriffe entstandene Unsicherheit des Ausdruckes, die noch durch das exegetische Streben innerhalb des Derasch vermehrt würde. Auffallend ist hierbei, wie der Verf. sagen konnte, daß die hebr. Sprache durch die Annäherung .an das „Chaldäische eine „vokalen- . reiche (?) Betonung (?)" gewann, ferner daß „das Volk dem Vorbeter nur zuhörte, ohne selbst zu beten" (S. 135), wofür wir uns noch die Belege zu erbitten haben. — Doch wirkte andrerseits auch wieder das fleißige Studium d. h. Schr. auf die Sprache des Talmuds ein, so daß oft ganz^ Sätze aus biblischen Büchern in die Schriftsprache übergingen. Mit Recht bemerkt der Verf. daß man aus talmudischen Phrasen wie p NJDiTi Dirob p DN', denen eine ungrammatische Form folgt (wie z. B. btö'b DN Waba kama 65 a. 85 b) nicht schließen dürfe, der Talmud sei wirklich . so unwissend in der Grammatik gewesen, daß er eine solche Form in der Bibel erwarten konnte. Dagegen scheint uns der Anfang des folg. §. 132 (S. 137) einen sonderbaren Verstoß gegen die Geschichte zu enthalten. Es heißt nämlich da : „So beweist im GcgeuLheil die Massora (richtiger Masora), die critische Sorgfalt, mit der die Talmudisten den Text bewahrten, daß eine grammatische Aufmerksamkeit sie leitete." - Wenn es hier schon auffällt, daß den Talmudisten das Studium eines Werkes, das erst nach ihnen entstand, und dessen Elemente im Talmud kaum sichtbar werden, zugeschrieben wird, so verwirrt uns die zu dem Worte „Massora" gesetzte Anmerkung: „Unter Massora verstehen wir hier die sogenannte große Massora" noch mehr. Dies Hervorheben der großen Masora würde auf ein Ausschließen der kleinen führen; da nun die letztere nur ein Auszug aus der größer» ist (am Rande der rabbin. iw and. Bibeln), sich also von dieser gar nicht wesentlich unterscheidet, überdies ihrer Entstehung nach einer schr späten Zeit anheimfa'llr, so weiß man nicht, warum der Verf. hier. einen solchen Nachdruck auf die große Massora legt. Indeß belehrt uns gllicklicherweise eine ParallelsteUe des Werkes selbst (S. 306. A. 1) über der; eigentlichen Sinn jener Anmerkung. . Hier heißt es nämlich, von der „Massora hagedola, die sich selbst mit der Vokalisation, ja sogar mit der Accentuation beschäftige" (und doch haben die Talmudisten sie studirt)-fti die Massora, die in dem Satze moüb DN L" gemeint sei, und die nichts weiter . als das überlieferte, überreichte Material in-den Gesetzrollen ist, also die Buchstaben des Textes ohne Punktation und ohne specielle Interpunktion, wohl zu unterscheiden. Der Fchler liegt darin, daß der Verf. diese n*")DD, die in der angeführten Stelle vorkommt, mit dem einem spätem Werke ausschließlich beigelegten Namen „Masora" übersetzt, wodurch eine Verwirrung der Begriffe entsteht, der der. Vers, nicht ganz glücklich entkommen ist. — Einige specielle Bemerkungen, die der Verf. über die grammatischen Ansichten des Talmud giebt, sind recht treffend; so darüber, ob die Bibel (der Pentateuch) bei der Anrede an das männliche Geschlecht .auch das weibliche mit einschlicße-; ferner über die NLchttrcnnung grammatischer und

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