Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1842)
- Date
- 1842-07-16
- Page
- Seite 226 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- 226 — von redlicher Beweisführung zu scheiden weiß, mag selbst sehen, ob jener Folge übersprudelnder Kraft, oder blendende Hülle der Nacktheit sei. Nur auf zwei Punkte erlauben wir uns aufmerksam zu machen, weil sie, abgesehen von dem fraglichen Gegenstände, der allgemeinen Beachtung werth sein dürften. Wahrend F. eingedenk der Heiligkeit des Gegenstandes, des Ernstes der Wissenschaft und endlich der würdigen Stellung, welche beide Streiter im Weinberge des Herrn einnehmen, nicht nur in seinem Gutachten, sondern auch in der Beantwortung des Sendschreibens zwar streng und ohne Rücksicht, aber ernst und würdig kämpft; wahrend er, obwohl in letzterer sich manche Gelegenheit zum Spotte darbot, und die Benutzung derselben seiner Gereiztheit hatte zu Gute gehalten werden können, dennoch diese Waffe seines Gegners verschmäht: spottet S. wo er rügen, scherzt wo er beweisen, spielt auf Persönlichkeiten an, wo er die Sache im Auge haben soll; und das in einer Schrift, welche am bittersten über den vocgeworfenen Mangel an Ernst klagt; nicht bedenkend, daß ein Kampfer, der in Vertheidigung der heiligsten Sache noch Zeit und Lust zum Scherze hat, diese Beschuldigung eher bestätigt als widerlegt; nicht bedenkend, daß, wenn die Führer des Volkes statt zu kämpfen sich belachen, am Ende sie und ihre Sache vom Volke, zu dessen größten Nachtheile verlacht werden. Quiclqiiid reges peccant pieclimlur Acliiri. Ein zweiter, weit härterer Vorwurf trifft S's. Sendschreiben , daß er (unvorsichtiger Weise , wollen wir zu seiner Ehre vermurhen) die Messi'asidee, einen so zarten Punkt, der schon allzuoft gemißdeutet dem bösen Willen der Judenfeinde Vorschub geleistet hat, ins politische Gebiet hinüber zog, und einen Rabbiner vor dem christlichen Publikum wegen seiner messi'anischen Ansicht gleichsam pcostituirt; unbekümmert, daß einem solchen , als Repräsentanten der Glaubensform seiner Gemeinde, einem hervorragenoen Rabbiner wie F., als gewichtiger Autotoritat im Volke, eine der Emancipation zuwiderlaufende Ansicht aufbürden nichts anders heißt, als den Stab über einen großen Theil unsrer Glaubensbrüder brechen, unfern Feinden die Waffen in die Hände liefern; daß ein so trauriger Triumph, würde er erreicht, der Eitelkeit des Siegers die gute Sache zum Opfer brachte. In welche Widersprüche Sal. bei dieser Beschuldigung verfällt, wie sehr die Parteilichkeit die Wahrheit seinem Urchelle entrückt, hat schon F. in der Widerlegung klar nachgewlesen; und erwähnen wir den Streit daher nur kurz. F. nimmt als Grundidee des Messsasglaubens mit S. die allgemeine, gelauterte Gotteserkenntniß und Gottesfurcht an; meint aber, daß dieser allgemeine Satz, außerhalb des praktischen Lebens stehend, von vielen gar nicht, von Vielen falsch aufgefaßt, von Andern zum Indifferentismus, ja zum Religionswechsel gemißbraucht, die Menschen eher zu resignirender Trägheit als zu begeistec. ter That geneigt mache: daß dagegen der Gedanke an eine mögliche Selbstständigkeit der Juden in irgend einem „Winkel der Erde" *), und sollte dieselbe in Jahrhunderten nicht zu Stande kommen, den Willen belebe, die Kraft sporne, den Sinn begeistere, nicht zu antipatriotischen Unternehmungen, sondern zur Wahrung der gebührenden Rechte auf rechtlichem Wege. Er fügt hinzu, daß die so wechselnden Vor- und Rückschritte der Humanität den Wunsch erzeugen, irgendwo unsre Rechte äußerlich vertreten zu sehen. Und in der Thar die jetzt Mode gewordenen, sogenannten christlichen Staatsprincipien berechtigen nur zu sehr zu diesem Wunsche. Sollte diese Ansicht unpatriotisch sein? Wir glauben, daß gerade der Grad des Eifers für unsere heiligen Menschenrechte den besten Maaßstab abgebe, wie weit wir fähig seien, uns für die heiligen Interessen des Vaterlandes zu begeistern. Nachdem nun S. durch vielfältige Wiederholung des „Winkels der Erde" und willkührliche Verknüpfung desselben mit dem Hange nach Genuß und Trägheit Flls. Ansicht sich so zugerichtet, daß sie möglichst plump, materiell und gemein erscheint, ruft er aus: „Und wie vertragt sich dies mit dem Streben nach Emancipation?" Beruht nun schon die Beschuldigung auf willkührlicher Interpretation, erscheint schon die Anklage deshalb unwahr, weil wir annehmen dürfen, daß jeder Unpartheusche, besonders der wie S. Juden und Judenthum kennt, mit uns den Widerspruch auch der buchstäblichsten Auffassung des Messias mit der Fähigkeit emcmcipirt zu werden als einen erkünstelten durchschaut: so können wir kaum begreifen, wie sich S. als Menschenfreund, Jude und Prediger, soweit vergessen konnte, den Applaus judenfeindlicher Christen durch die Anklage eines großen Theils seiner Giaubensgenvssen erkaufen zu wetten. Wir können nicht umhin, hrn. S., der so sehr jüdische Legenden und Fabeln liebt, zum Schlüsse eine solche vorzuführen. In einem Haine seufzten einst die Eichen, und' als eine alce unter ihnen um die Ursache fragte, entgegneten sie: Wie sollten wir nicht? Siehst Du nicht den Wagen vdll Aexte vorüberfahren? Wie könnten wir den Anblick dieser unsrer Feinde ertragen? — Fürchtet nichts, tröstete die alte, die Aepte werden euch nicht schaden, so ihr nicht die Stiele dazu liefert. Diese Bibelstelle wird commentirt, so oft die Juden in Glaubens- und Cultusstreitigkeiten in öffentlichen Blattern und Schriften unvorsichtig auf die Christen hinüber schielen und vorgebliche oder wirkliche Schwachen ibrer Glaubensgenossen aufdeckend durch die Zustimmung dieser in jüdischen Religions- und Cuttusangelegenheiten minder unterrichteten und irre gelei- ') Wir wissen nicht, was S. an diesem Ausdrucke so Lächerliches gefunden, daß er ihn so oft ironisirend wiederholt. Die „deutschen Jahrbücher" an deren guten Style S. hoffentlich nichts auszusetzen hat, bedienen sich desselben Ausdruckes in ähnlicher Beziehung.