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Der Orient · 1842-07-09 · 28 (9.7.1842) · p. Spalte 439-440

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
28 (9.7.1842)
Date
1842-07-09
Page
Spalte 439-440 (sequence 4)
Language
German
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439 Die Religion des Geistes, von Dr. Formstecher. Beurtheilt v. Dr. Sam. Hirsch. 44V seirs aufzudecken wissen, andrerseits muß sie zu zeigen versufj chen, daß das wahre Iudenthum eben nur von der absoluten | Wissenschaftlichkeit in seiner Totalität begriffen werden kann,.. | daß es mit der wahren Wissenschaftlichkeit eben so absolut. fj vereinbar, als es mit der mangelhaften absolut unverein- * bar ist. Gehen wir nun nach diesen Prämissen zu dem vorliegenden Werk selbst über, so ist seine Anlage und Oekonomie ziemlich willkürlich. Dagegen könnten wir mit dem Verfasser, der (aut der Vorrede „nur Umrisse und Andeutungen liefern wollte" nicht rechten, wenn nicht eine solche willkürliche Behandlung eben die Lösung der Aufgabe von vornherein unmöglich machte. Die Aufgabe, die sich der Vers, gestellt, bezeichnet er S. 4! folgendermaßen: „Das Iudenthum als eine absolut nothwendige Erscheinung in der Menschheit hinzustellen und nachzuweisen, daß es noch jetzt als eine solche betrachtet werden müsse, J und daß es in seiner wesentlichen Fortbildung (?) sich zur I universellen Religion der civilisirten Menschheit erhebe, ist die r Aufgabe, welche in dieser Schrift gelöst werden soll. Das 1 Iudenthum wird deshalb hier stets in seinem Verhältnisse zur Menschheit, in seiner Theilnahme an ihrem Enstwickelungsgange, in der gegenseitigen Wechselwirkung zwischen ihm und und ihr dargestellt werden." Wir behaupten kühn, daß, weil der Verfasser sich nicht die strenge Methode der Wissenschaft angeeignet hat, er zum Theil seine Aufgabe nicht gelöst, zum Theil sich eine sich selbst widersprechende Aufgabe gestellt hat. Das Iudenthum als eine absolut nothwendige Erscheinung in der Menschheit hinzustellen ist ihm nicht gelungen; denn das absolut Nothwendige kann.nur durch die Notwendigkeit der Sache selbst,' d.' h. durch die' Strenge der philosophischen Methode, durch die Reproduktion der Dialektik der Weltgeschichte, nicht durch eine willkürliche Oekonomie und Anlage nachgewiesen werden. Und nachzuweisen, „daß das Iudenthum in seiner wesentlichen Fortbildung sich zur universellen Religion der civilisirten Menschheit erhebe" kann nicht gelingen, weil dieses sowohl dem ersten Theit der gestellten Aufgabe, als auch sich selbst widerspricht. Eine Sache, die ihrem Wesen nach fortgebildet wird, ist nicht mehr dieSache selbst, sondern ein Anderes. Ist vom Geistigen die Rede, so ist zwar das dem Wesen nach noch nicht Fortgebildete in dem dem Wesen nach Fortgebildeten enthalten und ausgehoben; aber jedenfalls ist dieses ein Anderes als Jenes. Erhebt sich also das Iudenthum in seiner wesentlichen Fortbildung zur universellen Religion der civilisirten Menschheit, so thut es dieses nicht als Iudenthum, sondern als wesentlich fortgebildctes Iudenthum d. h. als Christenthum, als Islamismus, oder als eine noch zu machende Religion. Dann ist aber auch das Iudenrhum, d. h. das nicht seinem Wesen nach sortgebildete, weder eine absolut nothwendige Erscheinung in der Menschheit, sondern nur als Vorstufe zu dem seinem Wesen nach veränderten Iudenthum zu betrachten; noch weniger kann das eigentliche Iudenthum, d. h. immer das dem Wesen nach nicht fortgebildete, noch'jetzt, wo das wesentlich fortgebildete schon deshalb allein gilt, weil man es kennt und von ihm spricht, als absolut nothwendig: betrachtet werden. Fragen wir nun vollends: wer ist unserem Verfasser der Fortbildner de s Iudenthums? so wird sich noch klarer zeigen, daß da, wo wir vermittelst seiner Hilfe ins Iudenthum wissenschaftlich hineinzukommen suchen, in der Einleitung seines Werkes, wir von ihm von vorne an herausgeworfen und uns 8it venia verbo die Thüre zum Iudenthum vor der Nase zugeschlagen wird. „Das Iudenthum, sagt er, wird deßhalb (weil es sich in seiner wesentlichen Fortbildung zur universellen Religion erhebt) hier stets in seinem Verhältnisse zur Menschheit, in seiner Theilnahme an ihrem Entwicklungsgänge, in der gegenseitigen Wechselwirkung zwischen ihm und ihr dargestellt werden." Das Iudenthum ist es also nicht, was sich wesentlich sortbildet, das ist nicht möglich' Ist das Iudenthum vorhanden, so kann und muß es wohl seinen ganzen Inhalt seinem Wesen nach auseinanderlegen; es muß das, was es ist, auch setzen, aber zu dem Andern kann es sich nicht machen." Auch ist es nicht der Widerspruch, der im Iudenthum immanent enthalten wäre, der es nöthigte, das Andere seiner zu werden: der Verfasser kann das nicht zugeben, ohne aufzuhören, Jude zu sein. Vielmehr ist es das dem Iudenthum äußerliche Verhältniß zwischen Iudenthum und Welt, die Wechselwirkung zwischen Iudenthum uud Menschheit, die das Iudenthum sortbildet. Aber hiermit ist nur verloren, statt gewonnen, ist nur äußerlich gemacht, was man sich als Immanentes auszusprechen scheut. Das Iudenthum ist nicht mehr das absolut Nothwendige, sondern das eine Moment in der Wahrheit; die Menschheit ist das andere Moment. Wie kommen sie zusammen? Darauf wird zwar nicht geantwortet: weil das Iudenthum als das eine Moment des Ganzen sich widerspricht, indem nur das Ganze die Wahrheit ist, kommen beide Momente zusammen. Aber im Grunde wird doch dasselbe nur äußerlicher gesagt. Das Iudenthum und die Menschheit kommen zusammen, aber auf eine ihnen äußerliche Weise; dieses giebt ein Verhältniß der Wechselwirkung zwischen beiden und diese Wechselwirkung, nicht mehr das bloße Iudenthum und nicht mehr die Menschheit, ist nun die Hauptsache. Damit stehen wir natürlich ganz anderswo, als wir stehen sollten. Das Iudenthum ist nicht mehr das Objekt unserer Erkenntniß, sondern die Wechselwirkung zwischen Iudenthum und Menschheit. Die Wechselwirkung hat gechan, was eine solche der F i ch t e ’ f d) en Philosophie entnommene Kategorie thun konnte. Sie gehet darauf aus, das Iudenthum durch die Menschheit zu vernichten. Ganz gelingt das nicht, denn es bleibt ein reagircndes Iudenthum; was heraus kommt, ist also ein ins Unendliche hinaus seinem Wesen nach fortgebildetes Iudenthum und ebenso eine ins Unendliche ihrem Wesen nach fortgebildete Menschheit, d. h. ein Ding, welches zwischen Iudenthum und Menschheit mitten inne stehet, weder

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