Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 28 (9.7.1842)
- Date
- 1842-07-09
- Page
- Seite 222 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2360092-2360201-2360230--2542-3529470- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
222 auf den geistlichen Oberhirten dieses Kreises, auf den Kceisrabbinec fallen, weil er zu wenig die Genauther seiner ihm anvertcauten Heerde zum allgemeinen Nutzen und Frommen anregt, weil er die Behörden, mit denen ec doch unmittelbar im Berkehr steht, auf den . fehlenden Jugendunterricht gar nicht aufmerksam macht, und er vielleicht fürchtet, in den Augen der israelitischen. Bewohner des ihm zugetheilten königgratzer und bidschowec Kreises, denen seine sichtbar erkünstelte Loyalität hinsichtlich der Cultus-Veränderungen nur zu bekannt ist, nun gar als Freigeist zu erscheinen, wenn er zur Gründung von zeitgemäßen Religions- und Elementarschulen beitrüge. In dem Bewußtsein Gutes gestiftet zu haben wollte ich lieber den Haß'von Hunderten, als — doch genug, wir leben in der Hoffnung, daß er eine größere Thatigkeit für uns beurkunden wird, und sollte dies sein Alter nicht zulaffen, so möge er den weniger bedachten königgrätzer Kreis der besonder» Leitung eines einzelnen Kreisrabbiners überlaffen, und unsere weise Landesregierung würde dann das Bestehen eines selbstständigen Rabbiners für den königgratzer Kreis gewiß zu bewilligen geruhen. Schließlich muß aber auch des Guten erwähnt werden» Bereits haben sich in einer Gemeinde mehre Glieder zur Errichtung einer Privatschule vereinigt und ihr Ansuchen bereits höhern Orts eingereicht. Zu Josephstadt, wo nur wenige, irre ich nicht, nur drei Familien leben, befindet sich ein Privatbethaus, in welchen sich an Sabbat- und Festtagen viele Israeliten aus der Umgebung einsinden. Eine, feierliche Stille herrscht da durch die Zeit des Gebetes, herzerhebend sind die Gesangweisen, die oftmals choralmaßig vorgetragen werden und von Zeit zu Zeit hält der würdige Erzieher *) *) Da ich absichtlich die Namen der Personen überall .recht gelungene, erbauliche, deutsche Vorträge. Es dürste sein, daß auch in andern Gegenden dieses Kreises in der letzten Zeit so manche bessere Vorkehrung in Betreff des Gottesdienstesund des Jugendunterrichtes getroffen wurde, und der geehrte Hr. Redacteur dieser weitverbreiteten Blatter wird es mir daher erlauben, auch aus andern dieskreisigen Gegenden jeden befähigten Mann hiermit aufmerksam zu machen, jede daselbst getroffene zweckmäßige Verdes-, serung zur beispielvollen Nachahmung durch diese Blatter zu veröffentlichen. Jedenfalls sind wir für die Zukunft zu den schönsten Hoffnungen berechtigt, denn es leben Männer in unstrm Kreise, die eben so einflußreich als thätig sind, denen es nie an Kraft gebricht, wenn ihre Wirksamkeit zur Förderung des Guten in Anspruch genommen wird, denen die süße Pflicht des Wohlthuns auch eine ihrer heiligsten Pflichten ist, und die mit Selbstaufopferung schon mehr als einmal Beweise ihres guten Willens und ihrer Thatkraft gegeben, wenn es galt, einen schönen, edlen oder erhabenen Zweck zu erreichen; man darf nur an die Männer in Dobruschka, Königgratz, Pottenstein, Josephstadt, Smiritz, Borohradek rc. erinnern. Und man darf gewiß überzeugt sein, daß wenn alle Bewohner dieses Kreises deren Ansichten theilen, mitunter auch unter deren Aegide treten wollten, daß alle die Nebel schwinden werden, welche wie dichter Flor ihr Auge umhüllen, und klar und rein wird ihnen dann ein neuer Himmel über ihre localen Verhältnisse, über ihr Verhältniß zum Judenthume erscheinen, und unbefangen und frei werden sie dann alle da stehen als Weltbürger, als von ihren christlichen Mitbrüdern geachtete, geschätzte und geliebte Freunde. — 9 — vermieden habe, so möge auch er mir es verzeihen, daß ich ihn nicht namentlich ansichre. Der Resi Licht- und Schattenbilder aus der jüdischen Geschichte der Gegenwart. Literatur. Revue österreichischer Zustände. Erstes Heft. Leipzig 1842. Druck und Verlag von Philipp Reclam jun. In dem Literaturblatt des Kometen Nr.25, ein Blatt, welches in der Letzten .Zeit sowohl an Gediegenheit als an Frische gewonnen, liefert der bekannte Literat I. Kaufmann eine Recension über dieses Machwerk, und ich erlaube mir denjenigen Theil der Recension mitzutheiten, welcher den Aufsatz der Revue: „Soll die Iudensteuer in Böhmen aufgehoben werden. Eine Zeitfrage von Cordelius." zum Gegenstände der Besprechung macht, den übrigen Ähell, als unfern Lesern weniger interessirend, bei Seite lassend. Diese Kritik lautet: