Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 28 (9.7.1842)
- Date
- 1842-07-09
- Page
- Seite 220 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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220 hiermit entschieden, daß wir noch immer kein höheres Gut kennen, als die angestammte väterliche Religion,; nebst allen ihren heiligen Ueberlieferungen, daß wir bej reit seien zu jeder Kraftanstrengung, jedem Opfer, diese! Religion in ihrem ganzen Umfange zu schirmen,! und sehr Viele denken noch wie wir, sehr Viele werden; uns kräftig die Hand bieten. Mögen Sie es' doch be-! denken, ehrenwerlhe Repräsentanten Breslau's, unaufhörlich herausgefordert, könnte die altgläubige Partei sich gedrungen fühlen zu Maßregeln, deren Folgen unberechenbar sein dürften, und wer hätte alsdann diese zu verantworten?-und darum ist unser sehnlichster Wunsch, solchen Reibungen, solchen unheilvollen Friedensbrüchen vorzubeugen; — darum haben wir geglaubt, ein offnes Wort nicht länger zurückhalten zu dürfen. Zu welchen religiösen Ansichten ein Breslauer Vorstand sich auch Hinneigen möge, so wird er doch, wir sind dessen sicher, seine würdige Stellung als Vorstand der angesehenstewund vorzüglichsten Gemeinde Schlesiens nicht verkennen 'und mit uns den eifrigsten Wunsch und Willen theilen, Frieden und Eintracht in Israel zu erhalten. Wir bitten daher ergebenst Ein Wohllöbt. Obervorsteher-Collegium wolle gefälligst unsere Vorstellung in reifliche Erwägung ziehen und demgemäß das Geeignete zur Förderung des Friedens und der Eintracht veranlassen. Und der Herr des Friedens wird seinem Volke Kraft verleihen, wird wieder segnen sein Volk mit Frieden. Mit Hochachtung verharren wir d i e R a b b i n e r I. Deutsch zu Beuthen. S. Loewy zu Ratibor. L. Karfunkel zu Rybnik. I. Menöelsfohsr zu Gurten rag. SS* Elsner zu Landsberg. I. Karo zu Lublinitz. G. Ferubach zu Nicolai. D. Deutsch zu Mislowitz. M* Landsberg zu Rosenberg. Von bet preußischen Grenze, 12. Juni. So eben ist hier eine Broschüre bekannt geworden, welche den Titel führt: „Die Kultus-Ordnung der Juden in Preußen, vorgeschlagen in Uebereinstimmung mit andern jüdischen Theologen und dargestellt von Är. I. M. Fränkel (Franks, a. O. 1842. 8. Gust. Harnecker u. mit dem aus einer königl. Cabinetsordre entnommenen Motto: „Was aber die Angelegenheiten des jüdischen Cultus betrifft, so kann die Regulirung derselben zunächst nur von den eigenen Vorschlägen der Juden ausgehen, zu deren Einholung der'Minister der geistlichen Angelegenheit das Weitere veranlassen wird". Diese Schrift wurde von dem Verfasser dem königl. preuß., Ministerium der geistlichen Unterrichts- und Mediinal-Angelegenheiten den 25. April überreicht und der gelehrte, den Lesern dieses Blattes hinlänglich bekannte Verfasser erhielt hierauf folgendes Schreiben: „Ew. Wohlgeboren danke ich verbindlichst für die Mittheilung des mit Ihrem Schreiben vom 25. v. M. mir vorgelegten Entwurfs einer Cultus- Ordnung der Juden. Die in demselben enthaltenen Bemerkungen und Vorschläge werden bei den Berachungen über diesen Gegenstand in nähere Erwägung gezogen werden. Berlin, den 22. Mai 1842. Der Minister der geistlichen Unterrichts- und Medicinat - Angelegenheiten (gez.) Eichhorn. An den Hrn. Dr. I. A. Fränkel, Wohlgeboren hiertt^ Ich stehe nicht an, dieses Schreiben hier mitzutheilen, nicht nur weit jeder Preuße über das Bestreben des Ministeriums, sich über diesen Gegenstand Aufklärung zu verschaffen, höchst erfreut sein muß, sondern weil wirklich eine jüdische Cultusordnung ln Preußen ein unabweisliches Bedürfniß geworden ist. Bö h m e n. Aus dem königgrätzer Kreise, 20. Mai. (Verspätet.) Im Herzen des Continents von Europa liegt, von waldbekränzten Bergen wie von einem Walle umgeben, das weitberühmte schöne Cechenland. Bald nach dem Einzuge der Bojer in dasselbe vor grauer, grauer Zeit fanden sich schon Viele von den Söhnen Israels, die daselbst ihre Ruhestätte suchten, und diese neue Heimat wurde seit damals bis auf die heutigen Tage das Vaterland von Millionen Juden. Es ist zu beklagen, daß die Geschichte so wenig von dem ersten Auftreten der Juden in Böhmen ausbewahrt hat, sonst könnte man schon das Streben derselben nach dem Besseren und Höheren vielleicht bis in die Urzeit Böhmens Nachweisen. Wie unverkennbar dies aber seit der vorgeschrittenen Civilisation geschehen, wie hell dasselbe seit dem Einstürze der mittelalterlichen Schranken ans Licht getreten, ist eben so bekannt, als das Wirken der böhmischen Juden überhaupt in der letzten Zeit. Es ist aber auch bekannt, daß all dies Streben und Wirken von Seiten der hohen und höchsten Behörden eine wahrhafte und gerechte Anerkennung gefunden; und wenn es trotzdem manchen von Spitzfindigkeiten strotzenden Landrabbiner Deutschlands giebt, in dessen Gehirne Ideen wie Irrlichter kommen und verschwinden, Ideen von einer dem Zeitgeiste gemäßen Reform des Judenthumes, die manchmal voll Inkonsequenz, und voll des gröbsten Unsinnes sind; der 1 nur die Suchr der Neuerung nicht aber die der Besserung kennt, der nur Projette schmiedet, zu der Aus-