Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 27 (2.7.1842)
- Date
- 1842-07-02
- Page
- Spalte 427-428 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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427 UnsterLlichkeitslehre der alten Hebräer. Bon Isidor Kaewpf. 428 würdige gebietet, frivol aus den Augen setzt; wir räumen gern ein, daß ein solch ernstes und besonnenes Verfahren dem Ansehen der Schrift nicht nur nicht nachtheilig, sondern sogar förderlich ist: ™ wir müssen aber dessen ohngeachtet auf der Meinung verharren, daß alle diese Operationen wohl in sprachlicher, historischer und anderer wissenschaftlicher Hinsicht, keinesweges aber in dogmatischer Beziehung von wesentlicher Bedeutung sein können. Was die Dogmatik betrifft, so kann dabei von einer organischen Entwickelung, die durch alle einzelnen Bestandtheile der Schrift zu verfolgen wäre, um so weniger die Rede sein, als sie, wenigstens im Wesentlichen, bereits im Pentateuch ihre Perfection gefunden. Das Verhältniß der übrigen Theile der Schrift zu diesem ist demnach nur das des Eommentars zu seinem Text. Dieses Factum ist von äußerster Wichtigkeit für die ganze Anschauungsweise der Bibel, und wir erachten es daher für angemessen, hier darauf näher einzugehen. Man ist seit geraumer Zeit gewohnt, die Heroen der heiligen Schrift, selbst in dogmatischer Beziehung, zu classisiciren, und diesen oder jenen, je nachdem in seinen hinteclassenen Schriften ein der modernen Philosophie zusagender Ausdruck mehr oder weniger sich findet, bald höher und bald tiefer zu stellen. So kam es, daß man dem Jesaja, den man als einen Eiferer gegen allen äußern Gottesdienst verkannte, einen höhern Platz als dem Moses anwies, und dergleichen mehr. Wir müssen gegen ein solches ganz unmolivicte und in seinen consequenten Deductionen in Absurdität ausartende Verfahren auf's entschiedenste protestiren. Der eigentliche Beruf aller nach Moses erschienenen Propheten war, für die Erhaltung und Befolgung von dessen Lehre zu wachen, nicht aber dieselbe zu m odifiren'), — da das göttliche Wort imperfectibel ist. Ihre erhabenen Vorträge waren dem zufolge nichts anders, als objective Erläuterungen der mosaischen Lehren und Satzungen, von denen sie die eine oder die andere, — je nachdem es durch die obwaltenden äußern Verhältnisse, nicht durch einen höhern oder geringem Grad ihres Innern GeistesvermZgens, bedingt war, — mehr oder minder zum Gegenstände ihrer Ermahnungen wachten. Der Beweis dafür soll uns gar nicht schwer fallen. Wenn Jesaja z. B. den äußern Gottesdienst ohne die innere Herzensweihe für werthlos erklärt8), so ist dies nur, ein Echo jener mosaischen Ermahnung: TO pb-bn yrhx nw-m mnNi9); wenn der er- 7) Vergleiche Megilla, fol. 14a: 'D) D'NDJ HD nriN nw tod^ -mirohd by rniin inris" — ferner Sabbat fob. 103: EHrf? WVNVÜ nnjjD" — Temura foU 13. — 8) — ViDDpm lab, ^irD imfeOl Ies. 29, 13. — 9) Deut. 6, 5.—Vergleiche noch: ib. 10, 12; 11, 13; 26, 16 u. A. — wähnte Prophet ferner so sehr auf Nächstenliebe dringt io), so handelt er nur ganz im Geiste seines großen Lehrers und Meisters, der schon seinerseits aufs nachdrücklichste einscharft: chw "]jr6 nun u); und wenn wir endlich in seinem Buche die trostreiche Lehre finden, daß dem frühen Tode eines Frommen auch wohl eine gute Absicht des Allgütigen zu Grunde liegen könne, — nämlich um ihn einem drohenden Verderben zu entziehen n), so haben wir längst nachgewiesen, daß schon die Schrift Mosis dieser erhabenen Lehre nicht fremd ist 13). — Ko he let philosophirt über die Vergänglichkeit alles Irdischen, und kommt auf den Schluß, daß des Menschen alleiniger Zweck hienieden sei, Ehrfurcht vor Gott haben, und Seine Lehre gewissenhaft befolgen, —- und wer hat je über diesen hochwichtigen Gegenstand schöner, rührender und erhabener gesprochen, als der göttliche Gesetzgeber in seiner ewiglebenden SefUta?14) — Jener berühmte. Weise lehrt auch, daß die menschliche Seele nach ihrer Trennung vom Körper wieder zu Gott zurückkehrt, der sie gegeben — wer hat ihn aber über den Ursprung der Seele belehrt? — Der gottbegeisterte David stimmt (Psi 103) eine feierliche Hymne auf die Eigenschaften Gottes an; — allein wem verdankt dieser gekrönte Sänger seine Kenntniß von den göttlichen Eigenschaften? — er sagt es uns selbst: ntiüb IDTl ym TO 'n juni Dm TO (ib. ib. 7/8.) ]5). — Wenn Ezechiel Todte wieder ausleben laßt, — so kann dieses den nicht überraschen, der die Lehre Mosis kennt; schon da-ertönt der Ruf des Herrn: mriNi £m\‘ ON „Ich tobte und belebe nmberl"16) — — Kann 10) Ies. 1, 16; 58, 6 rc. — 11) Lev. 19, 18. — Vergl. auch ib. ib. 34 u. A. — 12) pnan p)DW njnn udd Ies. 57, l. — 13) Siehe LB. b. O. Nr. 8. S. 117. d. I. — 14) nmb nbn Ps. 90. — Die Sprache dieses Psalmes ist mit der der pentateuchischen Poesie so analog, und sein Inhalt auf die letzten Lebensjahre Mosis so überaus passend, daß selbst die größte Zweifelsucht vor der Echtheit seiner Ueberschrift schweigen muß. — 15) Siehe Exod. 33, 15 rc. — Vergleiche M. Mendelssohns Jerusalem oder über religiöse Macht und Iudenthum (Rödelh.) S. 169. *, wo der Verfasser so echt mendelssohnisch spricht. — 16) Deut. 32, 39. — Selbst die berühmte Stelle in Ier. 31, 31 rc., die bekanntlich zu so vielen Irrthümern Veranlassung gegeben, ist im Grunde weiter nichts, als die treffliche Detaillirung einer bereits von Moses ausgesprochenen Verheißung. In der angeführten Stelle verheißt der Prophet einen neuen Bund, dm Gott mit Israel einst schließen wird, und dessen Beschaffenheit er selbst auf's deutlichste angiebt: ^X“liS'i"’ni2-nN D'-QX m2h fWi 1 T - ' " V I .* V IV-s r: ~ » Tnirrrw nin» -o&o, nnn nn« Düb in«nt; rü2?DK ds1? - naipa Dyb flöHV d. h. „Dies der Bund, dm Ich mit dem Hause Israels, nach Verlauf dieser Zeiten , schließen.