Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 26 (25.6.1842)
- Date
- 1842-06-25
- Page
- Spalte 411-412 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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411 Literatur des Rückschritts. Methodik des Talmuds. 412 OT)£ wo nach des Vers. Ansicht stehen müßte , weil doch die Erzählung nicht den Zuhörer betrifft und von dem Schicksale und den Umstanden desselben gar nicht gesprochen wird. Uebrigens heißt es Psalm 97/ 6 VT.’in DW und nicht wie der Verf. meint, daß bei ODL7 nur "112O paßt.' Hiermit^ find also die ganzen supersophistischen Erklärungen des Verf. von Anfang bis zu Ende widerlegt. Ueber den Unterschied zwischen iTWn unb “HDD kann der Verf. sich schon im hebe. Lexicon von Ben-Seeb unter rack. "UJ und "DO zur Genüge belehren. Fol. 26 stellt der Verf. als ein großes Rathsel, als ein außerordentliches Wunder auf, daß der Erdball nicht im Wasser unterstnke; weil,.meinte er, die Erdenmasse doch schwerer sei als die Wassermasse und folglich Erstere in der Letztem* unterst'nken müßte. Zur Belehrung hierüber empfehlen wir dem sich weise dünkenden Rabbi die Elementarschule auf's Beste, wo denselben selbst ein mittelmäßiger Schüler eines Bessern belehren wird. Ich übergehe des Verf. kindische und alberne Ansichten vom Regen, Thau rc. und will blos noch eine Stelle anführen, wo derselbe nicht nur Unkenntniß der einfachsten Naturgesetze zeigt; sondern auch gegen den Talmud große Verstöße macht. Fol. 117. S. 1. eignet sich der Verf. in Betreff der pD (wild wachsenden Baume) Bemerkungen zu, die der pEn in seinem Commentar zum Pentateuch macht, und deren der NtfhrjE im "»NE zu Genes. Erwähnung thut. Aber noch schlimmer als dieser literarische Diebstahl ist, daß Verfasser das Entwendete nicht einmal verstand, und die Behauptung aufstellt, daß die Nadelhölzer gar keine Früchte tragen. Allerdings haben diese keine eßbaren, aber doch solche Früchte, in denen der Saamen zur Fortpflanzung ihrer Art enthalten, wie es heißt Genes. Eap. 1. ns yy pNH by d ljrff wh ns rwy ein Fruchtbaum, welcher Früchte trägt nach seiner Art, worin der Saame ist auf der Erde. Der biblische'Ausdruck nD yy bezeichnet auch die Nadelhölzer; denn sonst müßte yy stehen, weil dieß der eigentliche Ausdruck für' einen Baum ist, der nur eßbare Früchte tragt. Die Meinung des Vers., daß die dem Erkenntnißbaume gleichartigen Bäume nach Adams Sündenfall zu pno von Gott verdammt wurden, ist nicht nur falsch, sondern ist auch schnurstracks ' gegen die Ansicht des Talmuds; denn es heißt im Tract. Becachot fol. 40, daß die mit den des Eckenntnißbaumes ähnlichen Früchte sollen entweder Walzen, Feigen oder Weintrauben gewesen sein. Diese kleinen Proben sind hinreichend zur Beurtheilung eines solchen Prodmtes, und wir wollen uns darum einer weitern Kritik desselben enthalten. Krotoschin, Mar 1842. I. Kali sch. Methodik des Talmuds. Der Geist der talmudischen Auslegung der Bibel von Dr. H. S. Hirschfeld. Auch unter dem Mel: rwni mo ilD^nn. Halachische Exegese. (Sin Beitrag zur Geschichte der Exegese und zur Methodologie des Talmuds. Verlag von M. Simion. Athenäum in Berlin. 1840. 8. (X und 479 S.) (Fortsetzung.) Die erste Abtheilung zerfällt in vier Kapitel.. 1) Die innern Zustände der damaligen Juden;'2) die Zustände der Wissenschaft als Hilfsmittels der Wahrnehmung, die Intelligenz; 3) das sich daraus ergebende Bild seinem Wesen nach; und 4) seiner Form und Erscheinung nach, die Sprache. Man würde nicht ganz mit Unrecht einen Fehler dieser Eintheilung dann erblicken, daß die Intelligenz als etwas den innern Zuständen Eoordinirtes vorgestellt wird; aber nur in verbo; denn in re werden im ersten Kap. mehr die äußern Zustände der Juden in der damaligen Welt überhaupt geschildert. Gegründeter wäre der Einwurf, daß die Sprache, die doch auch „ein Hilfsmittel der Wahrnehmung" ist von dem zweiten Kapitel ausgeschlossen in ein viertes verwiesen wird. Indeß laßt sich auch dieses rechtfertigen, da hier nicht von der Sprache der Bibel d. h. von der hebräischen Sprache, von ihrem Charakter rc. die Rede ist, sondern davon, wie die hebräische Sprache dem Talmud erschien, nämlich als heilige; diese Heiligkeit erlangte sie aber erst dadurch, daß in ihr die Worte Gottes geschrieben waren, also nur als Form und Erscheinung dessen, was im dritten Kap. geschildert war. Aber auch so waren das dritte und vierte Kapitel zusammenzuziehen, und in diesen beiden Abteilungen zu betrachten, so wie es nicht minder wichtig ist, wenn man tadelt, daß das vierte Kapitel dieses Abschnittes „die Sprache der Bibel" (nach talmudischer Auffassung) sich im ersten Kapitel des dritten Abschnittes: „die Ausdrucksweise der Bibel nach talmudischer Ansicht" wiederhole. Lassen wir jedoch die unfruchtbare Betrachtung der Formen, und gehen zum Inhalte dieser Kapitel über. Das erste derselben liefert eine meisterhafte Darstellung der damaligen Weltlage (nämlich Säc. 1 —IV. S. 25), vorzüglich des Orients, und gestehen wir, jene und die folgenden Kapitel mit wahrhaftem Vergnügen meh.re Male durchgelesen zu haben. In blühender, sich oft zum poetischen Schwung erhebender Sprache wird die Einwirkung Rom's, des siegreichen aber schon den Keim des Sturzes in sich tragenden auf die niedergedrückten, aller Selbstständigkeit beraubten Provinzen geschildert, daneben die erst dunkel austauchende, aber immer näher und in schärferen Umrissen herantretende Angst vor den hereinbrechenden germanischen Horden, die auch dem unbesiegten Weltkoloß den Untergang bringen sollten. Und diese dumpfe, hoffnungslose Erwartung einer vernichtenden Zukunft, nicht getröstet durch ein religiöses Vertrauen, da der alte Götterglaube längst gestürzt und in seine Stelle noch kein