Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 26 (25.6.1842)
- Date
- 1842-06-25
- Page
- Spalte 405-406 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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405 406 Unsterblichkeitslehre der alten Hebräer. Von Isidor Kaempf. und Alles nur auf das Erdenleben zu beziehen. Wohlan! wir wollen den ganzen Psalm, seinem Inhalt nach, gehörig durchgehen, um allem Zweifel in dieser Sache ein Ende zu machen. — Der prophetische Sänger beginnt seinen erhabenen Gesang mit der Bitte an Gott, Er möge ihn bewahren, und zwar, wie aus dem Verfolg des Psalmen deutlich hervorgeht, vor Abfall von der wahren Religion. Denn (V. 2) Gott geht ihm über Alles. So wie er aber in der Anbetung des wahren Gottes sich höchst selig fühlt, eben so, glaubt er (D. 4), muffen die Abtrünnigen schon im Abfall selbst ein Weh verspüren. Er verwahrt sich daher aufs bestimmteste vvc allem Götzendienst und betheuert nochmals (V. 5), daß der wahre Gott allein ihm Alles ist. Uebrigens, bemerkt er ferner (V. 6.), ist ec nicht nur in Bezug auf die Religion überaus glücklich und zufrieden, sondern auch an Erdenglück mangelt ihm nichts, — denn auch sein Eigenthum laßt nichts zu wünschen übrig. Hierauf (V. 7.) dankt er Gott, daß Er ihn belehrt, daß Er ihm zur Erkenntniß der Wahrheit vecholfen; ja selbst des Nachts, auf seiner Lagerstätte, weisen ihn seine Gedanken zu Recht, — denkt er nach/ wie er wohl am vollkommensten nach dem Willen Gottes leben könne. Denn Gott ist ihm stets gegenwärtig (V. 8); seine Gedanken sind stets auf Gott gerichtet, und so kann er im Glauben nie wanken. Darum freuet sich seine Seele und frohlockt seine (Menschen-) Würde (V. 9.); ja, selbst sein Körper, hofft er, wird einst sicher ruhen.. Denn was die Se ele betrifft (V. 10.), so wird ja Gott sie nicht mit in die Gruft sinken laffen "); Er wird ja nicht zugeben, daß der Fromme Verwesung schaue. Nein (V. 11.), diesem zeigt Gott einst den Pfad zum Leben, zur Fr enden fülle vor Seinem Antlitze, zur Seligkeit in Seiner Rechten auf ewig. — Wer in unserm Psalm einen andern, als den von uns angegebenen Sinn zu finden vermeint, der wolle uns gefälligst belehren, und wir werden begierig seiner Weisheit lauschen. — Die Hoffnung auf ein seliges Jenfeit wird auch 10) blN&b Ttyn tob O erklärt Kimchi: -»nyT» rtfD'pn t)ün Dy nbw rmb -hpdj nnyn Nb *o „Ich weiß, daß du meine Seele nicht mit dem Körper in die Gruft sinken lassen, sondern sie erheben wirst 'zu deiner Herrlichkeit". So auch I b n E s r a: riDD iDNm morr ab *o, notwn (mow) nbvi „Der Psalmist giebt als Grund der Freude seiner Seele, deren Bewußtsein an, daß sie unsterblich ist". — E. F. C. Rosenmüller räumt zwar ein, daß diese Erklärung der ergentlichen Bedeutung von entspricht (Sed Hebraeorum quidam interpretes rocalmLiini illud propria.significatione, totumque locum de animae immortalitate accipiunt), — trägt jedoch Bedenken, ihr beizutreten, weil, seiner Meinung nach, nirgends zu finden sei, daß David die Unsterblichkeit gekannt habe. — Es wird sich bald ausw eisen, wie es sich hiermit in Wahrheit verhält. — im 17. Psalm auf's deutlichste ausgesprochen. Der Psalmist bittet Gott, Er möge ihn von jenen sinnlichen Menschen befreien, die ihr ganzes Glück in diesem Leben finden; er aber, schließt ec sein Gebet, richte seine Hoffnung auf die einstige Anschauung Gottes in der Seligkeit. Hier der Urtext nebst einer wortgetreuen Uebersehung: — /NiN) Inbn» D>naio — jn^na Dpppi 'di Dpaa' atapi ¥jo-iösri mriN pnsa w r 11 V T IWSV ' VIV - f-C ppna nysie’x — Ifjnwn „O rette mich Von Menschen — Deiner Geißel — Herr! Von Menschen dieser Erdenwelt! — Ihr Antheil ist in diesem Leben; — Mit Deinem Schatze sollst Du ihren Leib nur füllen rc. Ich aber will durch Lugend nur Dein Antlitz schauen, Mich laben, wenn ich einst erwache, An Deiner Gottgestalt!" — V. 14 u. 15. — So fassen wir den Sinn dieser Verse auf; doch in Rücksicht ihrer Wichtigkeit für unfern Zweck, lassen wir hier mehre der bedeutendsten ältern und neuern Versionen und Interpretationen folgen. — ■ D'TO 'Dl TT DT1DD giebt der Chaldäer durch: pnpbin, NjnNn Nnirrob "•> “pb» |ww ]tddi Noby/TD „Die Frommen aber, die für Dich, o Herr! ihr Erdenleben dem Tode weihen, — deren Antheil ist im ewigen Leben"n). Er nimmt also in der Bedeutung von qto (mortui) und läßt schön hier den Gegensatz zum Vorhergehenden angehen. — Die Sept.: ’Atco ex&Qav xrjg %UQog 60v, hvqlb dmXvcov ciico yrjg, diccfiEQLGov avrovs sv zrj £cotj avzmv „Von bm Feinden Deiner Hand, Herr, vertilge sie von der Erde, und scheide sie in ihrem Leben". -- Sie scheinen gelesen zu haben: D'sN2 D^N I^Ny LN'SSN"). Die letztere Lesart (D[?b/l) geht auch aus der Pesch ito hervor, wenn sie'auch im Ganzen den Vers 11) Vecgl. Lalmud Be rach 6 t, sol. 61. — 12) Wir müssen gestehen, daß uns der Abstand zwischen D'DDD und nnTDD etwas zu mit dünkt. Haben sie vielleicht „error!'' gelesen? aber DM2N ist keine hebräische Phrase; nur „eN'Y^N" könnte noch einige Wahrscheinlichkeit für sich haben! Doch ziehen wir die Meinung Hen sler's vor, daß dnolvcov ein Schreibfehler sei, und der ursprüngliche Text and Icccov, hier in der Bedeutung „von Menschen", gehabt habe. Wirklich findet sich Xuol in der Bedeutung „Menschen" bei Hesiod. V. 764. — Siehe Rosennnilleri Schol. in Psalm, (ed. 11.) XVII. 14. S. 432. 26*