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Der Orient · 1842-06-25 · Heft 26 (25.6.1842) · p. Seite 207

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 26 (25.6.1842)
Date
1842-06-25
Page
Seite 207 (sequence 13)
Language
German
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207 Stimmung und eingesogencn Vorurtheils. Ich theilte meine Ansicht, meinen Plan und meine Hoffnung Männern mit, die mit einem bewährten Interesse.für die Emaneipation eine ruhige Besonnenheit paaren: aber es wurden mir überall Zweifel gegen das Gelingen geäußert. Ich verschob den Versuch zur Ausführung auf bessere Zeiten. Ohne mich irre machen zu lassen, beschwichtigte ich meine Seele durch den Gedanken, daß viele Zeit erforderlich sein würde, ehe ein bloß von der Idee gehaltenes, alle metallnen und buhlerischen Mittel von vorn herein verwerfendes Project realisirt werden könnte. Was ich geahnet, gewollt, auf Jahre hinaus dem günstigen Geschicke anheimgegeben hatte, das ist — so wollte es die Angelegenheit der preußischen Juden und der innige Zusammenhang, in dem sie zu den Fragen der Gegenwart überhaupt steht — seit drei bis vier Monaten glänzend in Erfüllung gegangen. Ohne mein Zuthun, freilich aber zu meiner innigen Herzensfreude, und was mir stets als das, einzig Rechte erschienen, durch die erlaubtesten, unschuldigsten Mittel. Wie sollten wir nun nicht dankbar sein gegen diejenigen, welche unsere Ansprüche und Besorgnisse bei dem Volke vermittelt haben? Und wäre uns früher von dem Liberalismus noch zehnmal ärger mitgespielt worden, als es der Fall war; hinweg mit allen Rekriminationen, das Unrecht ist gesühnt. Meine kühnsten Hoffnungen gingen nur so weit, daß ich die Presse unbefangen, unparteiisch, beschwichtigend, der Aufregung abhold wünschte: sie hat sich weit über diese Negation erhoben. An den äußersten Enden Preußens zumal, wo die Sentimentalität, der Bekehrungseifer und die Frivolität der Residenzbewohner sich von jeher die Gemüther entfremdet, wo man sich gewöhnt hat, frei zu denken, frei zu sprechen und konsequent zu handeln, har das neue Censuredikt auch für unsere Sache ersprießliche Früchte gezeitigt. Leset die Königsberger, die Düsseldorfer, die Aachener, die Rheinische Zeitung, zum Theil auch die Leipziger Allgemeine Zeitung — überall derselbe Gesichtspunkt, dieselben Argumente, dieselbe Ausdauer zu Gunsten unserer gerechten Sache. Ist das etwa ein bloßer Zufall oder gar eine Verabredung? Giebt es etwa einen geheimen Bund der sich für die Juden verschworen, wie vormals so oft gegen sie? Mit Nichten! Das Räthsel ist ganzeinfach gelöst. Worüber man so lange im Unklaren gewesen war, 'das ist jetzt offenbar geworden. „Und die Augen gingen ihnen auf und sie lernten Böses von Gutem unterscheiden." Die Christen vertheidigen in uns sich selbst, wir in uns zugleich den allgemeinen Fortschritt. Das vereinigt, erhebt, stärkt und hält zusammen. Dieses Zusammenhalten dauernd, jede retrograde Bewegung unmöglich zu machen, darauf müssen wir unser stetes Augenmerk richten in Wort und That. Oeffnen Sie vorher die Spalten'Ihres Blattes den wetteifernden Stimmen unserer Glaubens- und unserer Bundesgenossen. Gewähren Sie Ihren Lesern, auch den durch Ströme und Gebirge von uns geschiedenen, die Freude, die zerstreuten Pfeile sich zum unzerbrechlichen Bündel zusammenreihen zu sehen. (In dieser Absicht sandte ich Ihnen jüngst den Artikel aus Köln in der Rhein. Zeitung vom 28. Mai fH. N. Z. vom 25. (?) Mai)^> und zu demselben Zwecke folgt diesmal die Berliner Correspondenz in der H. N. Z. vom 28. Mai und der aus der Königsb. Zeitung entlehnte Artikel in der Düsseldorfer Zeitung vom 19. Mai). E. C. Gelegenheitspredigten. Zwei im „Neuen israelitischen Tempel" zu Hamburg nach dem Brande gehaltene Predigten *)* 1. „Gott mit uns!" (Predigt) von Dr. Frankfurter (zum Besten der hülfsbedürftigen Abgebrannten). 2. Gottes Stimme aus dem Feuer" (Predigt) von Dr. Gotthold Salomon (z. B. der abg. Schullehrer und Lehrerinnen). Gestehe ich's nur gleich selbst: ich gehe nicht ganz unbefangen an die Anzeige der vorliegenden Fest- und zugleich Casualpredigten. Was ich in ihnen gelesen, bewegt auch mein Herz tief und lebhaft. Und wollte ich -auch anders scheinen, als ich wirklich bin: es würde mir nichts helfen, denn die Flammen der ersten Maitage dulden auch in ihrem letzten Verglimmen keine Larve und die Sonnengluth des schönen, lieblichen Frühlings, der uns fast die Trauer der Menschen in Vergessenheit bringen könnte, würde es uns unheimlichschwül werden lassen unter der Maske. Ich halte es mit dem alten vielfach bespöttelten Seneka; ich glaube, daß mir nichts, was die Menschheit berührt, fremd bleiben dürft, daß ich einigen Antheil zu nehmen verpflichtet und berechtigt sei an Allem, was tröstet und was niederschmettert, an Allem, was begeistert und was empört. Wer wollte auch dem profan um vulgus beigezählt werden, dem nichts heilig ist als sein Ich, dem nicht die Menschengattung, die ganze Menschheit, in welch verschiedenartigen Formen sie auch ihre Ansicht über Gott und Welt auspräge, dem nur die eigene winzige Creatur etwas oder vielmehr Alles gilt? — Und doch, wie gering zeigte sich des Einzelnen, ja vereinter Kräfte Macht dem rasenden Elemente gegenüber! Die Knechte des Mammon's erkannten die Nichtigkeit ihres Götzen und nur mit Mühe entging der Palast Merkur's und der Tempel Minervenö dem drohenden Verderben. Darum präget Euch Alle tief die Worte ein und beherziget sie in Eurem Wollen und Thun, jene Worte, in denen unsere trefflichen Redner die ganze Bedeutung des Unglücks ihren Hörern und Lesern klar gemacht haben. Befolget Alle, weß Glaubens Ihr auch seiet, die Mahnung: Liebet einander wie Brüder, nach dem Unglücke wie während desselben, vereinigt Euch zum festen Bunde, zu gemeinsamen Streben dafür, daß Hamburg so wiedererstehe, daß die Welt nicht ') Zweite Relation, siehe Or. Nr. 23.. N e d.

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