Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 26 (25.6.1842)
- Date
- 1842-06-25
- Page
- Seite 208 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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208 bloß mit Neid oder Staunen, sondern auch mit ungeheuchel- Ler Anerkennung und freudiger Bewunderung nach ihm blicken könne. Reißet die Schranken nieder, die finstre Jahrhunderte zwischen Menschen und Menschen gezogen haben: seid frei und aufgeklärt, übet Duldung und Gerechtigkeit. — Fraget auch nicht, was geschehen soll! Es ist zu viel, als daß ich es hier erörtern könnte, und ich hielte es für anmaßend, Euch belehren zu wollen, auch wenn ich mich zum Gesetzgeber berufener fühlte, als es der Fall ist. Fraget mich lieber, was schwinden soll! Dann will ich Euch Rede stehen. Schwinden soll das Vorurtheil, der Haß, der Eigennutz; dann ist der Triumph der Eintracht, der. festesten Stütze jedes Freistaates, gewiß. Und Jeder lege freudig sein Opfer nieder auf den Mar des Vaterlandes: und wer nicht Geld noch. Gut zu vergeben hat, bringe seine Zeit, oder wie es unsre beiden Redner gethan, begeisterte und begeisternde Worte herbei, um den Muth der Gebeugten aufrecht zu halten durch Trost und Gaben. Wer aber auch dieses nicht vermag, der biete wenigstens ein dem Himmel nicht - minder wohlgefälliges Opfer dar — er opfere seine Beschränktheit, seinen Afterglauben, seine Jrrthümer. E. E. Persoualchronik und Miseeßen. D ie PrivatmiLth eilungen. der Iud e n zc i t u n g. Unter die sonderbarsten Kniffe der Iudenzeitung, die aber eher ein Zeugniß von Beschränktheit des .Geistes als von Schelmerei abgeben, gehört die oft in Klammern eingeschlossene Bemerkung „Privatmittheilung". Die letzten zwei Nummern mögen als Probe dienen. Nr. 24., Privatmittheilung aus Brilon, abgedruckt aus der Rheinischen Zeitung; aus Magdeburg, dm statistischen Artikel aus der Staatszeitung enthaltend; eine andere aus Magdeburg, abgedruckt aus den neuesten Nummern des Ministerialblattes; Nr. 25. Privatmittheilung aus London, abgedruckt aus dm Times; eine ditto aus Lyon, abgedruckt aus L e R h 0 n e; eine ditto aus Köln, wieder aus der Rheinischen Zeitung abgedruckt; eine Privatmittheilung aus Königsberg, abgedruckt aus der Königsberger Zeitung; eine Privatmittheilung aus Magdeburg, welche blos in einem Abdruck des Berichts des Vorsteher-Collegii.in Breslau besteht. Das sind die Privatmittheilungen der Iudenzeitung in den letzten 2 Nummern, aber das ist auch alles, was sie bietet, da Format, Umfang und Schrift des Blattes und die Größe der Artikel wohl zwei Nummern ausfütten können; aber unbegreiflich ist, wie man so wenig Achtung vor dem Pubikum haben und so zum Skandal ein Blatt redigiren kann! Wenn mir Jemand ein Zeitungsblatt schickt oder bringt, und ich daraus einen Artikel Abdrucken lasse, ist dieser Artikel deshalb eine Privatmittheilung? Wenn mir der Zeitungsträger ein Blatt bringt, ist er deßhalb schon mein Correspondent? Wenn Hr. S. die KLnigsberger, Hr. F. die Rheinische Zeitung Hrn. Philippson überschickt, sind sie dadurch Privatmittheiler und kann der betreffende Artikel eine Privatinittheilung sein? Komisch nimmt sich der Judenredacreur aus, wenn er bescheiden über seine geringe Persönlichkeit, über sein Bibelwerk, noch objectivcr als GLthc, als Privatmittheiler in einer Privatmittheilung au stritt. In der objectiven Weise belobt der Privatmittheiler dm Redacteur, welcher Belobung der Red. natürlich sein un p ar (h e i i sch e s Organ nicht verschließen kann. Die Pariser Akademie hat dem Dr. Th. Benfey in Göttingen für fein griechisches Wurzellexicm den Volneyschen Preis für 1842, welcher einem ausgezeichneten Werke im Gebiete der Philologie bestimmt ist, zuerthcilt» Herr Dr. Benfey, Jude, ist Docent an der Georgia Au gusta und wurde bei Gelegenheit der Charakteristik in dm deutschen Jahrbüchern sehr günstig beurtheilt; eben so stin College, der gleichfalls in Görtingen docircnde Astronom Dr. Stern. Zur Schulstatistik. Das Lehrerpersonal an der öffentlichen jüdischen Gemeinde- und Freischule in Altstrelitz seit der Gründung der Anstalt (Mai 1827). Diese, von der großherzogl. mecklenb.-strelitzischm Regierung von ihrem Beginne an wohlwollend unterstützte Schule war die erste gut organisirte in den beiden mecklenb. GroßherzDgthümern. Trotz der Armuth der sie erhaltenden Gemeinde und trotz des öfteren Wechsels der Lehrer hat sie stets neben ihren altern und jungem Schwesteranstalten einen guten Ruf behauptet. Sie besteht aus einer Knaben- und einer Mädchenschule, wurde seit 1827 stets von mindestens 70, höchstens 105 Kindern besucht und hat auch zuerst einige, seit 1834 mehrere, christliche Knaben und Mädchen zu Zöglingen gehabt. Die Oberlehrer waren der Reihefolge nach: die Herren Joseph Levy (jetzt Lefeld, Assucie der Buchh. Veit u. Comp, in Berlin) 1827-?-1832; Dr. Kremser (dem Vernehmen nach später zum Christmthume übergetreten, in Warschau oder Berlin?) 1832 —1833; Eduard Cohn (in Hamburg) 18331836; Dr. Benjamin Philipp Ginsberg (1836—1842, jetzt dem Vernehmen nach an die Friede. Wilhelmschule feiner Vaterstadt Breslau berufen), sämmtlich in Preuß.-Schlesien geboren und in Breslau und Berlin gebildet. Als zweite (ursprünglich Religions-) Lehrer fungirten daselbst: Die Herren Joseph Zedner (jetzt Lelhbibliothekar in Berlin) 1827—1832 und Cohn aus Glogau, 1832—1836, dann der noch jetzt dorr augesiellte Herr S ophar. Die übrigen Lehrer waren: die Herren Zech lin (jetzt in Paris, Lehrer der franz. Sprache), Danne (englischer Christ), Cohn (Schreib- und Rechnenlehrer, st. 1836 in seinem Geburtsorte Alt - Srrelitz), Färber (dem Vernehmen nach Christ geworden, und am Gymnasium zu Prenzlau angestellt), Liebermann (jetzt Leihbiblwthekar in Brieg), Dr. Klein (seit 1842 Rabbiner in Stolpe). Den Elementarunterricht ertheilt Herr Landsb erg. Kurze Zeit unterrichteten auch Herr Isaaks so n und dev jetzige Dr. med. Hr. Konert aus Altstrelitz an dieser Anstatt.") *) Um ähnliche Beiträge zu einer jüdisch-pädagogischen 'Statistik bittet der Red. Verlag von C. L. Fritzsche. Druck von I. H. Nagel.