Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 26 (25.6.1842)
- Date
- 1842-06-25
- Page
- Seite 204 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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204 Juden sich besonders den höheren Regionen des Staats-' lebens zudrängen würden, wo sie. durch diese und andere Ritualgesetze weniger genin waren. Fast } unserer Aerzle besteht aus Juden, während von der Gesammtzahl unserer Bevölkerung die Juden nur ausmachten würde nun auch noch die juristische und kameralistische Laufbahn ihnen eröffnet, so würde auch bald l unserer Justiz- und Regierungsbeamten aus Juden bestehen. „Die Bitterkeit, welche dieses Andrmgen schon jetzt kenntlich genug erzeugt, steigerte sich dann unvermeidlich zu solchem Umfange und zu solcher Kraft, daß die Macht der öffentlichen Meinung die Judenschast weit empfindlicher treffen würde, als die gesetzlichen Beschränkungen, welche die Regierungen jetzt noch bestehen ließen/' Der Hr. Verfasser scheint vergessen zu haben, daß er von „der großen Zahl derjenigen Juden, die gleich den großen Volksmassen überhaupt wenig Anlagen und Mittel zur höheren Ausbildung besitzen", nur kurz vorher gesprochen hat; diese große Zahl würde doch gewiß nicht durch starkes Andringen nach den höheren Sphären Bitterkeit erregen. Der Hr. Verfasser sagt ferner selbst: „bisher gewährte fast nur das Studium der Arzneikunde Aussicht auf hinlänglichen Erwerb für diejenigen Juden, welche sich der Wissenschaft widmen wollten." Sollte hierin nicht die natürlichste Erklärung des unverhältnißmäßigen Andringens der Juden zur ärztlichen Praxis und zugleich hinlängliche Bürgschaft liegen, daß sie bei Eröffnung aller wissenschaftlichen Laufbahnen sich nicht in gleicher Starke zu allen wie jetzt zur ärztlichen Praxis drängen, daß sie sich vielmehr in kleineren Zahlen über alle diese Gebiete verbreiten würden? Die beste Widerlegung der ganzen Argumentation des besprochenen Aussatzes ist aber in einer noch einfacheren Frage enthalten, in einer Frage, deren Beantwortung man von der S ta a tsz eitu n g bei ihrer besonderen Vorliebe für Statistik vielleicht nächstens erhalten wird : Hat sich in Frankreich und in allen Landern, in welchen die Juden den Christen völlig gleichgestellt sind, ein unverhaltmäßiges Andringen der ersteecn gegen die mittleren und höheren Klassen der bürgerlichen Gesellschaft herausgestellt, und ist hierdurch eine besondere Bitterkeit gegen sie in der öffentlichen Meinung erzeugt worden? Bis jetzt haben die Zeitungen noch nichts der Art gemeldet. K. Z. BeVrrbrrVg, 12. Juni. ZueinerZeit, in welcher unsere Brüder in einem benachbarten großen und einflußreichen deutschen Staate der Heraufbeschwörung veralteter, der Geschichte einer traurigen Vergangenheit verfallener Institutionen mit banger Besorgniß encgegensehen,;— ist es für den Menschenfreund ein wohlthuendes, erhabenes Gefühl, Akte der Humanität und der Freistnnigkeit, die einzig rechtmäßigen Kinder des neunzehnten Jahrhunderts, zur Oeffentlichkeit zu bringen. Mit Vergnügen berichten wir daher, daß es den Bemühungen unsers Herrn Landesrabbiners Dr. H e r xheimer, unterstützt von den Petitionen sämmtlicher Vorsteher der anhalt-bernburgisch israelitischen Gemeinden, gelungen ist, die Hoch!. Herzog!. Regierung zu einer Revision des bisher bestandenen, obfervanzmäßigen Verfahrens bei Eidesleistungen der Juden zu veranlassen. Aus den höchsten Ortes genehmigten Resultaten jener Revision hebenwir namentlich folgende sehr zeitgemäße Modificatkonen hervor: 1) An die Stelle der' bisher üblichen, das religiöse und moralische Gefühl des schwörenden Israeliten verletzenden mittelalterlichen Eidesformel ist nachstehende einfache getreten: „Vor Gott, dem Allwissenden und Allgerechten, dessen Fluch über den Meineidigen kommt, und nach der Meinung und dem Sinne des Richters schwöre ich — inscratur der Name des Schwörenden — von ganzem Herzen, ohne Arglist und Vorbehalt, daß rc. -— So wahr mir Gott, Adonai Elolum helft, Amen!" Bei Zeugen-Eiden findet eine in gleichem Geiste angemessen modifizirte Eidesformel statt. 2) Bei den feierlichen jüdischen Eidesleistungen sind statt der bisherigen zehn Schwurzeugen nicht mehr als zwei jüdische Zeugen zuzuruftn. Im Nothfalle kann der mit anwesende Rabbiner die Stelle des zweiten Zeugen vertreten. Von vielleicht noch größerer Freistnnigkeit zeugt die vom Herzogl. Hochl. Consistorio jüngsthin erlassene Verfügung, nach welcher für alle Pastoren des Herzogthums das vortreffliche Bibelwerk des Herrn Dr. Herxheimer (*pn mit Ueberfttzung, vollständiger Erklärung und homiletisch benutzbaren Andeutungen), wovon bis jetzt bereits der Pentateuch, Josua und Buch der Richter erschienen sind, aus den Kirchenkassen angeschafft werde. Noch verdient in dieser Beziehung angemerkt zu werden, und sprechen wir hiermit unfern tiefgefühlten Dank aus, daß der hier seit zehn Jahren bestehende, vom Herrn Landesrabbiner gestiftete und dirigirte „Verein zur Beförderung von Handwerken, Ackerbau, Künsten und Wissenschaften unter den Juden" sowohl von unftrm Durchlauchtigsten Herzoge, als von den meisten Mitgliedern der Landesbehörden alljährlich durch ansehnliche Beiträge unterstützt wird. Gott segne unfern hochherzigen Fürsten und Seine erleuchtete Landesregierung! Berlin, 4. Juni. Nachdem die „Staatszeitung" vor einiger Zeit mit prätentiöser Altklugheit die Behauptung ausgestellt, daß die Statistik das einzige Rettungsmittel für die inländische Presse sei, hat sie uns jetzt in der „Uebersicht der Anzahl und Vertheilung der Juden im preußischen Staate u. ft w." eine kostbare Probe dieser statistischen Weisheit gebracht. Hier heißt an ihren Früchten sollt Ihr