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Der Orient · 1842-06-18 · 25 (18.6.1842) · p. Spalte 397-398

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
25 (18.6.1842)
Date
1842-06-18
Page
Spalte 397-398 (sequence 7)
Language
German
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397 Der Geist der talmud. Auslegung der Bibel, von Hirschfeld. Beurtheilt v. Cassel. 398 Moment das Nachweisen des gefaßten Begriffes in dem Gegenstände sein; aber entweder (und dieß nimmt der Vers, für immer an S.124. 128. 302. 311. 312. 321.) ist die gefaßte'Ansicht schon fest und unabänderlich, also die Nachweisung nur ein Aeußerliches dazu, da sie ja keinen Einfluß auf das Resultat üben kann; steht wiederum das Resultat nicht fest, so ist überhaupt das erste Moment noch nicht zu -der Reife gelangt, auf der es zum zweiten wird, und wir befinden uns dann eigentlich nicht im dritten, sondern wieder in einer Wiederholung des ersten. Dieses dritte Moment ist es nun auch ferner, was uns bei jener Zersetzung der exegetischen Lhätigkeit überhaupt auffallend sein mußte. Es ist nämlich, wie schon gesagt, des Vers. Meinung, daß das aus dem zweiten Moment gewonnene Resultat nothwendig im dritten nachgewiesen werden mußte, eine Behauptung, die nicht nur jedes exegetische Streben verdächtigt, sondern der Exegese überhaupt alle objective -Wahrheit abspricht. Sie verdächtigt jedes exegetische Streben, weil jeder Exeget, wenn er einmal und sei es auch eine falsche Ansicht von dem Gegenstände gewonnen, dieselbe nothwendig Nachweisen muß, und sich auch dadurch, daß er — was doch möglich ist — bei einer nochmaligen Betrachtung (nämlich eben bei Ausübung des dritten Moments) des Gegenstandes Widersprüche gegen seine Ansicht findet, dieselbe auf unredliche Weise umgeht oder beseitigt; ein Verfahren, dessen wir den Verf. trotz seiner oft dahin und sehr stark ausgesprochenen Behauptung 30) bei seinen exegetischen Studien nicht für fähig halten. Aber die Exegese verliert auch außerdem ihre ganze objektive Wahrheit. Nun wird zwar Niemand so anmaßend sein, zu behaupten, daß ihm die Erfassung der objektiven Wahrheit, d. h. das Ermitteln, das Nachdenken des vom Autor Gedachten nach seiner breitesten und tiefsten Ausdehnung immer gelungen sei; aber eben so ungerecht ist es, einer flden Exegese alle Wahrheit abzusprechen, indem man alle exegetischen Versuche einander gleichstellt, und nicht zugeben will, daß einer derselben sich der objektiven Wahrheit mehr genähert, als der andere. Allegorische, mystische,, kabbalistische, typische rc. Deutungen stehen doch wahrlich nicht auf einer Stufe mit der ohne vorgefaßte Meinung ihr Objekt zu begreifen suchenden und mit den gehörigen Hilfsmitteln ausgerüsteten Exegese. Und wer den ersten Vers, der h. Schr. übersetzt: „Im Anfänge schuf Gott Himmel und Erde" hat doch wohl eher das, was sich der Autor bei Niederschreibung dieses 30) So nennt sie auch der Verfasser selbst zwei Zeilen nachher. 31) S. 121: „In jeder Exegese herrscht eine solche Unrerschiedslosigkeib in Betreff der Schwierigkeiten, welcher Artnämlich die Lösung sein müsse, vor; da immer der Text gezwungen wird, dem. einmal substituirten Inhalt sich zu fügen, und dieses der e i n z i g.e Z w eck der Exegese ist." — S. 302. „Wie jeder Commentator die Andeutungen des Textes, den Ton, die Wendung des Ausdrucks benutzt, um eine Ansicht, die er ein für a-Ue Ma l von dem Buche gefaßt, zu begründen ..... Verses dachte, nach seiner objektiven Wahrheit erfaßt, als wer — nach einem bekannten Midrasch — übersetzt: Wegen des Anfangs schuf Gott H. u. E.; nicht zu gedenken der Buchstabenzusammensetzungen und Berechnungen, die alle möglichen Resultate liefern. Daß es —- wie gesagt — nicht möglich ist, durchgehends eme Erfassung der objektiven Wahrheit zu bewerkstelligen, beweist gar nicht, daß es g ar k e i n e objective Wahrheit in dem Erfaßten gäbe, und alle möglichen verschiedenen Auffassungen und Deutungen der h. Schrift dürfen den redlichen Forscher nicht so entmuthigen, daß er alles verloren geben wolle. Selbst wenn man eingestände, diese oder jene Stelle gar nicht zu verstehen, so ist man doch noch der objektiven Wahrheit näher, als jene auf unexegetische Principien bauenden Deutungen, die doch noch über jenen Nullgrad hinaus sich von der Wahrheit entfernen. Und nun auf welche Absurdidäten würde man gelangen, wenn man des Verf. Ansicht in strenger Consequenz weiter fortführen wollte. Sticht nur, daß es keine historische Wahrheit gäbe — denn es könnte wohl Jemandem einfallen, Cäsars bei tum civile eben so gut für eine Parabel zu erklären, wie wir es mit Hiob thun,. und.seine-Erklärung hätte gleichen Anspruch auf Wahrheit, wie die bisherige, nach der man geglaubt, daß Eäsar wirklich mit Pompcjus Krieg geführt — sondern man könnte sich darüber wundern, wie es der Verf. unternommen, etwas Exegetisches zu schreiben, da der Vers, sich doch einerseits bewußt, sein mußte, nur. auf eine subjective Wahrheit ^") Anspruch machen zu können, der Talmud, aber möglicherweise unter {petwas ganz Anderes verstand, und andrerseits eben so verzweifeln mußre, von irgend einem seiner Leser richtig aufgefaßt zu werden. Doch dies nur beiläufig; für Consequenzen verbürgt sich Niemand. Was endlich jene unbewußte Vermittelung, jene Unmittelbarkeit des Subjektszum Object betrifft, auf die der Vers, so oft hmweist, so ist das, wenn wir die Sache sü)ärfer auffassen, die Verwandtschaft des Geistes, von dem. das Geschriebene ausgegangen,-mit dem Geiste, welcher das Geschriebene auffaßt und nachdenkt. Beide sind Menschen, beide denken nach, denselben Gesetzen, und folglich kann der Exeget die vom Autor einmal angewiesene Bahn verfolgend, endlich zu demselben Ziel gelangen, wie dieser. Aber mit dieser. Unmittelbarkeit reicht der Exeget noch lange nicht aus; der Berührungspunkte, welche jene Verwandtschaft des Geistes darbittet, sind oft zu wenig, als daß der Exeget immer ohne Fehl dem Gedankengang des Autors nachgehen könnte; die Differenzen, gebildet ^durch Sprache, Zeit, Raum, Sitte rc. heben von der Unmittelbarkeit sehr viel auf. Daher muß das Objekt auch vermittelt werden, und zwar durch linguistische, antiquarische, historische, geographische rc. Mittel, und von jener Unmittelbarkeit bleibt oft nur eine „gewisse Divinationsgabe" (S.. 18),- gewöhnlich exegetischer 32) Und das ist noch etwas ganz Anderes, als „eine individuelle, charakterisiische Beimischung" (S. 20), von der sich der Berf. selbst nicht frei spricht.

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