Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 25 (18.6.1842)
- Date
- 1842-06-18
- Page
- Spalte 395-396 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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395 Der Geist der Lalmud. Auslegung der Bibel, von Hirschfeld. Beurtheilt v. Cassel. 396 Methodik des Talmuds Der Geist der talmudischen Auslegung der Bibel von Dr. H. S. Hirsch f e l d. Auch unter dem Titel: mtrm HHD Halachische Exegese. Ein Beitrag zur Geschichte der. Exegese und zur Methodologie des Talmuds. Verlag von M. Simion. Athenäum in Berlin. 1840. 8..(X und 479 S.) (Fortsetzung.) Ja man könnte fast behaupten, daß sich wenigstens für die Hauptgrundsätze der talmudischen Exegese schon aus den citrrten Stellen, die wir, um Raum zu ersparen, nicht nach ihren verschiedenen Nüancirungen geordnet haben, die Theorie dieser Grundsätze feststellen lassen könnte. Auch ist die theoretische Abfassung, geschweige denn ihre praktische Anwendung dieser Grundregeln bedeutend älter als die Mischna, da nicht nur R. Ismabl, der die bekannten 13 Regeln ausgestellt, älter ist als Rabbi, sondern sogar schon Hillel sieben solcher Middot gelehrt hat *’)♦ — Wir hätten daher an des Vers. Stelle, wenn auf die Art der Quellenaufzätzlung überhaupt etwas Werth zu legen ist, die Mischna gar nicht vom Lalmud (d. h. von der Gemara) getrennt, am wenigsten aber durch Zwischenglieder, wie Tanchüma und Jalkut Schimoni, die so bedeutend jünger sind, als die Gemara. Einzelne Bemerkungen in Bezug auf die Quellenangabe überhaupt sollen hier nur beiläufig angeführt werden. Dasselbe Recht wie Philo, hätten auch die Apokryphen, Iosephus, die Tärgumim (vor Allen die zum Pentateuch) und die neutastamentlichen Schriften gehabt. Eben so fehlt die Mechilta (gleichwie S. 333), obgleich später ein großes Stück daraus angeführt wird (S. 356—360. und die Losifta). Bei Sifri wird nur angegeben, daß er sich über Numeri erstrecke, da er doch auch Deuteronomium umfaßt. — Was die secundären „zur Literatur dieser unserer Arbeit gehörigen Quellen" betrifft, so sind diese aus der jüngst im „Orient" (184!. LB. 47 u. 48) enthaltenen Aufzählung der methodologischen Werke zu ergänzen, so wie wieder in dieser rfr^ und das bei dem Vers, aufgeführte und oft benutzte NnnjjD&y von R. Eleasar aus Triest, Prag 1807, fehlen. Bei beiden vermißt man das Sefer Ha-Zaba von Serachia Ha-Lewi (nwan "bjn), Seder Olam von Moses Makmuni (beide noch Mscrpt.) und von Samuel Sedillo (bei k. 390 a- 402 b. und oft — f. 417 a. dagegen wird er genannt vgl. Zunz G. V. S. 47. A. d.). — Die Abhandlung des R. Samuel Ha-Nagid heißt richtiger tciDJin NDD niobrn NDD/'ift auch nicht in alle Talmud-Ausgaben ausgenommen (wie es bei dem Vers, und Orient 1841 LB. Nr. 47 heißt), fon- 29) Tosista Sanh. e. 7. Sifra Col. 7. Abot R. Natan e. 36. bei Zunz G. V. S. 45. Anm. f. Man sehe bei Halichot Olam 2, 3. C. 212 und bei f. 390 a. die Gründe, warum Hillel nicht die 13 Regeln des R. Jsmael, und dieser nicht alle des Hillel aufgeführt. dern unsers Wissens nur in die von Amsterdam, Sulzbach und Franks, a. M. Dagegen ist sie eben um diesem Mangel abzuhelfen, in dem oVn 5N'.1D 1DD 1736 von Josef Jassel, nebst der Einleitung von Maimuni in seinen Mischna-Commentar (die in gewisser Beziehung auch hierher gehört), den Bemerkungen von R. Ascher zu dem Comment. vonR.Simson zu Seraim , dem Commentar von R. Ascher zu Kilaim, der Tosafot zu Keritot und Horajot, und den Tosafot Jeschanim, abgedruckt worden. — Im weiteren Sinne können noch als Quellen 'zur Methodologie des Lalmud die älteren Commentare über denselben (RaschL, Tosafot an sehr vielen Stellen, rc.), so wie über die andern halachischen Werke, besonders über Sifra (wegen der am Anfang befindlichen 13 Regeln des R. Jsmael) betrachtet werden. — Das Material, das dem Vers, zur Bearbeitung vorlag, scheidet sich in zwei große Hauptmassen: 1) die Grundidee und der Geist der talmudischen Exegese im Allgemeinen und 2) die Grundgesetze der talmudischen Exegese im Besonder». Der ersten der genannten Abtheilungen geht als Uebersicht (besser Einleitung) eine Betrachtung über die Exegese überhaupt voran. Da diese zur Erkenntniß der Anschauung des Verfassers von großer Wichtigkeit ist, so betrachten wir sie etwas näher, nachdem wir schon oben darauf hingedeutet. — Der Akt der Exegese zerfällt nach dem Vers, in 3 Hauptmomente, ehe sie ein Resultat erlangt: 1) „der Mensch schaut seinen Gegenstand an, und in einer unbewußten Vermittelung erschließt sich ihm derselbe zu einem Bilde nach Verhältniß seines absoluten Gehaltes zum Geiste." 2) „Es stellt sich dann eine Ansicht über dasselbe heraus, ein Begriff; der Mensch begreift seinen Gegenstand". 3) „Diesen seinen Begriff sucht er endlich nachzuweisen im Gegenstände, er erkennt und versteht diesen". (S. 21.) Auf diese Zersetzung der exegetischen Lhätigkeit weist der Vers, sehr oft zurück oder führt sie in besonderen Beispielen aus. — Wir gestehen, daß wir uns trotz mannigfacher Versuche nicht in diese Thätcgkeit des Geistes hinein denken können. So wenig wir hier versuchen wollen, eine gelungenere Darstellung des exegetischen Aktes zu geben, so wenig können wir uns mit der vom Vers, gegebenen befreunden. Zuerst nämlich finden wir keinen wesentlichen Unterschied zwischen den beiden ersten Stufen. Es ist vielmehr das, was der Vers, ein in unbewußter Vermittlung sich Erschließen desselben nennt, wenn wir ein solches überhaupt gelten lassen wollen, so stetig fortschreitend zu der Herausstellung eines „Begriffs", einer „Ansicht", daß wir nicht wissen, wo hier der Scheidepunkt zwischen dem Objectiven und dem Subjectiven zu machen sei. Soll aber dies Sichherausstellen eines Begriffs, d. h. daß sich der Geist des Ermittelthabens eines Gedachten oder Geahnten bewußt werde (S. 1), das zweite Moment sein, so ist, wie uns scheint, der exegetische Akt überhaupt geschloffen, und das dritte Moment des Vers, steht müssig da. — Aber auch außerdem können wir uns dieses dritte Moment gar nicht als ein integrirendes des exegetischen Aktes vorstellen. Es soll dieses