Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 25 (18.6.1842)
- Date
- 1842-06-18
- Page
- Seite 195 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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195 brüderlich die Hand bieten werden, um die Menschenkinder aller Zungen, Farben und Länder im Geiste ihres himmlischen Vaters zu regieren! — Aber daß einst der Name Israels durch den edlern Theil seiner Bekenner wieder in der Reihe der Völker — mit denen es dann in Eintracht und Frieden leben wird — genannt; daß die verlornen und verfolgten Schaafe dieser in aller Welt gestreuten Gottesheerde dereinst ein sicheres Asil auf Erden finden; daß die von Gott geoffenbarte Religion — deren Träger Israel durch alle Zeiten und Räume bis dahin gewesen — dereinst von jener heiligen Stätte aus, die ursprünglich zur Belehrung der Menschen und Verehrung des Herrn bestimmt war, sich als Weltceligion über alle Völker verbreiten; das endlich Israels Gesandten an den Höfen der Großen und Machligen das Wohl ihrer Mitbrüder in allen Landen befördern und sie vor jeder Verfolgung — durch Gottesverheißene Hülse — beschützen werden, sagt m. Fr! was steht dieser durch die heilige und weltliche Geschichte bekundeten Annahme entgegen? Hat uns nicht Alle in neuester Zeit das Herz geblutet, als unsre Brüder im Osten — verfolgt vom niedrigen Pöbel und verlassen von denen, welche die Völker leiten und belehren sollten — das schuldlose Opfer des schmutzigsten Eigennutzes und schändlichsten Glaubenshasses geworden sind? Hat es darauf nicht jedes israelitische Gemüth, ja jedes nur menschlich fühlendes Herz innigst gefreut, da jener Moses von England, jener Ah ron von Frankreich gleich ihren Vorgängern in Mizrajim, — als die Gesandten ihrer ganzen Glaubensgenossenschaft vor die Mächtigen auf Erden hintraten, die Unschuld ihrer Mitbrüder zu Tage förderten und sie von aller weitem Verfolgungen gerettet hatten? Wie nun, wenn dereinst Israel in allen Landern, wo seine Glaubensbrüder wohnen, solche ständige Gesandten hätte, welche diese religiöse Genossenschaft vor jeglichem Eingriff der Völker in ihre Gewissensfreiheit oder ihre Menschenrechte kräftig beschützen würden? O, es ist dies ein wohlthuender Gedanke, der weder unsrer allgemeinen Menschenliebe, noch unsrer besonders Vaterlandsliebe den geringsten Eintrag thut, und der heut zu Tage selbst von vielen Nichtisraeliten geachtet und geglaubt wird. *) Denn wie Regen und Schnee herabkommet vom Himmei, dahin aber nicht zurückkehrt, er habe denn getränkt die Erde und sie befruchtet und wachsend gemacht, und Saat gegeben dem Säenden und Brod dem Essenden; also wird mein Wort sein, das aus meinem Munde geht — es wird nicht leer zurückkehren zu mir, es habe denn vollbracht, was ich will und ausgerichtet wozu ich es gesendet!" (Jesaja 55, 10 u. 11) spricht der Herr durch seiuen Propheten. Oder soll etwa Israel ein ewiger Spielball in den Händen falscher Höflinge und selbstsüchtiger Heuchler sein? Soll Israel in seinem weltlichen und kirchlichen Entwickelungsgange einer ewigen^ Willkühr Preis gegeben werden, die es bald gewaltig vorwärts treiben, bald hemmend zurückdrängen darf? — Israel, dessen Glaubenslehre doch mir den Erkenntnissen der Vernunft so übereinstimmend; Israel — dessen Sittenlehre doch dem Wohl der Staaten so förderlich ist!! — Nein! zu einem edlern Zwecke hat Gott sein Volk nach allen Ländern wandern lassen, zu einer hohem Bestimmung es unter seine Menschenkinder gesendet. „ Ihr sollt mir ein priesterliches Reich und ein heiliges Volk sein." (II. M. 19, 6) donnerte es von Sinai's Höhen und wie der Priester feiner Gemeinde, so soll Israel den Völkern in den höchsten Angelegenheiten des Lebens, Lehre und Beispiel sein! — Und sollten auch unsre Vater in ihrem Erblande jenem göttlichen Beruf nicht so ganz genügt haben, — dürfen wir deßhalb an der Erfüllung dieser heiligen Aufgabe einen Augenblick zweifeln? Sind nicht aus unsrer ursprünglichen Religion alle die spateren Bekenntnisse hecvorgegangen, die, was sie allgemein Gültiges enthalten, ihrer israelitischen Mutter erborgten? Sollte etwa unser Glauben jetzt weniger heilbringend, unsre Hoffnung jetzt weniger wahrscheinlich sein? Mit Nichten! „Denn wie Regen rc. (Text) — Und ec hat es ja verheißen — unser Allvater im Himmel — er hat es uns verheißen durch den größten seiner Propheten, daß Israel — aller menschlichen Verfolgung zum Trotze — nicht untergeben; sondern dereinst gelautert durch eine prüfungsvolle Wanderschaft der großen Völkerfamilie mit Ehren ausgenommen, und von allen geliebt ein wahrhaft glückliches Leben führen würde. Denn so heißt es in der heiligen Schrift: „So du zurückkehcst zu dem Ewigen deinem Gotte und seiner Stimme gehorchest, ganz so, wie ich dir heute gebiete, du und deine Kinder, mit deinem ganzen Herzen und deiner ganzen Seele: so wird der Ewige dein Gott zurückführen deine Gefangenschaft, und sich dein erbarmen, und dich wieder sammeln aus all den Völkern, wohin der Ewige dein Gott dich zerstreut hat; wenn deine Verstoßenen sein werden am Ende des Himmels, so wird der Ewige dein Gott von dort dich sammeln, ivon dort dich holen, und der Ewige dein Gott wird dich bringen in das Land, das deine Väter besessen und er wird dir wohlthun und dich zahlreichermachen, als deine Väter. Aber es wird auch der Ewige dein Gott beschneiden dein Herz und das Herz deiner Nachkommen, damit du den Ewigen deinen Gott lieben mit deinem ganzen Herzen und deiner ganzen Seele auf daß du glücklich lebst." >— Am letzten Verse dieser Mosaischen Schriststelle wurde sodann die weitere Betrachtung über die reingeistige Idee des MessiaSglaubens, wie solcher zur allgemeinen Humanität führt k> passend angereiht. Berlin, 25. Mai. Selten hat eine Verheißung so wenig ihren Zweck erreicht, als die in dem an die Aeltesten der Judengcmeinde zu Berlin auf ihre Eingabe vom Minister v. Rochow erlassenen Rescripte erhaltene; nicht nur die Besorgten, die der Erlaß beruhigen sollte, auch diejenigen, die bisher mit gläubiger Hoffnung auf das zu erwartende Judengesetz geblickt hatten, sehen jetzt sehr klar ein, daß die allerdings wohl guten Absichten der Regierung auf einem Wege erzielt werden sollen, den alle Betheiligte für den unzweckmäßigsten halten. Das Rescript fordert die Juden auf, sich zu beruhigen, und räumt doch alles das, ja noch mehr ein, was ihre Wesorgniß hervorgeruftn; es spricht noch immer vom christlichen Staate, während man hoffte, der Staat werde endlich sich als das höchste, die Religion aber nur als ein Institut, das seiner Aufsicht unterworfen, anfthen lernen; es folgert aus jenem Begriffe, daß den Juden keine obrigkeitliche Gewalt über Christen eingeräumt werden könne, eine Annahme, die in consequenter Durchführung, dem Juden jede Gewalt, also auch die dienstherrliche über Christen entziehen müßte; es giebt endlich die gefürchtete Entziehung der Militairdienstpflicht als wirklich beabsichtigt zu, indem es die Juden damit tröstet, es bleibe ihnen ja das Recht, freiwillig einzutreten. Die Juden haben oft gleiche Rechte ver- 25 * *} Das war der Text zur ganzen Predigt.