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Der Orient · 1842-06-18 · Heft 25 (18.6.1842) · p. Seite 194

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 25 (18.6.1842)
Date
1842-06-18
Page
Seite 194 (sequence 3)
Language
German
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194 und Fähigkeiten für sich und die Christen, unter denen sie leben, benutzen zu können.' Wahrlich eine glückliche Zukunft eröffnet sich den Juden im preußischen Staate! Denn wahrend durch Bildung 'von Korporationen den jüdischen Gemeinden die Rechte moralischer Personen gewahrt werden, kann doch wohl die Erweiterung der Gelegenheit, ihre Kräfte und Fähigkeiten zu benutzen, nichts anderes bedeuten als die Gleichstellung mit jedem anderen Staatsbürger in der Wahl seines Berufes und in der Zulassung zu jeder erwählten Beschäftigung. Wir muffen daher offen gestehen, daß wir das nicht verstehen, was in jenem Schreiben von der Nothwendigkeit gesagt wird, die Gewährung alles dessen an die Bedingungen zu knüpfen, die in dem Wesen eines christlichen Staates beruhen, nach welchem es nicht zulässig ist, den Juden irgend eine obrigkeitliche Gewalt über Christen einzuräumen, oder Rechte zu bewilligen, welche das christliche Gemeinwesen beeinträchtigen konnten. Was ist denn das Wesen des christlichen Staates? Bezweckt der christl. Staat nichts anderes als der Staat überhaupt, nämlich die höchstmögliche sittlich-intellektuelle Entwickelung des Menschen, warum soll dann der Jude dieser Aufgabe nicht eben so fähig, ebenso würdig sein wie jeder Andere? Warum soll er nicht obrigkeitliche Gewalt besitzen, wenn er durch Bildung und Gesinnung sich ihrer würdig zeigt? Ist er nicht für die Idee des Rechtes ebenso empfänglich wie jeder andere Sterbliche? Was können es daher für Rechte des Juden sein, durch deren Bewilligung das christliche Gemeinwesen beeinträchtigt wird? Wird denn in Frankreich, in Belgien und Holland durch die vollständige Emancipation der Juden das christliche Gemeinwesen beeinträchtigt? Was in dem ministeriellen Antwortschreiben von dem Festhalten der Rechte der Christen gesagt wird in Bezug auf die Aufhebung jener Beschränkungen der Juden, muß daher in dem edelsten und freiesten Sinne aufgefaßt und ausgelegt werden. Wenn also hier von Rechten der Christen die Rede ist, so können wir darunter kein anderes Recht verstehen, als das Recht, alle Menschen zu lieben, und alle Menschm als feine Brüder anzusehen und zu behandeln, was zuweilen anderen Religionen untersagt wird. Von besonderen p o l i t isch e n Rechten der Christen, das müssen wir bekennen,-haben wir aber keine Vorstellung. Auf-der anderen Seite entzieht man aber auch immer mit der Pflicht den Anspruch auf ein Recht, daher nicht die Absicht zu verkennen ist, die der Aufhebung der Militärpflicht der Juden zum Grunde liegt. Das Wohl des Staates kann nur gedeihen, wenn alle Mitglieder desselben nicht nur gleiche Psichten, sondern auch durch gleiche Rechte mit ihm innig verbunden sind; nur dann ist der Staat wahrhaft ein Ganzes, in welchem Jeder sein Einzeln-Jnteresse mit Freuden dem allgemeinen Interesse untecordnet. Daher dürfen wir wohl von der Weisheit unseres Königs hoffen, daß bald auch bei uns der Grundsatz Anerkennung finden werde: der christliche Staat sucht seine Ehre darin, durch v öllig e Em an ci p a Uort der Juden das Prinzip der Gl eichheit all-er Mensch e n a n z u e r k e n n e n. Wiesbaden, 1 Mai. In einem gottesdienstlichen Vortrag, welcher von dem israelitischen Religionslehrer und Prediger B. Hoch stadter hier am verflossenen Pesachfeste gehalten wurde und das Thema: ,,Worin.bestand die ehemalige Erlösung Israels zu Moses Zeiten, und worin wird die künftige Erlösung Israels zu Messias Zeiten bestehen?" behandelte, kamen im letztem Theile dieser homiletischen Abhandlung: über die politisch-religiöse Seite des israelischen Messiasglaubens folgende beherzigenswerche Worte vor: Keine Lehre unsrer heiligen Religion ist auf so viele Ungläubigkeit gestoßen, hat so viele Verdrehungen erlitten, als die Lehre von einer künftigen Erlösung Israels, als der Messiasglaube! Die Einen legten bei den Hagada- Worten Dipn rwV# gemächlich die Hände in den Schooß und erwarteten^ ohne ihr geringstes Hinzuthun Wunder über Wunder; wahrend die Andern schon darüber jubelten, daß sie in jetziger Zeit ihre leiblichen Bedürfnisse leichter befriedigen und den irdischen Vergnügungen ungehindert nachgehen können; — was soll diesen eine geistige Erlösung? da sie langst auf das Messiasreich verzichtet haben! Wir hingegen, m. A! befragen die heilige Geschichte unsres Volkes, sowie die allgemeine Geschichte der Menschheit, um zu erfahren, was die Messiaszeit dereinst in politischer und religiöser Beziehung für uns sein werde? a) So entfernt uns auch die Annahme scheint, daß Israel wieder zu einem selbstständigen Volke, das heilige von unfern Vätern bewohnte Land wieder zu einem jüdischen Reiche, und Jerusalem — die ehemals viel berühmte Stadt — — wieder zur Lehrstätte des wahren Glaubens werden könnte; so ist solches doch von sammtlichen Propheten *) , des Alterthums ausdrücklich verkündet, und es widersprechen selbst die Besserdenkenden unter den Nichtisraeliten nicht so ganz dieser Annahme. Es sei damit nicht gesagt, als müßten zur selben Zeit die über den ganzen Erdboden zerstreuten Jehudim sammt und sonders nach Palästina wandern. Dazu wäre jenes Land weit zu klein, und ist ja auch bei der zweiten Erlösung unter Cyrus der größere Theil unsres Volkes in den glücklichen Ländern ihres Aufenthalts zurückgeblieben, ohne daß sie deßhalb bei der Wiedererstehung des jüdischen Staates unthatig, oder gar theilnahmlos gewesen waren! Auch soll diese Hoffnung Israels unser Pflichtgefühl gegen das Vaterland, worin wir geboren oder wohnhaft sind — gegen den Landesvate r, unter dessen Scepter wir Schutz und Sicherheit genießen, keineswegs beeinträchtigen. Soll ja in jener prophetischen Zeit die ganze Welt ein höheres Vaterreich sein, in welchem sich die verschiedenen Fürsten und Obrigkeiten *) Moses V, 30, 1—6. Jesaja 40. Jirmeja 3, 14—19. Jecheskel 34. Hosea 1, 20 —25. Joel 3 xu 4. Amos 9. Micha 4. Nachum 2, 1—3. Chabakuk 3, 13—19. Aefania 3, 11—20. Psalm 46—48. Daniel 12.

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