Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 25 (18.6.1842)
- Date
- 1842-06-18
- Page
- Seite 193 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Jahrgang. Dritter ❖ Berichte, Studien und Kritiken Das Abonnement für ein Jahr ist 6 Thlr. Man abonnirt bei allen löbl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. für jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentliche das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Samstag regelmäßig. Dr. Julius Fürst. J\Z§t 2Ä. Leipzig, den 18^ Juni _ 1842» Deutschland. Königsber g: Ansicht über die Gestaltung der Zukunft der Judeü in Preußen. Wiesbaden: Prediger Hochstädter— Messias glaube. Berlin: Verfehlte Wirkung des vom Minister v. Rochow erlassenen Rescripts. Berlin: Ein Erlaß der Regierung in Handwerksconcessi'onen. — Ungar n. Bars er Comitat: Juden-Bedrückuugen. — Licht- und Schattenbilder aus der jüdischen Geschichte der Gegenwart. Das Rabbinats- und Obervorsteher-Collegium in Breslau. Seine Neuzeit« — Personalchronik und Miscellen — LB^ d. Or. Deutschland. Königsberg, 27. Mai. (Umgestaltung der bürgerlichen Verhältnisse der Juden.) Die jüdische,Gemeinde zu Königsberg war von allen größeren jüdischen Gemeinden des preußischen Staates die einzige, die den im Anfänge dieses Jahres sich verbreitenden Gerüchten von beschrankenden Veränderungen der Judengesetze keinen Glauben schenkte, weil sie Maßregeln im Sinne des Rückschrittes, die den finsteren Geist barbariscker Jahrhunderte athmen, in unserem Staate nicht mehr für möglich hielt. Sie unterließ daher auch, sich in einer Petition an Se. Maj. den König zu wenden, was die übrigen Gemeinden für nothwendig erachteten, und ihre Besorgnisse über bevorstehende Beeinträchtigungen auszusprechen, weil sie der Ueber- Zeugung war, daß eine Bitte um Schutz gegen Gewaltthätigkeiten und Ungerechtigkeiten nicht ein Zeichen von Vertrauen auf den hochsinnigen und gerechten Fürsten wäre, unter dessen Regierung dasjenige zu einer Unmöglichkeit geworden, was dem Zaghaften Grund zu Besorgnissen giebt. Noch sind die herrlichen Worte nicht vergessen, in denen Se. Maj. der König bei der Huldigung zu Königsberg allen Glaubensparteien gleichen Schutz zuflcherte, gleiche väterliche Vorsorge versprach: und um so weniger konnte sich die hiesige jüdische Gemeinde dazu entschließen, von der Meinung abzugehen, daß die Gerüchte von der Beschränkung der Rechte jüdischer Unterthanen nur von Uebelwollenden ausgegangm seien, die das gute Vernehmen zwischen Volk und König zu untergraben beabsichtigen. Diese ihre Vermuthung hat, sich jetzt vollständig bestätigt, ihr Vertrauen auf den König steht gerechtfertigt da, seitdem das Antwortschreiben des Ministers des Innern und der Polizei an die jüdische Gemeinde in Berlin auf ihre Petition mitgetheilt worden ist. Allerdings wird es in demselben zugegeben, daß das Staatsministerium mit der näheren Erwägung der die Juden betreffenden Verhältnisse beauftragt worden sei, daß aber eine grossen th eil s unrichtige Auffassung der betreffenden Gesichtspunkte zu Besorgnissen Veranlassung gegeben habe, die weder in der Absicht Sr. Maj. des Königs noch im Geiste der beschlossenen Abänderung einzelner, die jüdischen Verhältnisse bestimmenden Gesetze ihren Grund hätten. Im Gegentheile wird in diesem Antwortschreiben öffentlich ausgesprochen, daß die beabsichtigte Gesetzesreviston durchaus in liberalem Sinne zur Ausführung kommen solle, und die Abänderung nur den Theil der Gesetzgebung treffen werde, der sich nicht mehr mit den Ansprüchen und nothwendigen Erfordernissen einer freisinnigeren Zeit vertrage. Daher ist in jenem Schreiben von Maßregeln die Rede, durch welche die den Juden auferlegten Beschränkungen aufgehoben werden, insbesondere ihnen im Gemeindeverbande mit Christen die Wahrnehmung ihrer Interessen mehr gesichert, in der Besorgung ihrer eigenen Angelegenheiten durch Bildung von Korporationen eine größere Selbstständigkeit und Autorität eingeräumt, und im Allgemeinen die Gelegenheit erweitert werden soll, ihre Kräfte 25