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Der Orient · 1842-06-11 · 24 (11.6.1842) · p. Spalte 381-382

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
24 (11.6.1842)
Date
1842-06-11
Page
Spalte 381-382 (sequence 7)
Language
German
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381 Liturgisches. Dr. Frankels Entgegnung auf Dr. Salomons Sendschreiben. 382 von Herrn S. erwähnten Differenzen zurückzukehren. Im Jahre 1836 ging man mit dem Projecte um, eine allgemeine Synagoge zu Leipzig zu errichten. Ein israelitisches Gotteshaus zu Leipzig, diesem Sammelplätze der Nahen und Entferntesten müßte in vieler Hinsicht auf den religiösen und moralischen Zustand nicht nur der Juden Deutschlands, sondern der von halb Europa ungemeinen Einfluß'üben, wie ich dieses in einem damals von mir erschienenen Aufrufe auseinandersetzte. Auch wurde das Projeet von vielen Seiten mit Liebe begrüßt, und nicht minder waren die Herren Directoren des Tempels zu Leipzig, wie von ihrer biedern Gesinnung zuversichtlich zu erwarten war, für dieses Vorhaben begeistert. Aber die Frage über die Gestaltung des Ritus wurde bald rege! Ich und andere Teilnehmer an dem Vorhaben hatten die Gesammrmasse im Auge, denn auf die -Menge, für die der Saame zur Veredelung und Verbesserung des Gottesdienstes hier ausgestreut werden sollte, war es doch eigentlich abgesehen. Auch empfahlen die Umstände, unter denen das Haus erbaut werden, so wie die Art wie es sich — eigentliche Fonds konnten ihm nicht überwiesen werden — erhalten sollte, eine solche Berücksichtigung aufs dringendste. Man war auch ernstlich auf eine Vereinigung bedacht und wollte von beiden Seiten sich zu Concessionen verstehen. Doch mit welcher edlen Selbstverleugnung auch die Tempeldirecrion zu Leipzig die Hand zum Ausgleichen bot, sie durfte, durch ihr Princip gehemmt, über eine gewisse Grenze, die sie noch immer in zu großer Entfernung von der Gesammtheit hielt, nicht hinausgehen : und mehr als je bewährte es sich hier, durch welche unausfüllbare Kluft der Tempel sich von den andern Gemeinden getrennt hatte. Ist solcher Separatismus nicht in seinen Folgen bedauernswerth? „Der Tempelverein bildet nur einen Familienkreis"; aber warum sollen die Familien in Israel sich in solcher Weise von einander entfernen, warum wurde nicht vom Anfänge berücksichtigt, daß durch solche gewaltsame Spaltung manches große und folgenreiche Vorhaben unausgeführt bleibe, warum wurde nicht der Eintracht, der Einheit Manches geopfert? , Bei minder auffallendem Hervortreten würde der Tempel den Zelotismus weniger gegen sich aufgereizt und die Gemüther minder gegen sich mit Argwohn erfüllt haben. Die Sefardischen Piutim sind sehr gut, aber auch unter der aschkenasischen finden sich manche gute; jene sind der Vttnge fremd, diese ihr bekannt, darum war auch bei minderer Vortrefflichkeit manchem aschkenasischen Piut der Vorzug zu geben. vwssNI W 'n ist durch seine Melodie hinreißend; hat für die Menge ein Hinreißendes, das alle Melodieen nicht hervorzubringen vermögen! — Die Nichtberücksichtigung der Gesammtheit trifft gerechter Ladel und es liegt auf dem Gebetbuche, das durch solche Nichtbeachtung die Gemüther tief verletzt, eine schwere Verantwortung. Dieses zur Widerlegung der Beschuldigungen des Herrn Salomon. Auf seinen Vorwurf, daß ich meine Meinung über das Gebetbuch ausgesprochen, da es sich doch nur um die Recht- oder Unrechtmäßigkeit der njTHD handelte (S. 4), brauche ich kaum zu antworten. Eine solche Beurtheilung stm.d mir zu, da ich aus den von mir angegebenen Gründen das Buch für nicht empfehlenswürdig erkannte, wenn ich auch mit der nyilD des Herrn Bernays nicht übereinstimmte und sie mir einen sehr unwürdigen Standpunkt einzunehmen schien. Auch hatte die Direction in ihrem Schreiben vom 27. November v. I. sich nicht auf die nyTO allein beschränkt: es heißt vielmehr daselbst: „so sehen wir uns bei der Heiligkeit des Gegenstandes genöthigt, anerkannte Rabbiner und in der literarischen Welt renommirte Theologen um officielle Gutachten über unser G e b e t b n ch, mit mog- - lichster Berücksichtigung jener nyiiD zu ersuchen". Hier lag also die Aufforderung zu einem Gutachten über das Gebetbuch an sich selbst vor, und es scheint auch so von andern Rabbinern, die ebenfalls in ihren Schreiben an die Direction nicht bei der allein stehen blieben, verstanden worden zu sein. Herr S. klagt ferner über die Veröffentlichung meines Gutachtens unddaß sie so schnell bewerkstelligt worden sei. Ich habe in meinem das Gutachten begleitenden -Briefe (vom 26. Januar) an die Direction offen ausgesprochen, was ich in der Vorbemerkung (Orient S. 53) wiederholte, daß, da diese Frage nun ganz der Oeffmtlichkeit angehöre, man aus dem engen Kreise der Privatbesprechung und der Pnvatcorrespondenz heraustreten müsse. Oder stritte dieses nicht mit dem Billigkeitsgesühl, wenn nur das dem Gebetbuche Günstige dem Publikum vorgelegt, das Ungünstige bei Seite geschoben würde? — Welche Rücksicht durste daher die Veröffentlichung des Gutachtens aufhalten, da doch das Publikum, das auch die Gegengründe hören sollte, hier im Auge behalten werden mußte? Und nun noch einige Worte an Herrn Dr. Salomon. Die Frage über das neue Tcmpelgebetbuch hat allgemeine Theilnahme erregt und der Streit bleibt nicht mehr in einem kleinen Kreise, sondern er wird vor den Augen eines großen Publikums ausgefochten. Bei Streitfragen dieser Art muß den Wortführern an Wahrheit und Würde, welche die Elemente jeder Polemik bilden sollen, um so mehr gelegen sein, als das Ziel, das Publikum zu belehren und es für den Gegenstand zu erfüllen, nicht aus dm Augen gesetzt werden darf» Mit Scheingründen kämpfen, das Publikum durch Ziehen ins Lächerliche auf seine Seite bringen, nach einem singirten Siege Haschen ist weder der Wahrheit noch der Würde der für Wahrheit Kämpfenden gemäß. Und welcher Nachtheil erwächst dem Publikum hieraus? Es findet anfangs an dem „Zanken" und „Herunterreißen" ein Vergnügen, lacht zu dem gegenseitigen „Bespötteln" und „Höhnen"; gelangt aber endlich

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