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Der Orient · 1842-06-11 · 24 (11.6.1842) · p. Spalte 379-380

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
24 (11.6.1842)
Date
1842-06-11
Page
Spalte 379-380 (sequence 6)
Language
German
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379 Liturgisches. Dr. Frankels Entgegnung auf Dr. Salomons Sendschreiben. 389 schastlichen Haß ausbricht und man in diesem vermeintlichen Kampf für Gott (!) das Heiligste entweihet? Mag man daher die Rabbiner, die behutsam zu Werke gehen, als feig und schwach verrufen, sie ob ihres vermeintlichen schülerhaften Betragens, tadeln: sie wirken wahrhaft für den Vorschritt, dem sie eine bleibende Basis, auf die weiter fortgebaut werde, geben wollen. Haben denn die „neuen und neuesten Rabbiner" erklärt, daß sie die von ihnen getroffenen Verbesserungen als den Kulminationspunkt der Reformen betrachten? Gerade weil sie weiter steigen wollen, weil sie ein höheres Ziel im Auge haben, darum mußte ein solcher Anfang gemacht, jeder Gemeinde was bei ihr zunächst Anklang finden konnte gegeben, so wie anderseits was ihr theuer war, ihr gelassen werden. Herrn S's. Klage (S. 51) „daß die Reform zu Wien einen andern, die zu Prag, München, Dresden ff. einen andern Weg genommen", dürfte nun erledigt sein) und wohl hatte Hr. S. sich des von ihm gegen mich angeführten inwnw pDl püTilD p? (S. 21) erinnern sollen, ehe er mit dem unmotivirten Vorwurfe „des geistlichen Stolzes der Rabbiner" und „daß jeder Rabbiner, jeder Prediger, aus den andern eifersüchtig, die Einrichtung des andern bekrittelnd und herabziehend auf seine eigene Hand reformiren wollte" (S. 51), hervortrat. Herr S. gibt übrigens auch hier Schein für Wahrheit. Die von Herrn S. angeführten Gemeinden drfferiren in ihrem verbesserten Gottesdienste nur in einigen Nüaneirungen: der Urtypus ist wie ich in meinem Gutachten (Orient S. 71) bemerkte, der Ritus zu Wien; die Ausgleichung zwischen den unbedeutenden Abweichungen ist leicht zu treffen und man kann über sie wegsehen: geschiehet doch dieses .auch bei den Differenzen hinsichtlich der MHJD.— Anders der Tempelritus! Er nahm fremdartige Elemente auf, die zwar an sich gut, aber aus dem jüdischen Gottesdienste nicht hervorgegangen aus den jüdischen Gottesdienst nicht zu pfropfen waren; er übersah, daß ein Cultus nur aus dem Vorhandenen heraus, aus dem dieser Confession Liebgewordenen und mit ihren Gefühlen Harmonirenden resormirt werden müsse. Der Tempel schien bei sonst lobenswerthem Streben vonNeuerungssucht bei seinem Entstehen nicht frei; er schien hervorragen, die Blicke auf sich ziehen zu wollen: und was ihm den größten Tadel zuziehen mußte, sein Ziel zeigte sich mehr nach außen gerichtet; cs schien mehr auf Beifall von außen abgesehen, als daß das religiöse Bedürfnis; der jüdischen Glaubensgenossen befriedigt werde. Herr S. weint zwar „ohne den Tempel zu Hamburg hätte weder Wien noch Prag, weder Dresden noch eine der andern Städte einen verbesserten Gottesdienst" (S.. 52). Eine sonderbare hypothetische Prophetie! Als wenn die Zeit seit drei und zwanzig Jahren nicht fortgeschritten und die Einsicht sich nur auf den Tempel zu Hamburg beschränkte; als wenn nicht die eigentliche Anregung vom Volke und den in ihm sich kundthuenden religiösen Bedürfnissen ausginge und Rabbiner und Prediger nur das Verdienst haben, daß sie diese Bedürfnisse zum klaren Bewußtsein bringen! —- Doch wir wollen gern Jedem das Seinige lassen, und Herrn S. zugestehen, daß der Tempel zu dieser Anregung betgetragen und die Bahn eröffnet habe; wir wollen auch anführen, was Herr S. bescheiden verschweigt, daß seine trefflichen Predigten sehr auf den Vortrag der Neuern einwirkten; doch als Vorbild für die Neformirungen konnte der Tempel durchaus nicht dienen und kann noch heute nicht als deren Prototypen betrachtet werden. Seine Verbesserung ging nicht aus jüdischem Elemente hervor und so erhob sich zwischen ihm und den andern Gemeinden eine unausfüllbare Kluft. Sehr ungerecht ist die Klage des Herrn S. (S. 51) „daß die den Gottesdienst reformirenden neuen und neuesten Raboiner sich nicht mit den Directoren und Predigern des Tempels in Verbindung gesetzt". Der Tempel selbst hatte jede Verbindungslinie abgeschnitten, da er sich auf eine Höhe versetzte, welche die Gemeinden nicht erreichen konnten, nicht erreichen wollten. Herr S. meint zwar (S.47): „Der Tempelverein sei ein Familienkreis"; (das Gebetbuch kündigt sich als „Gebetbuch für die öffentliche und häusliche Andacht der Israeliten" an, doch mag ich auf tiefen unerquicklichen Streit nicht weiter eingehen): „er richtet sich einen Gottesdienst ein, da ihm der öffentliche nicht genügt ff." Wie sollen aber die Rabbiner, die für ihre Gemeinden zu wirken haben, die mit ihren Gemeinden nicht aus der Gesammtheit heraustreten wollen, sich mit der Direction und den Predigern eines Familienkreises, der nur sich berücksichtigt, in Verbindung setzen? — Aber auch als Familienkreis mußte der Tempelverein einen andern Weg der Reform einschlagen, da kein Institut in Israel isolirt dastehen, keines an seinem Segen sich allein sättigen, keines sein Licht und seine Wärme für sich allein bewahren darf. Was da leuchtet, leuchte für Alle; und erkennet Ihr, daß schwache Augen Euer Licht nicht ertragen, so mildert es; man opfere Manches, um destomehr für das Allgemeine zu gewinnen. Der Tempel zu Hamburg stehet nicht durch die Schuld der „neuen und neuesten Rabbiner" sondern durch seine eigene isolirt da; er hat eine-Spaltung hervorgerufen, die zum Nachtheile manches frommen und gemeinnützigen Unternehmens nicht ausgeglichen werden kann. Ich gehe auf ein Factum über, das Herr S. selbst berührt. Herr S. sucht nämlich (S. 3) mein Gutachten von vorn herein zu verdächtigen: „da ich, wie der Direction bekannt war, in mehren Berathungen zwischen mir und der Hamburger-Leipziger Tempelverwaltung Partei gegen den Tempelritus genommen hatte". Herr S. laßt schon hier ahnen, mit welchen Waffen er kämpfen wolle. In einer würdigen Polemik geht man blos auf die Gründe des Gegners ein, prüft, was an ihnen richtig oder unrichtig ist, und schreitet mit Besonnenheit zur Widerlegung. Auch befremdet sehr, daß trotz „meines der Direction bekannten Parteinehmens" dieselbe, obschon ich. mich nicht dazu drängte, mein Gutachten verlangte; und man nun, da dieses nicht zu Gunsten des Gebetbuches lautete, mit dem Vorwurfe der Parteilichkeit hervortritt. Doch ich sehe über diesen Angriff weg, um zu den

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