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Der Orient · 1842-06-11 · 24 (11.6.1842) · p. Spalte 373-374

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
24 (11.6.1842)
Date
1842-06-11
Page
Spalte 373-374 (sequence 3)
Language
German
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373 Der Geist der Lalmud. Auslegung der Bibel, von Hirschfeld. Beurtheilt v. Cassel. 374 S. li. Anm. 1 —3 angeführten talmudischen Sätzen "). — Aus den gegebmen Erklärungen von Halacha und Hagada ergiebt sich von selbst, daß jene sich zeitig bestimmtere Gesetze und Regeln Herausstellen mußten, wahrend diese mehr der freien, nur durch nationale Anschauung und väterliche Sitte gezügelten Auslegung anheimsielen. Diejenigen Gesetze und Regeln nun, welche die Principien der Halachischen Auslegung bilden, darzustellen, ist die Aufgabe vorliegenden Buchet Durch diese klar ausgesprochene Umgranzung des Stoffes wird die Erklärung und Bestimmung der zahlreichen tormini teebmel des Talmud ausgeschlossen, wahrend sie sonst eine Beigabe oder selbst einen integrirenden Lheil ähnlicher (methodologischer) Werke ausmachen. Jndeß wäre allerdings eine solche Beigabe, wenn wir auch billigerweise den Mangel derselben nicht als Mangel des Buches bezeichnen können, für denjenigen, welcher sich durch des Verfassers Werk für das Studium des Talmud vorbereiten will, höchst willkommen gewesen"); und Ln der That hat sich der Vers. aus Liebe zur Gründlichkeit veranlaßt gesehen, nicht nur die termini teclmici der Regeln, die er behandelt, — und meist gelungen — zu erklären, sondern auch zuweilen noch weiter zu gehen (z. B. S. 116- 118). — Daß der Vers, seiner eigenen Erklärung gemäß (S. 15) „die Prinzipien nicht nach rabbünscher Art mit einander ausgeglichen, so sie uneins schienen, und nach Art der talmudischen Harmonistik neue ersonnen, sondern den Faden abgeschnitten und nur die Austegungsgrundiätze, die im Talmud in ihrer Ausbildung uns vorliegen, zur Betrachtung ausgenommen", legt ein ehrenwerthes Zeugniß für die Wahrheitsliebe des Vers, und für die Freiheit desselben von der Sucht, durch Scharfsinn zu glänzen ab. Der vorletzte §. der Einleitung, nämlich §. 15 giebt die -Quellen an, aus denen der Vers, geschöpft, und deren Betrachtung nicht unwichtig erscheint. Zuerst primäre Quellen: 13) Es werden überhaupt in diesem Werke sehr häufig ralmudische Sätze angeführt, ohne daß die Stelle angegeben wird, wo dieselben zu finden seien. Wir halten dies für einen Mangel des Buches. Denn wenn wir auch keinen Werth auf Citatenmaffen legen, so verlangt man doch wohl nicht mit Unrecht, daß für wichtige talmudische Principien, besonders für solche, die hier zur -Behandlung kommen, wenigstens eine Stelle angegeben werde, die, im Zusammenhänge nachgelesen oft mehr zum VerstLndniß des Satzes beiträgt, als eine seitenlange Besprechung derselben. Vgl. besonders S. 95. 194. A. 3. 197. A. 1. S. 300 (vgl. Baba Mezia94b). 314. (vgl. BabaBatra 111 o* Bech. 44 b). 389. 395 (vgl. Baba Kamma 64 b. Ras. 35 b.) 420 (Z. 9). Moed, Satan 3 a rc. — In Verbindung hiermit steht die, wenn man will, mikrologische Mühe, die wir uns genommen, diejenigen biblischen oder talmudischen Citate, die irgendwie fehlerhaft sind, zu corrigiren, wovon unten mehre Beispiele (Anm. 33. 43. 45. 46. 49. 50). 14) Auch wäre dies eine gute Vorschule für die Scholien zum Lalmud, die der Vers, jetzt im Verein mit mehren Gelehrten heraus giebt. Philo für die Uranfänge dieser Behcmdlungsweise (vgl. S. 31. 34.); ferner die Mschna „6 Theist" (ist etwas sehr Bekanntes) „desgleichen von geringer Bedeutung" seil, für die halachische Exegese. Obgleich es für das Werk selbst nicht von sehr großer Bedeutung ist, ob der Verf. in der Quellenangabe der Mischna geringe Bedeutung für seine Forschungen zugesteht, da er sie, wo ec ihre Grundsätze anzuführen nö'thig hat, nicht übergeht, so ergreifen, wir doch diese Gelegenheit, um einige Worte über das Altersverhältniß der Mschna zur Gemara, wie es gewöhnlich gefaßt wird, zu sagen. Man hält nämlich gewöhnlich die Mischna ohne Weiteres für älter als die Gemara, d. h. diejenigen Lheile des Talmud, die nicht in der Mschna enthalten sind. Jndeß ist diese Bestimmung nur im Allgemeinen wahr; im Einzelnen dürste es sehr häufig Vorkommen, daß Barajta's älter oder mindestens eben so alt sind, als Mischna's, da letztere sich von ersteren weder durch Sprache noch durch Ton und Haltung wesentlich unterscheiden, und ihren Vorzug nur dem Umstande verdanken, daß der Redacteur der Mischna gerade diese Halacha'ö ausgewählt und die andern ausgeschlossen. Hierzu kommt noch dies, daß es, wenn wir auch R. Jehuda dem Heiligen eine Zusammenstellung von Mischna's zuschreiben müssen, es doch gar nicht zweifelhaft ist, daß der Kanon der Mschna durch ihn nicht so fest geschloffen wurde, da bekanntlich so manche Mischna's sich als jünger denn Rabbi ankündigen", und Verwechselungen von Mischna's und Barajta's um desto leichter stattfinden konnten, da letztere oft nur weitere Ausführungen der ersteren sind "). Wenn das hier Gesagte für sonstige Standpunkte, als den geschichtlichen, archäologischen rc. nur theilweise Anwendung findet, so wird es gänzlich bestätigt, wenn wir auf die exegetischen Principien Rücksicht nehmen. In Beziehung auf diese finden wir nämlich, daß die Mischna nicht nur den größten Theil der in der Gemara vorkommenden Regeln für Exegese kennt, sondern daß sie dieselben auch schon in der größten Ausdehnung anwendet; eine Behauptung, die, wenn sie erwiesen wird, auch den Ausspruch von Zunz (G. V. S. 46. A. b), daß in der Mischna zwar die abweichenden Meinungen, aber nur selten mit der Motivirung — dem Talmud oder Midrasch — derselben ausgeführt werden, befremdend finden läßt. Abgesehen nämlich von den Fällen, wo die Mischna den Grund einer Satzung aus sich selbst (n*“ODE>) cmgiebt, führt sie an mehr als 100 Stellen entweder einfach den Schristbeleg mit der 15) Rabbi wird angeführt z. B. Mischna Baba Kamma 5, 3. Macc. 1, 8. Aboda Sara 2, 6. Abot 2, 1. sein Tod wird gemeldet Mischna Sota 9, 15. Sein Sohn wird angeführt als toWJ min1 '21 b\l) |J2 pn Abot 2, 2. 16) Es darf daher bei diesem Schwanken nicht zu sehr auffallen, wenn Maccot 12 a unten eine Mischna (Maas. 3, 10) mit der Formel fcy\jn angeführt wird, und Raschi (Macc. 12 b oben) sich darauf, wie auf eine Barajta bezieht. — Ueber Hinzunahme von Barajta's in die Mischna Abot, vgl. Zunz G. V. S. 107. unten. 24

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