Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 23 (4.6.1842)
- Date
- 1842-06-04
- Page
- Spalte 365-366 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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365 Liturgisches. Dr. Frankels Entgegnung auf Dr. Salomons Sendschreiben. 366 Erst im Sendschreiben, wird Herr S. einer vollkommenen Gleichstellung würdig. „Im Hintergründe eines solchen Glaubens (daß eine Selbstständigkeit wieder erstehe) liegt der Erdwinkel" (sagt Hr. S. S. 27), „da Milch und Honig fließt, zeigt sich die Aussicht auf ein üppiges Leben, wo die Erde ohne bearbeitet zu werden das feinste Brod und das weichste Gewand hervorbringt"; „dieser Glaube ist auf den Materialismus gerichtet und gehet in ihm unter"; „nur eine geistig religiöse Erlösung (S. 26) darf erhofft werden." Wem nun glauben? Herrn S., dem Redacteur des im Herbste 1841 erschienenen Gebetbuches, „der von Gott die Zerstreuten sammeln lassen will" und „daß er aus allen Theilen der Erde die zusammenrufe, welche seiner harren", also um eine leibliche persönliche Erlösung betet; oder Herrn S. dem Verfasser einer Broschüre im Winter 1844, der nicht eine leibliche, persönliche Erlösung, sondern „eine Restauration des unglücklichen Vaterlandes Judäa vom ganzen Herzen wünscht und von Gott erbittet"; oder Herrn S. dem Verfasser eines Sendschreibens im Frühling 1842, der auch diese Hoffnung über Bord wirft, und wahrscheinlich durch Geigers Schrift „der Tempelstreit, eine Zeitfrage" oder durch den Wunsch „sich in Einklang mit dem Streben nach bürgerlicher Gleichstellung zu bringen" bewogen, in der von ihm einige Monate vorher ausgesprochenen Bitte einen Materialismus erblickt und nur die geistig-religiöse Erlösung im Auge hat! Herr S. verbreitet sich (S. 24 ff.) über die messianische Hoffnung: bei seiner Meinungslosigkeit kann man Worten, aus seinem Munde über diesen Gegenstand vorgebracht, kein Vertrauen schenken; aber Herr S. hat auch die erste Pflicht eines jeden Religionslehrers „Wahrheitsliebe" aus den Augen gesetzt. Er hat meine Worte falsch angeführt: ich sprach nicht von einer nationalen Selbstständigkeit, wie er sie mir unterschiebt; das Wort „national" kommt sogar „Orient S. 63" nirgends vor. Hr. S. sagt serner (S. 25.): ich habe die Idee des Priesterreiches eine „flache, inhaltlose" genannt; auf diese Entstellung meiner Worte habe ich keine Entgegnung; „flach und inhaltlos" nannte ich (Orient S. 63) „die Gesinnung, die aller selbstständigen Aeußerung sich entwöhnend, nirgends Grund und Halt findet, das Aufgeben jeder selbstständigen Lebensäußerung und das ängstliche Fliehen alles dessen, was an Juden und Judenthum erinnert." Hr. S. fand es seinem Zwecke angemessen, jene Worte zu versetzen und sie mit dem Ausdrucke „vage", wie ich die Idee des Priesterreichs bezeichnete, in Verbindung zu bringen. Ich sagte im Orient (das.): „so großartig auch eine solche Bestimmung (des Priesterreiches, der Weltreligion, des Reiches Gottes) ist, so bleibt sie doch dem größten Theile unbegreiflich ff.; daher jene Idee der Selbstständigkeit ff., die fruchtbarer als jenes vage und nach Gefallen zu drehende und zu deutende Ideal ff." Die Idee des Priesterreiches nannte ich „großartig" aber „vage", da sie jeder beliebigen Deutung freien Raum gibt, auch zuviel umfaßt, als daß sie nach ihrer Großartigkeit von Jedermann erfaßt werden könne. Auch die wortreiche Beweisführung (S. 25.) „daß die Männer, die seit fünfzig Jahren für die Zustände Israels, seine Gemeindeangelegenheiten, Synagogen, Schulen ff. gewirkt, von dieser Idee des Priesterreiches begeistert gewesen seien" trifft mich nicht; gebe ich doch selbst die Großartigkeit dieser Ideen zu, so sie richtig erfaßt wird! Aber Hrn. S. Beweisführung beruhet auch von einer andern Seite mehr auf Schein, als auf Wahrheit. Diese Männer waren durchdrungen von der Trefflichkeit unserer Religion, die Ueberzeugung von dem hohen Werthe ihrer Lehren begeisterte sie; die ewigen Wahrheiten, die sie über Gott verkündet, ihre Vorschriften für die Veredelung des Menschen, die Art wie sie zu uns spricht, uns weder in unbegreifliche Mysterien einzwängt und den Glauben an sie knüpft, noch Fatalismus und Hemmniß der Freiheit predigt; ihr erhabenes Ziel, den Menschen frei im Geiste zu machen — daher kein Glaubenszwang — und edel in seinem pracrischen Leben zu bilden: dieses zog und ziehet alle Edlen unseres Volkes an. Nicht die Idee des Priesterreiches übte auf sie diese Gewalt, sondern die Reinheit des Glaubens: und sie erhoben sich von Resignation und Schwäche zur Freiheit, und traten für den verunglimpften Glauben, für die verunglimpften Brüder mit der Kraft des Wortes und der That hervor. 11. Herr S. gehet von S. 29 ff. zu meiner Klage, „daß die Nedaction nicht auf das Gemüth und seine Forderungen eingegangen sei" über. Da in Angelegenheiten des Gemüthes viel der Subjectivität eingeräumt werden muß, so dürsten wir auf diesem Gebiete schwerlich zu einem Verständnisse kommen, so lange nicht eine andere Frage, ob der Tempelverein auch die außer dem Tempel stehende Gesammtheit zu be.ücksichtigen habe, erörtert worden ist. Doch gewahrt man, auch von diesem Punkte abgesehen, das Ungenügende der Beweisführung dieses Sendschreibens. Herr S. sucht weitläufig (S. 32ff.) den Vorzug der sefardischen Piutim vor den aschkenasischen darzuthun und bringt manches iiors d’oeuvre herbei, um den Leser zu bestechen. Aber meine Klage ging doch vor Allem „auf die Bevorzugung fremdartiger, dem Publikum größtenteils unbekannter Gebete auf Kosten manches Trefflichen und Bekannten" (Orient S. 64); wie entgegnet Hr. S. diesem? „Die sefardischen Piutim sind vortrefflicher". So konnte mancher sefardische Pinr, den auch die Deutschen haben, so könnte mancher gute aschkenasche, so konnte endlich dn verbleiben. Hr. S. antwortet (S.34.) die Litanei „UD'ipm WN bU" (welche die bn vertritt) „fei nicht so unbedeutend und sinder besonders durch die Zauberkraft der ansprechenden Melodie den Weg zum Gennickhe." Wie ungenügend! das Gebet muß die Melodie, nicht die Melodie das Gebet bedingen. — Und noch ungenügender widerlegt Herr S. meine Rüge, „warum die eigentliche NpI „iro mny wegblieb." Er nennt (S. 38) das CPJDP ein tragi - comisches Intermezzo" und fragt (S. 40)