Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 23 (4.6.1842)
- Date
- 1842-06-04
- Page
- Spalte 363-364 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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363 Liturgischest Dr. Frankels Entgegnung auf Dr. Salomons Sendschreiben. Erkenntniß emporgeschwungm haben, welche der begeisterte Blick der Seher als das Ideal der Gottesfurcht und Gotteserkenntniß bezeichnet^ Wir halten diese Idee der Setzer als befruchtendes, heilbringendes Element, als Veredelung des Realen fest. Und weil das Land unserer Vater als Ausgangspunkt dieses Ideals von den Propheten bezeichnet wird, darum ersehnen wir dessen Herstellung. Unserer Anhänglichkeit an das dermalige Vaterland geschiehet hierdurch nicht nur kein Eintrag, sondern es bestärkt diese Idee uns in jeder Bürgerpflicht, in allen Forderungen der Lugend und Gerechtigkeit. Bricht jenes Licht an, dann werden nicht nur wir, sondern jeder für das Höhere Begeisterte zu ihm eilen; aber für dieses Licht müssen wir uns vorbereiten: in unserm Innern muß die Transaction bewirkt werden durch Treue, Redlichkeit; durch die Lugenden des Menschen und des Bürgers. Diese Idee der Selbstständigkeit übt daher auch auf unser sittliches Leben einen merklichen Einfluß und soll nicht aufgegeben werden. Sie mache den Juden frei, daß er nicht den Glauben und die Glaubensgenossen vergesse, daß er nicht nach Gunst und einem Beifalllächeln von außen buhlend seine Leidenden Brüder verläugne, mit verächtlicher Vornehmheit auf sie herabsehe, oder in noch verächtlicherer Aufgebung seiner selbst das, was an seinen Glauben, was an seinen Namen erinnert, feige fliehe. Und wo dem Juden schmählicher Weise das Vaterland verweigert wird, bewähre diese Idee -ihren Einfluß, daß in ihm das Gefühl für Freiheit rege werde und er religiös und geistig sich erhebe; daß er nicht in kraftloser Resignation jedes Anrecht aufgebe und Leiden und Ertragen allein als sein irdisches Theil ansehe. Er sei frei und die Freiheit des Geistes begleite ihn auf den Gefilden des Glaubens, daß nicht die finstere trübe Ansicht des Lebens ihn nur an der Außenseite — dem Geistesgebeugten gebricht oft der höhere unbefangene Blick — ängstlich hasten lasse; er sei frei und fühle, daß ihm Unrecht widerfährt. Bietet ihm auch das Geburtsland Hohn und Unterdrückung, doch gebe er nicht seinen Werth und Würde als Mensch auf. Die Idee der Selbstständigkeit hat 'atfo Lebenskräftiges: erhöhet die Anhänglichkeit an den Glauben und die Glaubensbrüder, begeistert zur Freiheit, zurThätigkeit und lehrt Sclavensinn und Selbsterniedrigung vermeiden. Darum dürfen wir mit dem Bekenntnisse dieser Idee, welche die Anhänglichkeit an das Vaterland keinesfalls aufhebt, offen hervortreten; wir gewinnen hierdurch in den Augen jedes Vernünftigen an Achtung, wir gewinnen hierdurch mehr als wenn wir schwach und feige uns selbst verläugnen, einige allgemeine Ideen, denen nicht viel Glauben geschenkt wird, Vorbringen und jede selbstständige Aeußerung ängstlich fliehen. „Eine solche Idee hat ihr Großartiges" sagte ich im Orient; „und wird in jedem Volke geehrt", „sie erzeugt eine lebendige Begeisterung, bekundet, daß wir nicht an uns verzweifeln, uns nicht selbst aufgeben". Und Herr S. wird nicht müde zu spotten, weil ich diese Selbstständigkeit als „Lebenskräftiges" „Großartiges" bezeich- 364 nete, weil ich sagte: „der Wunsch, sie möge an einem Winkel der Erde, in dem Lande unserer Väter, an das uns die heiligsten Erinnerungen knüpfen, hervoctreten, habe nichts Ungerechtes"; Herr S. wiederholt in seinem Haschen nach Witzeleien mindestens ein DutzendmaL „den Erdwinkel" und führt, da es ihm nur um Schein zu thun ist, Stellen aus Talmud und Maimonides an, die ihrem natürlichen Sinne nach auf die Idee der Selbstständigkeit Hinweisen; wagt endlich zu sagen (S. 23): „daß man nicht absehe, wie diese Selbstständigkeit mit dem Streben nach bürgerlicher Gleichstellung in Einklang zu bringen sei." Herr S. der jüdische Prediger, welcher weiß, daß wie auch der orthodoxeste Jude auf den Messias und die Erlösung bete, er doch seinem Vaterlande vom ganzen Herzen anhängt; Herr S. der nicht den Juden aus Eisenmenger und Schudt kennt, sondern mit ihm ausgewachsen einen tiefern Blick in das jüdische Leben und die jüdischen Gefühle zu werfen im Stande war, er spricht solches aus: stellt nicht nur einen Rabbiner als der Staatsverfassung widerstrebende Gesinnung hegend dar, sondern fallt ein solches Urtheil über einen großen Theil der gesummten Iudenschaft, über die Tempelgemeinde, über sich selbst! „Man muß vor Allem den Muth einer Meinung haben" sagte in einem neuerlichen Schreiben Alex, von Humboldt (Leipz. Mg. Z. Nr. 12!): laßt uns sehen, welche Meinung Herr S. hat und welchen Muth sie zu vertreten. In dem von Herrn S. mitredigirten neuen Gebetbuche heißt es S. 22: „Rufe die, welche deiner harren, aus all cn Theilen d er Erde z u sam inen "; ferner das. S. 175: wnyfo ppV DJ urmrfc ^',"11 ypn „Laß die große Posaune erschallen zu unserer Befreiun g und erhebe ein P anier un ser e Ae rsireuten z u sa m m e l n ". In diesen Stellen betet die Tempelgemeinde (wie auch von Bindern bemerkt wurde) u m politische Erlösung, es kann also „die Ansicht des Tempelvereins mit dem Streben nach bürgerlicher Gleichstellung nicht in Einklang gebracht werden." In einer zu Hamburg 184l erschienenen Broschüre „das neue Gebetbuch und seine Verketzerung" erklärt Herr S. „die Tempelgemeinde glaubt an jene Restauration eben so zuversichtlich: wie würde sie sonst das Gebetrmnm Jiinb (unsere Augen sollen sehen, daß du nach Aion zurückkehrst) so oft wiederholen.' . . . . Nur glaubt sie nicht die Restauration ...... durch welche die leibliche, persönliche Gegenwart eines jeden Israeliten in dem ehemaligen Judäa bedingt sei. Wir können die Wiederherstellung eines unglücklichen Vaterlandes vom ganzen Herzen w ü n scheu, können dasselbe von Gott e rbitten, rönnen für diese Idee schwärmen ff/' „Judäa" ist hier Herrn S. „ein unglückliches Vaterland, dessen Wiederherstellung wirvom ganzen Herzen wünschen". „Herrn S. Ansicht kann also ebenfalls nicht mit! dem Streben nach bürgerlicher Gleichstellung in Einklang gebracht werden."