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Der Orient · 1842-06-04 · 23 (4.6.1842) · p. Spalte 359-360

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
23 (4.6.1842)
Date
1842-06-04
Page
Spalte 359-360 (sequence 4)
Language
German
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Liturgisches. Dr. Krankels Entgegnuttg auf Dr. Salomons Sendschreiben. 36« der Gesammtheit empfindlich schaden und den Judenfeinden, die begierig auch die geringste twilisations- und staatsfeindliche Aeußerung des Juden auffassen und das Individuum nicht von seiner Stellung trennend bei solcher Gelegenheit frohlockend ausrufen: „So manifestirt ein jüdischer Geistlicher die Wünsche seines Volkes", eine mächtige Waffe in die Hände geben könnte. Die unbesonnene Insinuation des Herrn S. muß entschieden zurückgewiesen werden; und in solcher Absicht allein trete ich, wie im Eingänge erwähnt, mit dieser meiner Erwiderung hervor. Herr S. drehet (S. 22) aus meinen Worten einen Widerspruch heraus, den außer ihm schwerlich Jemand finden wird. Ich führe diese Zeilen meines Gutachtens hier unverändert an, um einen Begriff von der Argumentatronsweise. des Herrn S. zu geben.- „Und von diesem Standpunkte aus" (die Redaction habe ihre Aufgabe nicht gehörig gewürdigt) „erhält die Klage hinsichtlich der einigen Grund, obschon ich sie nicht ganz theile und die Erwiderung des Herrn Dr. Salomon so wie die der geehrten Direction, daß an vielen Stellen WErt ItWO erwähnt werde, als richtig und gegründet anerkenne. Aber die Jnconsequenz im Beibehalten und Auslassen des hierher sich Beziehenden zeigt eine Geringschätzung, eine geringfügige Behandlung dieser Idee, deren Frische in Ihrem Buche gauz herabgedrückt und verwischt erscheint." Dieses meine Worte im Orient (S. 63); wo ist hier ein Widerspruch, ein Bereuen, das Herr S. durch ein sonderbares Anatomiren entdecken will? — Ich nehme aber auch, was ich über die Idee der „Selbstständigkeit," „daß an einem Winkel der Erde unsere Volksthümlichkeit wieder frei hervortrete" im Orient geäußert hier wieder auf, um nachzuweisen, daß Herr S. keinesfalls zu den von ihn: gemachten Folgerungen berechtigt war. Fragen wir zuerst: Hat die Idee, daß ein jüdischer Staat wieder erstehe, in sich so viel Abnormes, faßt sie in sich so viel Unklares und Unangemessenes, stehet sie in solchem Widerspruche mit der Anhänglichkeit an das Vaterland, daß sie aus keine Weise aufkommen darf? Den unter österreichischer Herrschaft lebenden griechischen Unterthanen war der Wunsch nicht verargt, daß ein freies Griechenland sich wieder erhebe: diese Eröffnung wurde nicht als eine Manifestation angesehen, daß sie dem Hause Habsburg untreu dessen Herrschaft abzuschütteln verlangen; warum sollte gerade dem Juden dieser Wunsch zum Verbrechen gemacht werden? „Weil die Griechen für ihre unglücklichen, von den Osmanen unterjochten und gemißhandelten Brüder Freiheitswünsche hegten"; und der Jude? — Wohl gibt er da, wo er ein Vaterland findet, wo sein Geburtsland ihn als legitimen Sohn anerkennt, die partikular-jüdische Nationalität auf; er muß sie aufgeben, will er sich als den Sohn des Vaterlandes betrachten: richtet er doch selbst das Verlangen an den Staat, daß dieser ihm dasbewillige, wodurch die jüdische Nationalität von selbst aufhöre. Denn „jüdische Nationalität" ist ein von außen Aufgedrungenes: wenn der Staat den Juden zurückstößt, wenn er ihm Rechte und Freiheit verweigert, der Jude weil er den Namen „Jude" trägt durch das Gesetz Bedrükkung und Hintansetzung erfährt, wird ihm nicht von staatswegen deutlich gesagt, daß man ihn für das Glied einer b e s o n d e r n Nation ansehe? — Den preußischen Juden drohet ein Corporationsgesetz; dieses würde sie als Fremdlinge, als einerbesondern Na ti o nali tat angehörend erklären: sie mußten dagegen protestiren; sie gehören dem Vaterlande, wollen es vertheidigm, wollen sogar von der Militärverpflichtung nicht entbunden fein : das Vaterland hat sie durch das Edict von 18J2 fast ganz als seine Söhne anerkannt; nur durch die Confession sind die Juden Preußens, so wie die Katholiken und Protestanten untereinander verbunden: außer seinen religiösen Beziehungen will der Jude nur Unterthan sein, seine Nationalität soll in der des Staates aufgehen. — Aber wird diesem gerechten Wunsche überall gewillfahrt? Wir vernehmen die Lage der Juden selbst in manchem christlichen Staate: in Sardinien, Modena, dem Kirchenstaate, Rußland sf., zu schweigen von fernen Welt-' theilen; welchem fast unerrräglichen Drucke, welcher Verachtung sind sie ausgesetzt: und in wie weiter Ferne ist nock die Aussicht auf die Zeit des Lichts und der allgemeinen Dul. düng! Theilen uns doch selbst aus einem süddeutschen Staat! öffentliche Blätter Nachrichten von Auswanderungen mit; ec können Jünglinge trotz ihres besten Bestrebens und redlichster Gesinnung keine Niederlassung finden, veraltete judenfeindliche Gesetze werden hervorgesucht; und es ziehen von der Last der Jahre gebeugte Greift mit ihren Söhnen über entfernte Meere, um ein Land, das sie nicht von sich stoße, in welchem sie das Recht des Menschen „Freiheft" genießen, zu finden!: und der Gedanke an eine Selbstständigkeit hat so viel Ungerechtes? Aus dem Lande, das uns eiu Vaterland ist, wünschen wir uns nicht weg; doch wen die Heimath, weil er sich „Jude" nennt von sich stößt, den möge die Hoffnung auf eine freundliche Heimath beleben: in dem Herzen der unterpolitischem Drucke leidenden Brüder soll der Muth zur Freiheit erwachen und durch die religiöse Idee „die Gottheit habe Großes mit uns vor und unser Name werde frei und selbstständig hervortreten", genährt werden. Von dieser Idee belebt wird der Jude nicht die ihm gewaltsam auferlegte Kette küssen, wird nicht betteln und kriechen: was ihm Menschen verweigern, ein Vaterland/ er gebe durch jenen hohen Gedanken nicht die Hoffnung auf dessen Erlangung auf. Noch sind viele Millionen Brüder in den Staub getreten, man zwingt ihnen eine „Nationalität" auf: die lebendig erfaßte Hoffnung auf die Selbstständigkeit unseres Namens mache ihren Geist frei; und sie werden nach Freiheit und Erlösung strebend ein Vaterland finden. Zeigt sich nun die Verwirklichung der Idee der Selbstständigkeit wie wir sie zu denken pflegen in ungemeiner Ferne, so theilt sie das Ergenthümliche jedes Ideals, das'seinem Wesen und seinem Werthe nach von der Realität nicht erreicht auf sie veredelnd einwirkt, das Streben nach einem

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