Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 23 (4.6.1842)
- Date
- 1842-06-04
- Page
- Seite 183 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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183 stände schon fremdem Luxus nicht. Dafür liegt er auch abseits von der Weltpolitik trotz der imponirenden Gleichheit und Gerechtigkeit seiner Organisation. Die Früchte einer zweiten Reformation würden schwerlich bis zu ihm gelangen! — Aber ein an allen Gliedern gerechtes Volk, das sich einer zwingenden Weltbildung zu rühmen hat, die von selbst jedes fremdartige Moment zur eigenen Erweiterung in sich verarbeitet, muß sich solcher Vermittlungen freuen und zu ihrer Erhaltung herbeiloüen, durch was es einzig ihre Schärfe stahlt und bewährt. Eine Großmuth der Art hat immer ihren Lohn getragen und zur Zeit der christlichen Religionsverfolgungen lieferten Preußen und die Niederlande reichlich Beweise. Wie das Gegentheil schadet, dafür steht Spanien ein. — In jenen Ländern suchten aufgenommene Fremde sich auszuzeichnen, wurden Muster und Sporn, wie das Volk ihrer bedurfte. — Ueberhaupt schließen sich Fremde eher dem Guten fördernd an, als dem Schlechten, für das sie nicht die historischen Sympathien und herkömmlichen Interessen haben, von welchen, es gewöhnlich aufrecht gehalten wird. Noch kein Staat ist dadurch zu Grunde gegangen, daß das Volk von friedlichen, vereinzelten Ansiedlern verdrängt ward, während viele an Isolirung gestorben sind, daran, daß ihre innerlichen Säfte — von außen ohne Nahrung gelassen — in Stockung geriethen. Wenn wirklich bei der übertriebenen Furcht vor jüdischer Eroberungslust beharrr werden sollte,, so erschiene ein norwegisches Abschließen beinahe gerechter und humaner, denn es läßt keine Pariah's zu. — Nur die Mittelwege sind absolut verwerflich, weil die principverlassenen keine reine Absicht, kein ernster Wille beseelt. Edel organisirte Menschen, von der Liebe zu einem lieblosen Vaterlande festgchalten, sollen mit ihren Kräften nicht im Staate aufgehen, von der letzten Bestimmung der menschlichen Ausbildung ein für alle Mal entfernt stehn! — So trostlose Aussicht widerstrebt aller Moral der Geschichte, und muß nothwcndig noch andere Ungerechtigkeiten im Gefolge haben. — Durch mehrjährigen Aufenthalt, oft schon durch eine Summe Geldes kann man sich in den meisten europäischen Staaten eine Heimath erwerben und der Jude, der sich jedem Volke so schnell assimilirt, müßte das unmöglich finden, wenn er sich nicht einer,-meist erheuchelten Ceremonie unterwirft, die ihn weder auf eine neue Bildungsstufe erhebt, noch von der alten Gemeinschaft des Lebens ablöst. — Vom Prinzip der Nationalität kann diese Unterscheidung wenigstens nicht ausgehen. Auch der Grundbesitz ist — wahrscheinlich aus einer falsch verstandenen historischen Theorie — fast überall in Deutschland dem Juden versagt. (Freilich nicht in Preußen.) Aber welche nationale Bedeutung kann Grund und Boden noch für unsere Civüisation haben, die sogar seinen eigenthümlichen Werth für das Erbrecht im Allgemeinen längst aufgegeben hat, da das Vermögen nur noch als Masse wichtig, aus allen Formen fast unwillkürlich zu Gelbe umgeschlagen wird, um gleichsam als geistige Macht den Staatszwecken zu dienen. Das neuere Staatsrecht kennt nur Werth e, nicht Sachen. Selbst Grundstücke sind zum Gegenstände mercantilischer Speculation geworden, und binden nicht stärker die Treue an das Land, als ein anderes versichertes Vermögen. Sie knüpfen das Band zwischen Fürsten und Untertanen nicht fester als die Staatspapiere, deren eigentliche Urheber die Juden sind. Wo die Juden ungestört und unbeschränkt agiren dürfen, wie im Kaufmannsstande, gehorchen sie c o n s e r v a t i v e n Geistern. Auf der andern Seite aber wirft man ihnen oft eine Opposition vor, in die das Gesetz sie gewaltsam gedrängt hat, das ihnen keine Position gestatte:. — Wenn man den Geistreichen unter ihnen die Lehrstühle verschließt, so werden sie gezwungen, sich in der Literatur an das große Publikum zu wenden - jede neue Idee, ihre^elbsterhaltung sogar, wird zum Widerstande, weil sie unerwünscht kommt. Hier, sieht man deutlich, hat die Bedrückung ein ganz verschiedenes Extrem zum Resultate. Alle diese Maßregeln können nichts nützen. Sind die Juden weniger da, weil dem Fürsten das Recht benommen ist, die Talentvollen unter ihnen zu seinen Beamten zu ernennen? Ohne des Fürsten Willen könnten sie sich selbst doch nie dazu machen. — Wer aber mit einer Freiheit auf dem Papiere zufrieden ist, muß in der That stark aus den Sieg der Gerechtigkeit bauen. Ein ähnliches Verhältniß könnte man auf alle Corporationen anwenden: Wenn der Eintritt nur dem Würdigen offen steht, so dürfte man dreist warten, daß Juden den Eintritt verdienen - steht er auch Unwürdigen offen, so wird man ohne Gefahr auch Juden einlassen. — Sträubt sich die Gesammtmasse wirklich gegen das Element der Juden, so bedarf; sie abwehrender Gesetze nicht weiter. — Der Volkshaß hat uns gestählt und tüchtig gemacht. Wir danken ihm dafür! Sollte er aber, schon erloschen und kaum noch in den höheren Ständen nistend, die Anwendung dieser Tüchtigkeit verhindern? — So lange dies geschieht, wird man freilich die engere Verbrüderung der Juden selbst ruhig mit ansehen müssen, die untäugbar starrer und ein dem allgemeinen Staats» erbande mehr widerstrebendes Element ist, als die durch Befreiung vereinzelten und in das Allgemeine aufgelösten Juden. — Wie im Staatswesen, so steht es auch mit der Religion! — Oder steht nur die jüdische Religion im Widerspruche mit der Befähigung zum Staatöverbande? — Daß sie eine Moralität lehre, welche dem gebildeten Staatsleben widerstreitet, kann auf dem heutigen Standpunkte der Wissenschaft auch der Feindseligste nicht mehr aufstellen. Wenn aber das Bürgerrecht von dem positiven Inhalte eines religiösen Glau-