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Der Orient · 1842-06-04 · Heft 23 (4.6.1842) · p. Seite 184

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 23 (4.6.1842)
Date
1842-06-04
Page
Seite 184 (sequence 15)
Language
German
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184 bens wirklich und geistig abhängig sein sollte , so hätte der Unglaube unsrer Lage Längst mehr Staaten untergraben, als die Bigotterie des vergangenen WeltalLers gethan, da er doch die neuen aufbauen half. — Wenn die Reformation den Staat zur Unabhängigkeit von der Kirche erhob, so hat sie auch die Kirche gehoben, die dadurch ihrer freien Entwickelung überlassen ward. Nur ungebundene Geister sind großen Entschlüssen gewachsen. Ein Glaubensbekenntniß hat keinen Werth mehr, das erzwungen oder von SLaatsinteressen angeregt wird. Mancher Christ steht mit seinen positiven Überzeugungen im Judenthume, und doch verweigert man ihm eben so wenigdie Rechte eines Staatsbürgers, als dem Juden, der sich aus äußeren Rücksichten der Taufe bequemt. Wie viel bedeutende» Männer unserer Zeit leben in griechischen Weltanschauungen, trotz dem Katechismus, den sie als Kinder auswendig gelernt. Käme es auf diesen Iugendunterricht an, der ist größtentheils schon allgemein geworden und wird es immer mehr. (Beschluß folgt.) j ' ## . I r : ' - * '■ Personalchromk und Mißeellen An Herrn Reif mann. In Zion 1. S. 165 behaupten Sie, daß nach myttn /tan 151'' abgefaßt sei, wonach Sie den Text ^corrigirt und hergestellt. Wollen Sie.nicht gefälligst die nach diesem Metrum unternommene Herstellung hier in diesen Blättern mittheilen? Ich finde eine 5^erstellung nach diesem Metrum fast unmöglich. Fürst. In Haug's Königsberger Lireraturblatt stand neulich ein interessanter Aufsatz über das Verhältniß der Juden zu der deutschen Literatur. Zn Lübeck ist eine Commission zur Untersuchung über die. Lage der Juden und die Mittel zur Verbesserung derselben consticuirt worden. In England erscheint außer einer englisch-jüdischen Wochenschrift (The Voice of Jacob) auch eine englischjüdische Monatsschrift. Prof. Werg ei and in Christiania, der bekannte Storthingsmann, Dichter und Biograph Carl's XI V. Johann, gedenkt Poesieen zu veröffentlichen, welche Schilderungen aus der Vorzeit der Israeliten mit besonderer Beziehung auf die jetzt in Norwegen beantragte Aufnahme der Juden in dm Staatsverband enthalten werden. Dr. Steinheim in Altona fordert in der „Allg. Ztg. des Judenthums vom 7. d. M." zur Subsciption auf jene Dichtungen auf.; Nach dem Semaphore de Marseille sollen die Juden in Genu a Befehl erhalten haben, sich sammtlich in der Judengasse niederzulassen, und aus der Stadt Savona sollen sie sich binnen drei Tagen haben gänzlich entfernen müssen. Nach einem Schreiben im Altonaer Merkur vom 17. j Mai sind für die Abgebrannten Hamburgs in der jüdischen l Gesellschaft „Harmonie" im Nu 4000 fl. und in der jüdischen Loge „Aigle" 1000 fl. zusammengekommen. Salomon und k dessen Sohn Carl Heine trugen 8000 Mark, Samuel Levy i 960 Mark und noch viele Hamburger und auswärtige Juden \ über 100 Mark bei.; Auch von Dr. S. M. Jost, der im Jahre 1833 bei Gej legenheit der Streckfußschen Vorschläge stine Stimme zu! Gunsten staatsrechtlicher Garantieen für die preußischen Juden j erhob, ist me Schrift über die beabsichtigte Umgestaltung der ] bürgerlichen Stellung der Juden in Preußen erschienen. Wenn es der Raum gestartet, so werden wir nächstens ^den raisonnirenden Artikel aus dem Gesetzentwurf über die in?'Preußen projektirte Maßregel aus dem deutschen Kourier v.! 14. Mar mittheilen.! Die Nachricht, daß Prof. Rubino in Marburg, dessen j erst kürzlich unter den jüdischen Vertretern des fortgeschrittenen Humanismus gedacht ward, jetzt zum Christenthum über-! getreten sei, muß jeden aufrichtigen Freund der Emanzipation! tief schmerzen. Noch mehr hat es uns jedoch betrübt, aus der darüber in den Zeitungen besindlichen Notiz zu ersehen, t daß auch in Kurhessen die Emancipation nicht zum Abschlüsse gekommen, ja nicht einmal in die akademische Sphäre völlig seingedrungen sei. / c Das Sendschreiben des Hn. Dr. Salomon an Dr. Frankel hat Hr. H. Jolowicz, der auch das Geigersche Gutachten; besprochen, zur Reeension übernommen und diese Recension ' wird täglich erwartet. — Ein leidender Artikel. Seit kurzer Zeit gibt der Magdeburger Jüdenredacteur in seinem Klatschblatte sogenannte „leitende" Artikel, die aber wohl richtiger leidende genannt werden sollten. Einen solchen leidenden Artikel enthielt No. 22., worin ec die Juden zur Unterstützung der Abgebrannten in Hamburg auffordcrt. Mit wahrer Indignation muß jeder' wohlmeinende Israelit diesen Aufruf lesen! In allen Städten Deutschlands, ja ich möchte sagen Europa's, wird für Hamburg gesammelt und in keiner hat sich der Jude ausgeschlossen; in keiner Aufforderung, die ergangen ist, wurden die Juden ausgeschlossen; wozu soll nun die Absonderung, wozu die ausschließliche Aufforderung des Judenredacteurs blos an die Juden? Wir haben an der bereits vorhandenen Absonderung schon genug zu tragen, wozu noch eine neue, künstliche schaffen? — Verlag von C. 2. F ritz sche,. Druck von I. H. Nagel.

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