Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 22 (28.5.1842)
- Date
- 1842-05-28
- Page
- Spalte 345-346 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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345 Der Geist der talmud. Auslegung der Bibel von Hirschfeld. 346 glücklichen Geschlechts, oft sogar aus Kosten philologischer Wahrheit * * * * 5 * *). — Jene Reihe von Christen, welche rabbinische Schriften verstanden und bearbeiteten, zieht sich von dem Anfang des 16. bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts hinab, und glänzend ragen aus ihnen die Namen eines Selden, Buxtorf, HoLLinger, L'Empereur, Reland, Surenhusius, Wolf, Ugotini, Breithaupt, 'Danz u. s. w. hervor. In neuerer Zeit sind es nur wenige christliche Gelehrte, die talmudische und rabbinische Schriften zu lesen verstehen; die meisten fußen, wenn sie deren bedürfen, auf den Arbeiten jener Gelehrten und ihrer Genossen. Freilich widerfährt ihnen dabei das, was jedem widerfährt, der seine Quellen nur aus Uebersetzungen kennen lernt, Irrthümer und MißverständnisseG); indeß hindert sie das nicht, Talmud und Rabbinen mit Verachtung zu behandeln, und wo sie auf sie zu reden kommen, von „rabbinischem Aberwitz" u.s.w. zu sprechen'). — Es leiden 5) So übersetzt Buxtorf die Stelle der Mischna Aboda sara 1, 3: sÄrDO NU*?p D'tt bü DT*™ JH btt) □ 'DfcTipl dreimal (lex. rliaUi. talm. etc. p. 1467. 2043. 2133.) so : llaeo antern «unt festa Christ i a n o r u m. Calendae, Saturnalia, Quadragesimae. In Hinsicht auf dies letzte Fest, dessen Beziehung zweifelhaft sein könnte, spricht sich die Gemara zu dieser Mischna f. 8 a (auch cttirt von Buxtorf p. 2133) bestimmt dahin aus, daß es ein römisches Fest war, gestiftet zum Andenken an einen großen Sieg. 6) So z. B. wenn de Wette (Einl.in das A. L. 5. Aufl. S. 90.) den Onkelos Enkel des Titus nennt, so verräth er damit, daß er die Stelle Gifctin 56 h, wo Dn?elo3 rpnriN Schwestersohn des Titus genannt wird, nur in lateinischer Uebersetzung gesehen, wo es freilich für Enkel und Neffe nur einen Ausdruck giebt. 7) Es dürfte nicht schwer fallen, aus christlichen Zeitgenossen der Talmudisten (Kirchenvätern) ebenfalls Ansichten zu entnehmen , die nicht minder von dem niedrigen Stande der Bildung in damaliger Zeit zeugten. Aber man braucht gerade nicht so weit zu gehen» Wem es um christliche Parallelen zu talmudischen Spitzfindigkeiten zu thnn ist, der lese nur fleißig die neuesten orthodoxen Commentare über das N. T., und er wird in den Bemühungen, die zahllosen Differenzen und Widersprüche der Evangelisten zu versöhnen, falsche Auslegungen von alttestamentlichen Stellen in das richtige Gelees zu bringen, und z. B. die Inspiration eines Evangelisten (Matth. 27, 9 s.) zu retten, der aus Jeremias eine Stelle eitirt die in Zacharias 11, 12 steht re., genug Ausbeute finden, so daß man ohne die Spuren ihrer UnkennLniß der Rabbinen, leicht auf die Meinung kommen könnte, sie hatten Talmud und Midrasch fleißig' und mit Erfolg studirt. Ein Beispiel aus Vielen: Wo es darauf ankommt, die Herkunft des Verräthers Judas zu beleuchten, läßt sich Prof. Dr. Olshausen (Bibl. Comment. über die Schriften des 9t. L. 2. S. 458 Anm. vgl. Strauß: Leben Jesu li S. 406. 9 116. Anm. 1) also vernehmen: „Vielleicht ist 1 Mos. 49, 17. (^1 pn b]) wnj p vr) der Verrath des Judas prophetisch angedeutet, wornach man schließen könnte, daß er aus dem Stamme Dan war." Wie viel vernünftiger der Midrasch Ler. Rah. cap. 98 f. 86 a. ed. Amst.), welcher jene Stelle eine prophetische Beziehung auf Simson haben läßt, der doch wirklich aus dem Stamme Dan war (Nicht. 13, 2). aber überhaupt alle Arbeiten jener Männer an mehren Fehlern, die auf den Gebrauch derselben von nicht geringem Einfluß sind. Zuerst und zwar im Allgemeinen, an dem, daß das jüdische Alterthum nicht um seiner selbst willen, sondern eben nur zu gewissen, und nicht immer ganz ehrenwertheil Zwecken studirt wurde. Wie überhaupt jene Zeit sich nicht zu der Idee der. Wissenschaft als dem sich Wiedersinden und sich Wiedererkennen des menschlichen Geistes in 9tatur und Geschichte erheben konnte, so mußte es vorzüglich gewichtiger Gründe bedürfen, um es erklärlich und verzeihlich zu finden, daß ein Christ jüdische Schriften in die Hand nehmen, und gar noch Fleiß und Mühe darauf verwenden konnte. Es ist daher auch kein Werk jener Zeit, in welchem nicht der christliche Autor in der Vorrede es für nothwendig findet, sich dafür zu entschuldigen, daß er seine Zeit auf Lesung jüdischer Schriften verwendet, und da werden denn gewöhnlich die oben besprochenen Zwecke angeführt und durch verschiedenartige Beispiele beleuchtet. Welche schiefe Resultate aus einem solchen Standpunkte des Forschens sich ergeben mußten, brauchen wir nach dem Bisherigen kaum mehr als anzudeuren, werden aber hernach auch auf einige Einzelnhciten zu reden kommen. Ein zweiter Fehler ist der einer grenzenlosen Unkritik, mit der die Ansichten der verschiedensten Schulen, Gegenden, Zeiten, Autoren bunt durch einander geworfen und hiermit Anschauungen von talmudischer und rabbinischer Denk- und Handlungsweise zu geben geglaubt werden. Je mehr man den kolossalen Fleiß anstaunt, der sich z. B. in den Werken eines Buxtorf, Wolf, Lighrfoot, Danz u. s. w. offenbart, um so mehr muß man es bedauern, daß es jener Zeit nicht gegeben war, jene Massen zu verarbeiten, und aus roh neben und über einander geschichteten Steinmassen ein nutzbares, lichtes Gebäude zu errichten. Hierzu kommt endlich noch der Umstand, daß bei allem Fleiß, den jene Schriftsteller anwendeten, doch häufig ihre Sprachkenntniffe nicht ausreichten, und ihre Werke an nicht wenigen Fehlern und Mißverständnissen leiden 8 * * * * 13); daher 8) Hier nur einige besonders interessante Mißverständnisse, zu deren Instandsetzung es kaum einer mehr als oberflächlichen Kenntniß des Hebräischen gehört. Selden (de jure naturali et gentium iiebraeorum. Lib. Ul. c. 14. p. 363. Leipz. und Franks. Ausg. 1645) führt folgende Stelle aus einem Comment. zum Siddur an: mD ML? nttfD int* nnt* nmnn roty rnarnp nruv ^»d nn mw nm *PHp rQ&y, und dies lautet übersetzt: „designatum est sabbatum in Mara, in numerum Praeceptorum conjectum est in Monte Sinai , sanctifieatio ejus in ipsa reruni creatione evenit. Primum .au teilt sabbatum (quod observatum est) evenit seeulis in futuris.“ . Was mag es dem gelehrten Selden für Mühe gemacht haben, in diese abgerissenen (und corrumpirten) Worte einen Sinn hineinzutragen, und welche noch größere Mühe seinen Lesern, ihn zu verstehen.- Aber man lese: rw n«-n^ nt£Hp HHN Trip nnw tin dhn wd rn'nnty iwn moratpncPD so sieht man, daß der Comment. hier die 4 Sabbat-Test lla's (benannt nach den Anfangsworten der sabbatlichen Stücke) mit vier großen Sabbaten parallelisiren will. Da wir gerade