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Der Orient · 1842-05-28 · 22 (28.5.1842) · p. Spalte 339-340

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
22 (28.5.1842)
Date
1842-05-28
Page
Spalte 339-340 (sequence 2)
Language
German
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339 340 Der Geist der talmud. 'Auslegung der Bibel von Hirschfeld. gegriffene Heiligkeit des babylonischen Kanon, mit dem in dieser Hinsicht die Aussprüche der H. Sehr, selbst ein nicht wesentlich verschiedenes Schicksal hatten. Von Außen her — die nur eines beschränkten Umfangs sich erfreuenden Bestrebungen der Karaiten abgerechnet — wenig Befehdungen in dieser Meinung ausgesetzt/ oder, 'wo diese eintraten, nur zu desto innigerer Anklammerung des theuren Gutes gezogen, wenn sie nicht, wie in den beiden letzten Jahrhunderten, sie ganz ignorirten, hatten die Juden bis auf die jüngsten Jahrzehnte herab das Bewußtsein von der unantastbaren Autorität der talmudischen Schriften mit herabgebracht. Natürlich war es, daß nicht nur dieses Bewußtsein auf sämmtliche Lebensverhältnisse der jüdischen Nation seinen Einfluß übte, sondern auch, daß jene Anschauung des talmudischen Corpus mit ihren Anthei! hatte an der Art und Weise, wie man.das talmudische Studium betrieb. Als die nähere Ausführung des göttlichen Gesetzes, ja oft um dessenwillen diesem vorgezogen, wandten beinahe zwölf Jahrhunderte bei Behandlung des Talmuds ihre Kräfte der Bearbeitung der halachischen Theile zu, und erzeugten so jene immense Literatur, deren Umfang selbst der in talmudische Studien tiefer Eingeweihete oft mehr zu ahnen, als sich vorzustellen im Stande ist, und die vorzüglich seit Abfassung der beiden großen Codices des MaimunL und des Karo, und seit Erfindung der Buchdruckerkunst lawinenartig zugenommen. Bearbeitungen des Talmuds von andern Standpunkten (lexicographischem, methodologischem) verschwinden ganz gegen jene Masse, und wurden überhaupt als nur jenen Studien servil für weniger ehrbringend gehalten» Die Hagada wurde ebenfalls wenig beachtet, und in Ermangelung sprachlicher und historischer Kenntnisse noch weniger verstanden, und daher Anlaß zu den abentheuerlichsten Vorstellungen vom jüdischen Alterthum gegeben. Erwägt man das hier in kurzen Umrissen Geschilderte etwas genauer nach seinen einzelnen Wirkungen; bedenkt man, welchen Einfluß diese in die tiefsten Adern der Nation eingedrungene Verehrung des Talmud auf Denk- und Handlungsweise, auf Sprache und Literatur hatte; findet man endlich bei Durchforschung der den letztern Jahrhunderten ungehörigen Geisteserzeugniffe, und überhaupt in der Geschichte dieser Zeit jene a priori gefaßten 'Vorstellungen vollkommen bestätigt,'so ist es eben so leicht, sich vorzustellen, welche außerordentliche Veränderung in dem äußern und innern Leben der jüdischen Gemeinde durch eine Veränderung jener Anschauung bewirkt werden mußte. Indem wir hier die Umwandlungen, .die in neuerer Zeit das äußere Leben des Juden erfuhr, weniger betrachten, weil diese theils schon oster besprochen worden, theils auch offen da liegen, wenden wir uns zu dem /Einfluß , den die Neuzeit auf die innere Seite des jüdischen Lebens, auf die Umbildung der jüdischen Theolgie geäußert hat. — Sobald der durch die europäische Kultur, unterstützt durch die bürgerliche Erleichterung, die man den Juden gewährte, geweckte Lebensfunke bis zu der Idee von einer Reform des Judenthums sich entzündet hatte, war es die Autorität des Talmud, und der auf diesem fußenden rabbinischen Codices mit ihren Commenraren und Supercommentaren, welche das Kriterium zwischen dem „Alten und dem Neuen" abzugeben hatte, während über die Autorität der Heil. Schr. keine Differenz zwischen den Gegnern obzuwalten schien, wenigstens keine solche ausgesprochen wurde. Wenn man in den ersten Jahren dieser Zeit, erschreckt durch die zwischen den talmudischen und europäischen Ansichten erwachsene Kluft, durch apologetische Versuche eine Ausgleichung, ja sogar eine Reform "des Judenthums vom rabbinischen Standpunkt aus möglich machen zu können glaubte, so verließen bald die Aufrichtigeren, müde der spitzfindigen Streitigkeiten mit den noch spitzfindigeren Gegnern, diese Bahn, und versuchten auf verschiedene Weise den wahren Gehalt des Judenthums auf eine den Zeitanforderungen gemäße Art zur Erscheinung zu bringen. Hier bewährte denn auch jene ätzende Schärfe, welche das Eigenthümliche der sogenannten M e n d e l s s o h n's ch e n Schule bildet, ihre zerstörende Wirkung. Aufhebung der ganzen Autorität des Talmuds war die Losung jener Schule, von der ein sonst höchst achtungswerthes Mitglied sogar in Unterhandlung mit den Dogmen der christlichen Religion treten wollte, mir gänzlicher Verkennung des ganz nach verschiedenen Richtungen auseinandergehenden Geistes der jüdischen und der christlichen Glaubenslehre. War die Schärft und Bitterkeit dieser Schule vorzüglich durch die unnachgiebige Härte der entgegenstehenden Parthei hervorgerufen worden, so mußte sie selbst, die bei ihren vergeblichen Versuchen eines Neubaues nur die Negation des Rabbinismus vorstellte, in sich vergehen, wenn der harte Fels dieser Gegner sich zu erweichen und nachzugeben ansing. Sie hatte sich desselben Fehlers schuldig gemacht, dessen sie ihre Gegner anklagte. Weide verkannten, daß das heutige Judenthum, wie es ist, ein Gewordenes ist, und als solches eben so wenig einen Entwickelungsgang von zwei Jahrtausenden überspringen, als in dem seit so langer Zeit fortgeschrittenen Entwickelungsgang nun festgehalten werden konnte. Wie unfruchtbar die Bemühungen dieser Partei für die wahre Fortbildung des Judenthums gewesen, zeigt der Umstand, daß die Söhne und Enkel jener Männer fast alle sich von ihrem väterlichen Glauben abgewandt, und damit — wenn ein solches Zeugniß angenommen werden könnte — ein schlechtes Zeugniß für die Aufrichtigkeit der Bemühungen ihrer Väter abgelegt haben; unähnlich den Vätern der Gegenpartei, die, wenn auch nur dunkel, den Beruf in sich wußten, mit Aufopferung ihres Lebens die göttliche Lehre zu einer bessern Zeit hinüberzutragen. Unfruchtbar aber ist jene Epoche wenigstens darin nicht gewesen, daß sie die nachfolgenden Generationen von der Unzulänglichkeit eines bloß zerstörenden Eifers überzeugte, der aus der Kettean- und ineinanderhängender Entwickelungsmomente willkührlich eins oder das andere Herausreißen will. Nur Nachklange jener so ziemlich verschwundenen Partei lassensich in einer Oeffentlichkeit hören, die nachdem sie eine Zeitlang mit dem Fanatismus, den die Alten nach und nach

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