Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 22 (28.5.1842)
- Date
- 1842-05-28
- Page
- Spalte 337-338 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Meralrrrblatt des Orients. Berichte, Studien und Kritiken für Indische Geschichte und Literatur. M 22« Leipzig, den 28. Mai _1842. Methodik des Talmuds. Der Geist der talmudischen Auslegung der Bibel von Hirschfeld. Beurtheilung. — Biblisch e Eregese. Noten zum hebr. Texte des A. T. nebst Übersetzung des Buches Hiob rc. Beurtheilt. — Lit. Ankündigungen. Methodik des Talmuds. Der Geist der talmudischen Auslegung der Bibel von Dr. H. S.. Hirschfeld. Auch unter dem Titel: twm miD rD^TI. Halachische Exegese. Ein Beitrag zur Geschichte der Exegese und zur Methodologie des Talmuds. Verlag von M. Simion. Athenäum ul Berlin. 1840. 8. (X und 479 S.) Zweite Recension. Ehe wir an eine Besprechung des eben angezeigten Buches gehen, dürfte es nicht unpassend sein, einige Betrachtungen über die bisherigen Bearbeitungen des Talmud voranzuschicken. Au diesem Zwecke erlauben wir uns, einige Blicke in die Vergangenheit zurückzuwerfen, und an der Hand der Geschichte bis in die Periode hinaufzusteigen, aus der sich uns dieses kostbare Nationalwcrk erhalten hat. Jenem Zeitpunkte, wo der Talmud nach den gewöhnlichen Berichten in ein Ganzes redigirt worden sein soll (der sogenannten mnn), folgt eine Dunkelheit von fast zweihundert Jahren, aus denen wir nicht nur bestimmter Nachrichten über die Schicksale des Talmud's, sondern auch überhaupt sicherer Kennzeichen von einer Thätigkeit der jüdischen Literatur entbehren. Gleich den beiden Jahrhunderten, welche auf die Abschließung des heiligen Kanon folgten, lassen sich auch jene auf die Redaktion des Talmuds folgenden Säcula nur durch Vermuthungen und Schlüsse über später namenlos erschienene Werke (dort einige Apokryphen, hier die älteren Midraschim) ansfüllen. Und eben so wie dort der wieder eintreffende Lichtstrahl historisch beglaubter und einer bestimmten Zeit zuzuweisender Denkmäler uns die sogenannten A.T.llchen Schriften als heilige zeigt, als solche, an deren unbeschränkter Autorität schon Niemand zu rütteln wagte, so erscheint auch bei der um die Mitte des 8. Jahrhunderts wieder erwachten Thätigkeit der Geonim das Corpus des (babylonischen) Talmud als unwidersprechliche Autorität in religiöser, wie in juridischer Hinsicht, so daß der um vier Jahrhunderte später schreibende Maimuni^) schon ohne Weiteres erzählt, daß sämmtliche Gemeinden Israels den Talmud als bindende Autorität anerkannt, obgleich — wie jüngst bemerkt worden-) — für eine solche allgemeine Anerkennung die historischen Belege fehlen. Die Denkmäler jener erneueren Thätigkeit bewegen sich zum größten Theil in Bearbeitungen und Erklärungen der talmudischen Satzungen, und schon in der Mitte des achten Jahrhunderts wurde in den nibrU nD^n der erste Versuch zu einer systematischen Zusammenstellung der aus dem Talmud sich ergebenden Gesetze gemacht^). Von da an, und vollends seitdem das talmudische Studium durch den Sturz der babylonischen Academien der unmittelbaren Ueberlieferung entnommen und nach Europa verpflanzt wurden, bis auf die neueste Zeit herunter, erblicken wir in der italienisch-griechischen, in der spanischarabischen, wie in der französisch-deutschen Schule eine unbedingte Hingebung und Unterwerfung unter die talmudische Autorität als den Grundcharakter einer jeden wissenschaftlichen Thätigkeit, mit nur theilweiser Ausnahme der biblischen Exegese. Und wenn auch höher stehende Geister, vorzüglich aus der arabischen Schule, die Mittel zur philosophischen Bearbeitung der jüdischen Theologie im weitesten Sinne dieses Wortes, auch noch aus andern, als aus den talmudischen Autoritäten zu nehmen sich getrauten, so zeigt eben das Bestreben, diejenigen Meinungen des Talmud, die den vorgeschrittenen Ansichten der Zeit nicht mehr Stich halten zu können schienen, mit dieser zu vermitteln, und noch weiter das Aufsuchen talmudischer Aussprüche zur Bekräftigung der aus profanen Wissenschaften erwachsenen Resultate, für die unanl) In der Einleitung zu Mischne Tora. -) Zion 602. No. 2? S. 20» 3) Zunz G. V. S. 56. 22