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Der Orient · 1842-05-28 · Heft 22 (28.5.1842) · p. Seite 174

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 22 (28.5.1842)
Date
1842-05-28
Page
Seite 174 (sequence 11)
Language
German
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VoLkschümliche Aussätze »n- Peurtheilungen. Jüdische Homiletik. *) Die drei Symbole des Ueberschreitungsfestes. Von Dr. H old heim, Großherzogl. Meklenb.-Schwerinschen Landesrabbiner. Schwerin 1842. Mit Freuden denken auch wir Juden an jene Flitterwochen zurück, die der französischen Iulirevolulion folgten. Die allgemeine Begeisterung, welche die Gemüther elektrisirte, theilte sich auch uns mit. Erlangten wir ja doch wieder einige Hoffnung, daß während man überall Freiheit und Gerechtigkeit als das Ziel der Völkerbewegung pries, auch wir frei, unsere Mitbürger auch gegen uns gerecht werden würden. Diese Hoffnungen gingen nur (heilweise in Erfüllung und, wenn wir auch aus dieser Zeit her die kräftige, bewußte, nachhaltig - wirkende Emancipationsliteratur datiren dürfen, so zeigte sich doch andererseits gerade damals an vielen Orten die Wuth und Rohheit des Pöbels in ungezügelter Kraft gegen uns gerichtet. So wurde manche Blüthe vom Sturme geknickt, an deren vollkommene Entfaltung die schönsten Erwartungen geknüpft waren. — Doch war es schon ein reicher Gewinn, daß man auf Landtagen, in der Literatur, im Leben, uns mehr Beachtung schenkte, als bis dahin der Fall gewesen war. — In Frankreich, Belgien, Kurhessen, Würremberg, außerdem auch in England, Dänemark, Schweden, Ungarn u. s. w. nahm man sich unser mehr oder minder liebevoll, mit geringerem oder größerem Erfolge an. Wir selbst arbeiteten inzwischen kräftig an der Verbefferung unserer innern Zustände in Gotteshäusern, Gemeinden und Schulen.— Die Damaskusangelegenheit warf wieder düstere Schatten auf das Gemälde, welches man sich von der Humanität des neunzehnten Jahrhunderts zu entwerfen hätte berechtigt glauben sollen; manche Illusionen wurden zerstört; viele bittere Erinnerungen, viele herbe Kränkungen traten wieder lebendig vor die Seele; aber man lernte Freunde von Feinden unterscheiden; alte Sympathien erwachten; die Kräfte, über welche man zu gebieten hatte, wurden gemessen, geordnet, in Thätigkcit gesetzt. Das wichtigste Resultat aber, welches aus dieser nicht durchgängig mit der nöthigen Discretkon und Prunklosigkeit behandelten Tragödie entsprang, ist unseres *) Unter dieser Rubrik werden von Zeit zu Zeit homiletische Arbeiten, in so fern sie in populärer Form gehalten sind, besprochen und angezeigt werden. Auch dieser Theil der religiösen Literatur kann in einem jüdischen Blatte nicht übergangen werden, zumal da wir noch eines Blattes entbehren, welches sich mit Besprechungen von Predigten beschäftigt. Bedünkens die dadurch hervorgerusene innige Annäherung der englischen und der deutschen Juden, von welcher, wenn auch keine politische, so doch eine religiöse und vor allem eine moralisch-ethische Wechselwirkung mit Zuversicht erwartet werden darf. Soll ich noch einmal von dem edeln Aufschwünge reden, den die Gesinnung der preußischen Juden in diesem Augenblicke offenbart? Nein, ich will dem Auge meines Herzens widerstehen und, die Gegenwart verlassend, noch einmal zu vergangenen Lagen zurückkehren, auf jene Zeit zurückblicken, da wir unsere Hoffnungen mit den allgemeinen verschmolzen, unsere Schmerzen ob der allgemeinen vergaßen. Wem die Ereignisse der ersten Jahre des vierten Decemnum’ö unseres Jahrhunderts noch klar vor der Seele stehen, wer das ganze bewegte, bunte, gruppenvolle Bild derselben noch einmal in dem Spiegel der Nückerinnerung an sich vorüberziehen läßt, dem ist gewiß der Name Juch nicht ganz entfallen. In St. Wendel, der kleinen Hauptstadt der damals sachsen-koburgischen, seit 1834 unter preußische Landeshoheit übergegangenen Grafschaft Lichtenberg, hatte sich ein Heerd der (nachmals noch vor dem Ausbruche erstickten) Revolution gebildet. Der damals in Rheinbaiern gestiftete Preßverein scheint auch hierhin seine Sendboten geschickt zu haben.. In St. Wendel selbst aber predigte mit allem. Eifer der Pfarrer Juch die auf politische Zeitereignisse angewandte christliche Lehre. — Ich gestehe aufrichtig - daß ich die Kirche nicht überall zur Volksversammlung, die Kanzel zur Tribüne, dm Prediger zum politischen Agitator umgewandelt sehen möchte. Gut Ding will Weile haben, sagt ein wohlbekanntes Sprüchwort; Eines schickt sich nicht für Alle, ist eine richtige Bemerkung und, beide Regeln vereinigend, möchte ich behaupten: Nicht für jedes Ding eignet sich jeder Ort zur Besprechung. — 'Mit Gelegenheitspredigten ist es ein Anderes; da ist eine Abschweifung, eine Digresft'on, eine Anwendung auf die vorhandene solenne Veranlassung durchaus in der Ordnung. Doch muß man auch da zur vorsichtigen Wahl der Ausdrücke rächen; nicht Menschenfurcht soll dabei den Maasstab abgeben; weder nach rechts noch nach links soll sich der Diener des Herrn bücken, weder dem Fürsten noch dem Volke soll er schmeicheln; sein Gewissen muß er zum Richter machen; das Gesetz, zumal die Offenbarung, wie er sie, wenn er anders nicht Heuchler sein und Heuchler bilden will, mit'voller Glut der Seele anerkennen muß, soll ihm zur Richtschnur wie für seine Handlungen, so auch für seine Worte dienen. Daß er seine Gedanken zu ordnen, seinen Vortrag regelrecht zu disponiren, seine Ansichten klar, deutlich, prägnant und mit adäquaten Worten auszudrücken verstehen müsse, leuchtet von selbst ein; aber mit bloßer , ganz allgemein gehaltener Moral

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