Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 22 (28.5.1842)
- Date
- 1842-05-28
- Page
- Seite 173 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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173 feiner Werke, seiner Vorsehungso bist du reicher an Wissen- Heller an Urtheil geworden. Weihe Gott dein Herz, mit allen seinen tiefsten Empfindungen, wirst du armer an Gefühl, leerer im Herzen werden? Nein, reicher, seliger, verklärter kehrt dir dein Gefühl zurück, voller ist dein Herz an edlen Empfindungen, an Trost und Zuversicht, an Murh und Kraft für jede Mühe und Prüfung. Oder weihe Gott dein Leben, gieb dich, ihm hin mit ganzer Seele und allen Kräften und du erhältst das Leben geheiligter, du erhältst es zwiefach wieder, das zeitliche Leben, so lang es dir zugemeffen, ist wahres, göttliches Leben worden, und du empfängst zu ihm noch das Leben einer Ewigkeit. Gieb Gott deine irdischen Schatze, weihe deinen Reichthum ihm. Wozu ist er dir verliehen, als um dir freudige Stunden zu schaffen, was ist er anders, als Mittel, welches erst Werth erhalt durch das, wozu du es anwendest, durch die guten Zwecke r die du durch dasselbe zu erreichen vermagst. Aber wodurch kannst du dir freudigere, seligere Stunden verschaffen, als wenn du deinen Besitz an wendest nach dem Willen Gottes, welche herrlichere Zwecke kannst du erreichen, als die, welche dir Gott nennet? Weihe deinen Reichthum der Wohlthätigkeit, der Unterstützung würdiger Unternehmungen, der Ausbildung deines Geistes, der Veredlung deines Herzens, der wahren Bildung und dem wahren Glück der Deinigen — dann bist du reicher und wahrhaft reich geworden, du hast Schätze errungen, die dir für die Ewigkeit bleiben. So möge der Israelit sich selber und all' das Seinige Gott weihen lernen, .erfüllend was geschrieben steht: injTH nnnn, um es aus seinen Händen herrlicher zurückzuempfangen; ja also lasset uns lernen geben, um so zu nehmen. Und so möget auch Ihr, lieben Leser! gern das kleine Opfer, welches für das „ Sabbat - Blatt" gefordert wird, d a r b t c t e n; e s wird, mit Gottes Hilfe, einem Ihm wohlgefälligen Zwecke g e w e i h e t sein; Ihr werdet, was Ihr h i e r g e g e - den, gleichfalls hoffentlich nicht bereuen, nicht verloren haben. Denn auch das Leben gleichet oft jener Wüste, in welcher die Israeliten ihr Heiligthum errichteten, und in der giftige Schlangen, Dürre und tausend Gefahren sie bedrohcten. Auch im Leben drohen uns Gefahren, auch hier müssen wir uns zu schützen suchen gegen Schlangen — der Sünde und Verzweiflung, und die schrecklichste Dürre suchet uns heim, wenn in unserm Herzen die Quellen des Heiles und der Hoffnung versiegen. Und wenn nun das „Sabbat-Blatt," nebst Vielem, was Ihr als Israeliten zu wissen und zu erfahren wünschet, auch namentlich das Euch darbietet, was Ihr bedürfet, um, auf Eurer Wanderung durch das irdische Leben, das ewige und göttliche Heiligchum Eures Herzens zu erbauen — dann werdet ihr gewiß gern gestehen, daß es auch hier in solcher Hinsicht heißen könne: 7IONN 'b M j) daß Ihr auch vielmehr nehmet, denn daß Ihr gegeben habet. Königsberg, im Februar 1842., Dr. Saalschütz." Schweden und Norwegen. Christiania, 6. Mai. Die Iudenfrage ist insofern vorwärts gerückt, daß die theologische Facultat ihr Gutachten abgegeben hat, welches durchaus günstig für die Aufhebung des Grundbesitzverbotes gegen sie ausgefallen ist. Auch die Börsen und Handelskammern in mehren Städten sind um ihre Gutachten gefragt worden; sie haben sich jedoch alle beinahe ohne Ausnahme gegen die Juden erklärt, deren Eindringen in den Handel und Bemächtigung der Nahrungszweige des Landes sie sehr zu fürchten schri'njen. Daß die Juden jetzt Einlaß im Reich erhalten sollten, ist nicht gewiß, denn wenn ihre Zulassung auch aufhören sollte, eine grundgesetzwidrige Handlung zu sein, so ist sie doch außerdem durch Localgesetze verboten, und diese wird man kaum aufheben, so lange man nicht durch andere Gesetze verordnet, wie diefts fremde Element in unsere auf den Christianismus gegründete Staatsordnung ausgenommen werden kann. Ausländische Blatter enthalten übrigens bisweilen ganz fürchterliche Erzählungen darüber, wie fremde Israeliten, die ein unglückliches Geschick herführt, behandelt werden; man kommt der Wahrheit zunächst, wenn man gar nichts von diesen Erzählungen glaubt. Selbst das Verbot ist nicht so streng, daß der König nicht davon dispensircn könnte, wenn von dem Betreffenden dargechan werden kann, daß sein Interesse seine Herkunft sodett; solches ist auch ziemlich allgemein. (L. A. Z.) Großbritannien. Ueber die Reformbewegung unter den englischen Juden theilt der Globe Folgendes mit, welches obgleich ganz ohne Kenntniß des Gegenstandes abgefaßt, wir dennoch nicht für überflüssig halten hier wiederzugeben. „Unter den Juden zu London haben seit Kurzem einige merkwürdige Vorfälle stattgehabt, welche auf die Wiederauflebung theologischer Studien hindeucen, und zu weiteren, noch wichtigeren Veränderungen führen können. Eine ähnliche geistige Aufregung und Entwickelung, wie sich in Deutschland unter den Juden feit längerer Zeit kündgiebt, hat zur Herausgabe von Barham's englisch-hebräischer Bibel geführt, und offenbart sich seitdem noch weit deutlicher. Im West-Ende von London haben die reicheren Juden eine neue Liturgie drucken und veröffentlichen lassen, welche in einer synkretischen Zusammenfassung der bei den polnischen, deutschen und spanischen Juden üblichen Liturgieen besteht. Obgleich diese Veränderung wahrscheinlich dem Hohenpriester (?) Herschel nicht sehr angenehm war, war sie doch ein trefflicher Versuch, durch Ausmerzung der feindlichen Eigenchümlichkeiten der Setten Uebereinstimmung des Gottesdienstes herbeizuführen. Ein noch schlagenderes Eceigniß aber hat sich im nördlichen Theile der Hauptstadt begeben. In Burtonstreet lst nämlich eine Capelle zur Abhaltung des hebräischen Gottesdienstes in englischer Sprache eröffnet worden. Der Hohepriester (?) war damit so unzufrieden, daß rr die Einweihung der Capelle verweigerte, und sogar ein Verbot oder Excommunication erließ. Dieser amtliche Erlaß wurde jedoch von den Bet heiligten sehr gleichgültig ausgenommen und sogar förmlich als nichtig erklärt. Außerdem hat sich auch noch in London ein neuer Streit zwischen den karaitischen Juden (?) welche einzig dem Texte des alten Testaments anhangcn, und zwischen den talmudifchen Juden erhoben, welche die Autorität des mündlichen Gesetzes, ober mit andern Worten, die Auslegungen und Ueberllcfenmgen der jüdischen Vater, Rabbinen und Kabbalisten verfechten. Ein kleines Werk von dem jüdischen Dr. B e n i s ch, welches vor Kurzem über diesen Streit erschienen ist, führt den Titel: „Ist das mündliche Gesetz göttlichen Ursprungs und somit bindend für die Juden?" Diese Verhandlungen sind um so interessanter, da gerade jetzt ein Streit über denselben Gegenstand, nämlich über den Werth und die Gültigkeit der Tradition, die christlichen Kirchen Großbritanniens spaltet."