Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 22 (28.5.1842)
- Date
- 1842-05-28
- Page
- Seite 171 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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171 gehend, die matten, lechzenden Fluren Israels befruchten sollen.' In meinem nächsten Berichte will ich auf diese Punkte zurückkommen. Tübingen d. 4. Mai. In N. 16. d. Orients hat irgend ein auswärtiger eifriger Freund des Judenrhums, vielleicht getäuscht durch das Gerücht, im Betreff der jüdischen Studirenden an hiesiger Universität Notizen mitgetheilt, die in mehr als einer Hinsicht der Berichtigung bedürfen. Zur Annahme, daß die Mittheilung von einem Auswärtigen geschehen, fühlt sich der Referent, dieses durch die falsche Angabe der Zahl der Studirenden und ihres Berufes berechtigt. Tübingen zahlte im verflossenen Semester nur 10 jüdische Studircnde, von denen 3 sich der Theologie, 2 der Medizin, 4 der Jurisprudenz und 1 der Philologie widmete. Dazu kamen nun in diesem Semester noch 2 Studirende der Medizin, und so ist jetzt die vom Einsender der Notizen angegebene Zahl allerdings voll. Diese minder interessante Auseinandersetzung hatte der Res. dieses den verehrt. Lesern des Orients gerne erspart, dürste er nicht hoffen, dadurch im Voraus schon, ohne noch auf andere Details sich einzulassen, den Verdacht zu vernichten, als ob eine so wenig verdiente, wenn auch für uns höchst schmeichelhafte Erwähnung unserer aus einer hiesigen Feder geflossen sei. Was das Weitere betrifft, so ist die Nachricht von einem eigens zum Auflegen jüdischer Schriften bestimmten Locale, das zugleich zu Besprechungen über diesen Gegenstand dienen soll, nicht minder unrichtig und auf Folgendes zu reouciren. In unserer Zeit, in welcher der religiöse und politische Zustand der Juden so gewaltiger Gahcung unterworfen ist, muß sich wohl jeder Jude, selbst wenn er in den tiefsten Jndiffereutismus versunken wäre, aufs Lebhafteste angeregt fühlen, sich auf einen, freien Standpunkt zu erheben, um den Gahrungsprozeß zu verfolgen und unverdrossen im Auge zu behalten. Dieses Interesse für die gemeinschaftliche Sache, für das Judenthum, rief auch hier einen Leseverein hervor, an dem sämmtliche jüd. Studirende theilnehmen; die Zeitschriften jedoch, so wie alle übrigen Blätter cirkuliren von Haus zu Haus, da die Miethung eines besonder» Lokals nicht nur nie lm Plane des Vereins lag, sondern auch zur Vermeidung des Scheins einer Trennung und Abfchließung von christlicher Gesellschaft zu unterlassen gewesen wäre. Eben so beschränken sich die „zwei wöchentlichen Zusammenkünfte zum Behufs der Besprechungen über jüdisches Interesse" auf eine einzige, dft dem geselligen Vergnügen gewidmet, nichts weniger als eine ganz jüdische Eonföderation ist, da oft und häufig auch christliche Studenten an derselben theilnehmen. Daß aber hier die jüdischen Angelegenheiten nicht selten einer freimütigen Besprechung unterworfen werden, verdient wohl keiner öffentlichen Erwähnung. Unser ganzes Verdienst, wenn es je so genannt werden darf ~~ denn eS ist ja die Pflicht eines jeden Juden, für Gegenstände, die ihm als Menschen und als Juden gleich hoch und theuer sein müssen, für seine politische und religiöse Freiheit aufs Innigste zu fühlen — unser ganzes Verdienst besteht darin, daß wir von diesem Gefühle tief durchdrungen sind, so wie von dem Wunsche, würdig und tüchtig genug zu werden, um im heiligen Kampfe des Judenthums einst als wackere Streiter eintreten zu können. Bei dem freien Geständniß dieses Wunsches glauben wir der Bescheidenheit nicht zu nahe getreten zu seyn; verzichten jedoch gern darauf, als Muster und Beispiel für Andre ausgestellt zu werden. Wir sind überzeugt, daß im entscheidenden Momente die Theilnahme an der gerechten Sache, die Jedes Brust erfüllt, nicht verborgen bleiben wirb. — Schließlich glauben wir, an den Einsender des Artikels in No. 16 die Bitte richten zu dürfen , sich über die hiesigen Verhältnisse wenigstens genauer zu unterrichten, ehe er diese dem größer» Publikum veröffentlicht. Einer der jüd. Studirenden. Aus Württemberg Vom Federsee, 13. Mai. Vor einem Jahre wurden dem selig verstorbenen Rab. Bloch in Buchau in den jüdischen Zeitschriften manche Thränen nachgeweint und jeder, der den selig Entschlafenen gekannt, fühlte den Schmerz tief mit, einen so tüchtigen Gelehrten, einen so Hellen Denker, einen so trefflichen Charakter verloren zu haben; besonders aber l betrauerte ihn seine Gemeinde, bei der die Furcht nicht so unbegründet war, sie würden nicht sobald wieder eii neu so gelehrten, jüdisch-theologisch durchgebildeten, helldenkenden Geistlichen bekommen. Aber hww' o. Für seine Familie und Freunde ist wohl der Verlust des Seligen nicht zu ersetzen. Die Gemeinde aber hat wieder in der Person des Michael Güldenstem einen thatkräftigen Seelsorger in der Blüthe seiner Jahre gewonnen, der, mit tüchtigen philosophischen Kenntnissen ausgerüstet, auch in die innersten Kammern unserer jüdischen Gottesgelahrtheit (für Manche leider eine camera obscura) eingedrungen ist. Streng an Glauben und Sitten der Väter haltend, orthodox im Handeln und Denken, conftquent auf der Kanzel wie im Privatleben, ist er doch ein Mann des Fortschritts, wo es gilt Mißbrauche zu beseitigen und Besseres, Neues an die Stelle der veralteten Mißbrauche zu setzen und so erblüht unter der Hand des sorgfältigen Gärtners Synagoge und Schule. Ueberhaupt dürfen wir Würtemberger uns zu der Richtung, die unsere jungen Theologen, wie L ö wengard und Gulden st ein, nehmen, nur gratuliren und von ihrem Gesammtwirken das Schönste hoffen. X, Leipzig, 11. Mai. So eben ist uns von Dr. Hermann Sommerfeld, Prediger und Religionslehrer bei der israelitischen Gemeinde zu Elbing, die Anzeige über ein zum 2. Juli d. I. erscheinendes jüdischreligiöses Wochenblatt zugekommen, welches nach dem Prospettus auf eine allgemeine Empfehlung wohl mir 22 *