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Der Orient · 1842-05-21 · 21 (21.5.1842) · p. Spalte 333-334

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
21 (21.5.1842)
Date
1842-05-21
Page
Spalte 333-334 (sequence 7)
Language
German
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333 Jüdische Metthuniskunde. Die Beschneidung bei den Israeliten. Von Dr. Bergson. 334 folgende Erklärung: rioMrvlr, in rfrij? INN ö Ausführlicheren -Bericht über die Operation können wir aus den medicinischen Schriften des Eelsus, Galen, Dioscorides und Paul Aegineta entnehmen. Bei Eelsus (Nediciua Lib. VH. cap. 25. §. 1, ed. Ritter et Albers 1835) heißt es: Si glans nada est, vu.ltque eam aliquis decoris causa tegere, fieri polest, sed expeditius in puero, quam in Tiro, in eo, cui id naturale est, quam in eo, qui quarundam gentium more circumcisus est, in eo, cui glans parva, juxlaque eam cutis spatiosior, brevis ipse coles est, quam in quo contraria Iris sunt. Curatio autem eorum, quibus id naturale est, iiujiismodi est. Hier folgt nun die Angabe des Verfahrens bei der angeborenen Kürze der Vorhaut, welches in einer doppelten Einschneidung der Haut an der Eichelkrone und auf dem Rücken des Gliedes bestand und auf dem Gesetze beruhte, daß alle Hautdupplicaturen durch Ziehen nachgiebig werden, wie wir dieses auch am Ohrläppchen sehen, die vermöge ihrer Elasticitat sich erweitern lassen. Im Verfolg der Beschreibung gibt Eelsus das Verfahren bei Beschnittenen an und in dieser Beziehung heißt es daselbst: At in eo, qui circumcisus est, sub circulo glandis (Eichelkrone) scalpello diducenda est cutis ab interiore cole. Non ita dolet, quia, summo soluto, deduci deorsum usque ad pubem manu potest. Resoluta autem cutis rursus exlenditur ultra glandem, tum multa frigida aqua fovelur, emplastrumque circuincidalur, quod vielen las inflammationes reprimat. Ubi jam sine inilammatione est, deligari (lebet a pube usque circulum, super glandem autem adverso emplaslro imposito induci. Sic enim iit, ut inferior pars glutinetur, superior ita sanescat, ut (Bartlioiinus in s. Morbis biblicis pag. 88 ff. liest hier ne statt ut) inliaereat. Das Verfahren, welches Eelsus hiermit angibt, ist also kurz folgendes. Man trennt schnittweise und immer wieder anziehend die innere Platte der Vorhaut ringsum von der Eichelkrone, an der sie sitzt, zieht sie nach vorne über die Eichel hinweg, dampft durch kalte Umschläge die hierauf entstehende Entzündung, sucht durch Einwickelung des Gliedes von seiner Wurzel bis zur Eichelkrone die Retraction der verlängerten neu gebildeten Vorhaut zu verhüten und indem man ein Pflaster auf die innere Fläche der Wunde legt, begünstigt man die Verwachsung und Verheilung. Eine andere Deutung dieser Stelle haben Schreyer (Grundriß der chirurgischen Operation, Artikel Paraphimosis Nr. 2) und Kirnberger (Abhandlung über Phimosis und Paraphimosis, Mainz 1831. S. 7) anzugeben versucht, — indem ersterer sub circulo glandis in dem Sinne von: unterhalb der Eichelkrone sei die Vorhaut einzuschneiden, faßte, letzterer die schnittweise und unter beständigem Zurückziehen der Haut (summo soluto, deduci etc.) geschehende Trennung übersah. Auch hat derselbe ein falsches Citat aus dem Galen (S. 8.) wo es Lib. introduclionis seu medic. statt cap. XVIIL heißen muß: cap. XIX. ' Was nun die Beschreibung der Operation des Epispasmus bei Galen betrifft, so findet sie sich (0. Galeni Operae, Basilea 1549) im 14. Buche seiner Melliodus medendi sive de curandis morbis Cap. 16. Wir geben sie hier nach Kirnberger's Beschreibung, die vollkommen genügen wird (S. 9.). „Zunächst handelt Galen (Oap. 16.) etwas weitläufig von dem künstlichen Ersätze des ursprünglich zu kurzen Präputiums, .welches Unternehmen blos durch seine Sonderbarkeit in. der Geschichte der Cliirurgia anaplastica merkwürdig ist, und daher angeführt zu werden verdient. — Galen giebt hierzu zwei verschiedene Verfahrungsarten. an. Die erstere, welche seine eigene zu sein scheint, und die er öfters bei nicht ganz kurzer Vorhaut ausgeübt zu haben angiebt,. bestand in Folgendem. Nachdem der natürliche Vorhautstumpf nach vorwärts gezogen, und unter demselben, zu dessen gleichmäßiger Ausdehnung und Stütze, ein aus passendem Stoffe gefertigter Eylinder eingeschoben worden war, wurde äußerlich um den auf diese Weise ausgedehnten Vorhauttheil eine den letztem überragende Lamelle von Papyrus umgelegt und mit Gummi aufgeklebt. Sobald diese Verbindung fest geworden, wurde die eingeschobene Stütze entfernt, und nun auch das vordere Ende der Papyrushülle befestiget, d. h. auf die Eichel angeklebt. — Der Zweck dieser Vorrichtung war kein anderer (wie Galen selbst andeutet) als den Vorhautstumpf in beständiger Anspannung und Ausdehnung nach vorn und somit einen großem Theil der Eichel bedeckt zu erhalten. Um die zweite von Galen nur bei sehr verkürzter Vorhaut für zweckmäßig gehaltene Ersatzweise zu bewerkstelligen, machte man von der Thapsia Gebrauch, wobei man sich gewöhnlich einer bleiernen Röhre bediente, auf welche das darüber gespannte Präputium mit einem weichen Bande befestiget wurde. Die Thapsta selbst scheint eine Pflanze zu sein, die ein ätherisches Oel und einen scharfen, beißenden Saft enthielt, wie etwa unsre Euphorbiaceae und Cruciferae und ward nach Galens eigener Angabe (Tom. 5. 453, a und Tom. 8. pag. 344) als eine beitzende, die Haut corrodirende, scharfe Flüssigkeit wie unser spanisches Fliegenpflaster angewendet. Im Thesaurus von Faber und Geßner wird die Thapsia als unser heutiges Wollkraut bezeichnet. — Man trug nun, wie dies auch Dioscorides (de medicinali materia Lib. 4. Oap. 49.) bezeugt, den scharfen Saft der ausgepreßten Thapsia auf die Eichel, setzte dadurch ihre Hautbedeckung in einen gereizten und entzündlichen Zustand und erhielt in Folge der Ausschwitzung von coagulabler Lymphe, ein neues lockeres Fleischgewebe um die Eichel herum, als Surrogat der verkürzten Vorhaut.

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