Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 21 (21.5.1842)
- Date
- 1842-05-21
- Page
- Spalte 331-332 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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381 Jüdische Merthumskunde. Die Beschneidung bei den Israeliten. Bon Dr> Bergson. 332 tungen und erläuternden Anmerkungen versehen. Erster Theil. Leipzig 1786. S. 277. 15.). — Wir kehren nun, indem wie den Faden unsrer Untersuchung wieder aufnehmen, zu Juvenal zurück, von dessen uns Hinterbliebenen 16 Satiren wir ganz beson- . ders eine Stelle aus der 14. hervorzuheben haben. Denn obgleich bereits in der 6. V. 547 die Juden als willfährige Traumdeuter in den Worten: Qualiacunque yoles Judaei somnia yendunt geschildert werden, so geschieht doch der Beschneidung erst in jener Satire Erwähnung. Dieselbe hat nämlich zum Gegenstand, den mächtigen Einstuß des älterlichen Beispiels auf die sittliche Bildung ihrer Kinder nachzuweisen und bic Wahrheit des alten Sprichwortes: daß die Frucht nicht allzuweit vom Baume falle, an verschiedenen Beispielen darzuthun. Um nun auch zu zeigen, daß selbst der Aberglaube sich von Eltern auf Kinder foctpstanze, wählt Juvenal als Beispiel die Israeliten, um, wie Ruperti richtig bemerkt, zu beweisen, sicut procligus prodigum, sic siipcrstiliosus gignit superstitiosiim. Seine Worte sind folgende (Junii Juyenalis Satira XIV. SS. 96-104): Quidam sortiti meluenlem sabbata patrem, ■ Ml praeter mibes et coeli minien a'dorant, Kec distare putant Immana carne suillam, Qua pater abstinnit; mox et praepulia pomint. Romanas autem soliti contemnere leges; Judaicum ediscuiit et seryanl ac meluunt jus, Tradidit arcano quodcimque volumine Moses: Non monstrare yias, eadem nisi sacra coienti, Quaesitunv ad fontem solos deducere yerpos. Die Übersetzung dieser Stelle würde etwa folgende sein: „Manche haben einen die Sabbatfeier streng beobachtenden Vater, beten nur den Himmel und den Schöpfer desselben an, und halten das Schweinefleisch, dessen sich ihr Vater enthielt, dem Menschenfleisch gleich; bald aber legen sie auch ihre Vorhaut ab. Sie pflegen römische Gesetze zu verachten, das jüdische Recht, welches in einem geheimnißvollen Werke ihnen Moses hinterlassen, zu erlernen, und zu beobachten, nur den Religionsgenossen die Wege zurecht zu weisen und nur die Beschnittenen zum ersehnten Quell zu leiten." — Wir haben zu dieser Stelle, deren Übersetzung wir keineswegs wortgetreu geben wollten, blos zu bemerken, daß, wenn wir den Ausdruck: praeputia pouere auch poetisch statt circumcidere auffassen, er doch ziemlich ungenau und dem Sachvechältniß unentsprechend bleibt. Denn eigentlich heißt es wörtlich : die Vorhäute ablegen; da dieses aber kein freiwilliger Act des Jndividums ist, wie wir wissen, sondern' mit dem achttägigen Knaben im bewußtlosen Zustande vorgenommen zu werden pflegt, so könnte man vielleicht der Meinung sein, als habe Juvenal hierbei an die arabische, später mohamedanische Sitte, die Knaben im dreizehnten Lebensjahre zu beschneiden, gedacht. Eben so schwierig ist die Erklärung des letzten Verses: Quaesilitm ad fontem solos deducere yerpos. Entweder saßt man dieses wörtlich auf und bringt es mit dem bekannten Ausspruch des Tacitus über-die Israeliten: Adyersus omnes alios liostile odium zusammen, so daß man darunter die Lieblosigkeit zu verstehen hat, fremde in den wüsten Reichen von Palästina und Arabien verirrte Wandrer zu den Oasen und Quellen nicht zu führen, oder, was uns wahrscheinlicher dünkt, hat man diesen Satz mehr metaphorisch aufzufassen, und von der Unterweisung in den religiösen Lehren, von der Einweihung in die heiligen Schriften und der davon abhängenden Seligkeit zu verstehen. Man könnte dann unter dem hier gebrauchten Ausdruck Ions den Quell des Heils annehmen. Dieser Ansicht treten auch die meisten der neuern Commentatoren des Juvenal, wie Ruperti, Achaimce bei und finden darin eine religiöse Anspielung aus die damals verbreiteten Ideen von Seelenheil, Schooß Abrahams rc. Halten wir dieses fest, so finden wir auch im Juvenal, zwar indirekt, aber doch treffend bezeichnet den religiösen Ursprung der Beschneidung und den Zusammenhang ihres Zweckes mit einer gewissen Jsolirung und Selbstständigkeit des israelitischen Volkes, wie wir dieses oben auch bei Tacitus nachzuweisen Gelegenheit fanden. -— Zur Vervollständigung des historischen Standpunktes blieben uns noch einige Stellen aus den Makkabäern, dem neuen Testament und den Kirchenvätern zur Erörterung übrig. Die Makkabäer. (Der Epispasmus.) Celsus, Galen. Im 1 Buch der Makkabäer Cap. 1, Vers 15, 16 heißt es von den bösen Leuten der damaligen Zeit in Israel: „da richteten sie zu Jerusalem heidnische Spielhauser an und hielten die Beschneidung nicht mehr." Aus dieser Stelle wird die historische Begründung des Epispasmus, der Sitte, die zwar beschnittene, doch nicht ganz abgetragene, Vorhaut auf irgend eine Weise zu ihrer normalen Ausdehnung wieder zu verlängern, mit Recht hergeleitet. Denn da hier von Erwachsenen, die bereits beschnitten waren, die Rede ist, so kann unter Nichthalten der Beschneidung nichts anders als die genannte Operation verstanden sein» Für diese Annahme spricht auch der griechische Text, welcher so tautet: snoir}- oav suvzoig aKQoßvazidg^ „sie machten sich selber Vorhäute", welches die Lutherssche Bibelübersetzung im Deutschen durch: „sie hielten die Beschneidung nicht mehr", nicht vollständig wiedergegeben hat. Es laßt sich zwar vermuthen, daß die damals geborenen Knaben der genannten Leute unbeschnitten blieben, indeß wird die specielle Angabe hiervon vermißt. Was die Beschreibung des Epispasmus betrifft, so finden wir bei den Talmudisten (Talmud Hierosolymit. Tract. Jelmmot c. 8)