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Der Orient · 1842-05-21 · 21 (21.5.1842) · p. Spalte 329-330

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
21 (21.5.1842)
Date
1842-05-21
Page
Spalte 329-330 (sequence 5)
Language
German
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329 Jüdische Alterthumskunde. Die Beschneidung bei den Israeliten. Von Dr. Bergson. 339 Jüdische Atterthumskunde. Die Beschneidung bei den Israeliten. Vom historischen, kritischen und medicinischen Standpunkt. (Fortsetzung.) Sonach hätten wir bisher unter allen Profanschriststellern erst zwei Erklärungsweisen des Beschneidungszweckes aufgefunden; die eine, minder ansprechende im Strabo, der, wie wir oben nachgewiesen, die Ableitung der Beschneidung (jtsQLtofjiccl) aus Damonenverwahrung (dstöcdaifiovioc) annimmt und somit ihr einen magischen und mysteriösen Ursprung vindiciren will; und die andere mehr plausible beim Tacitus, welcher, wie er überhaupt scharf unterschied und richtig erkannte, so auch bei der Beschneidung eine Erklärungsart angegeben hat, die noch heute ihre gegründete Vertheidigung finden kann, nämlich die Beschneidung hätte keinen anderen Zweck, als den der Unterscheidung von andern Völkern. Dieselbe Tendenz drückt Tacitus bei Erwähnung des Moses so aus: (Cap. 4) Moses, quo sibi in posterum gentem firmaret, novos ritus contrariosque ceteris mortaiibus indidit. Profana illic omnia, quae apudnos sacra, rursu.111 concessa apud illos, quae nobis incesla. Obgleich der Gegensatz hier mehr des witzigen Wortspiels, als der thatsächlichen Wahrheit wegen so weit geschoben ist, daß behauptet wird, den Israeliten wäre das zu thun erlaubt, was bei andern Völkern verboten sei, so sehen wir doch, daß Tacitus den Hauptgrund der Mosaischen Institutionen ziemlich richtig erkannte und daß er als eine solche auch die Beschneidung auf gleiche Weise zu erklären suchte. — Juvenal. Als dritten Gewährsmann über die Beschneidung der Israeliten führen wir unter den römischen Klassikern dm Satiriker Junius Juvenalis auf. Sowohl über die Zeit seines Wirkens, als auch über die nähern Lebens- Verhältnisse des Juvenal sind die Meinungen sehr getheilt. — Nach Suidas Angabe soll er zur Zeit der Regierung des Kaisers Domitianus, also zu Anfänge des zweiten Jahrhunderts nach Ehr. Geb., nach Andern erst zu Trajans Zeiten gelebt haben, und in der Verbannung in Egypten gestorben sein. Er war einer der freimüthigsten und rücksichtslosesten Schriftsteller seiner Zeit und zog Alles das, was er irgendwo lächerlich oder anstößig fand, in das Gebiet seiner etwas zu scharf geißelnden Satire. Daß er deßwegen auch die Sitten derdamals in Rom schon in großer Anzahl ansässigen Israeliten, überhaupt aus dem allgemeinen Standpunkte der Satire, und nicht, wie einer seiner Commentatoren, N. L. Achaintre in der Pariser Ausgabe vom Jahre 1810 behauptet, aus einem ihm besonders inwohnendm Hasse gegen dieselben, verspottete, geht aus den bald anzuführenden Worten deutlich hervor, in denen gerade keine persönliche Verfolgung oder Verachtung gefunden werden dürfte. Wir ergreifen hier die Gelegenheit, um im Allgemeinen über den, von den neuern Philologen und Theologen, bei der Erklärung der über die Israeliten in den klassischen Schriften vorkommenden Stellen, den Alten gemachten Vorwurf einer parteiischen, gottlosen und irreligiösen Beuctheilung, sie einmal für allemal zu rechtfertigen. Wir müssen die Klassiker von jeder gehässigen Nebenabsicht gegen die Israeliten bei ihren zuweilen falschen und aus reiner Unkenntniß schielend ausfallenden Aussprüchen freisprechen und uns hüten, die im modernen religiösen Streite auftauchenden feindlichen Gesinnungen auch in den reinen, kräftigen Natursinn der Alten mit hinüberzutragen. Weder Horaz, noch Tacitus, weder Martial noch Juvenal konnten von religiösen Vorurtheilen, oder nationalen Antipathieen gegen die Israeliten bei ihren desfallsigen Beurtheilungen geleitet werden, sondern sie bieten uns darin blos das Organ der zu ihrer Zeit unter dem römischen Volke überhaupt herrschenden Ansichten dar. Wie weit aber der Eifer einiger christlicher Theologen und Philologen in der Rechtfertigung der Israeliten gegen die sogenannten Beschuldigungen der alten Römer und Griechen ging, davon liefert uns das Werk, das wir oben citirten, einen Beweis, welches den Titel führt: Chris tiani Wormii, Willi, fil. de corruptis Antiquitalum Hebraearuni apud Tacitum et Marlialcm vesligiis. Hafniae 1693. Daselbst heißt es z. B. in der Einleitung: Quoties de Judaeorum instilutis loquunlur Ellmici, ila quidem loquuntur, ac si illis nec oculorum, nec sensuum usus conslaret integer. Adeo perverse rem tractant, ut ne minimiim sinceritatis documentum apudeos appareat. So lobenswerth dieser Eifer sonst sein mag, um die Ansichten der Alten über die Israeliten zu prüfen und zu widerlegen, so tadelnswerth ist es, ihnen deswegen Mangel an Aufrichtigkeit oder gar an gesunden Menschenverstand zur Last zu legen. Derselben Ansicht ist übrigens auch Wieland gewesen, indem er zu den oben aus der 9. Satire des 1. Buches von Horatius entnommenen Stelle Folgendes sagt: Die Anmerkung, welche Doctor Baxten bei dieser Stelle macht, ist um so merkwürdiger, weil man denken sollte, er habe sie einem Kapuziner gestohlen. Quis miretur (sagt er) ejusmodi coiwicia Iiomini Epicureo alque Pagano excidisse? Jure igitur Henrico Giareano diaboli organon videtur. Friede sei, so fährt Wieland S. 277 fort, mit den armen Seelen Henrici Giareani und Richardi Baxteni, qm dieses Eifers willen, womit sie die curlos Judaeos rnt dem Epikurer und Heiden Horaz gerochen haben! — So weit Wieland (in s. Werke: Horazens Satiren aus dem Lateinischen übersetzt und mit Einlei-

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