Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 21 (21.5.1842)
- Date
- 1842-05-21
- Page
- Seite 165 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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165 Sie wohl dem weisen Rathe Jbres — Tnach-Genius. — Die Worte „daß man ducch Nichtsrhun der Gottheit ähnlich werden kann", haben Sie gar schlecht aufgefaßt oder absichtlich verdreht diese hatten ja aufdie Sabbat- Ruhe Bezug; und haben nicht in jüngster Zeit christliche Prediger wegen der Sonntag-Verletzung ähnlich sich ausgesprochen? Dieser Satz liefert uns doch nur einen kleinen Beleg dafür, daß unser Rabbiner noch von etwas Anderem zu sprechen weis; Sie aber geehrter Herr Ref. vermissen wahrscheinlich noch einige Moral-Predigten und zwar darüber, wie es gegen alle Moralität gehan-! delt heißt, wenn man einen ehrwürdigen Greis, from-! men Israeliten, und talmudisch gelehrten Mann ohne! allen Grund öffentlich verlaumdet und anklagt —■ oder was es heißt jn ütt/ Wim und D'DDn TOD sein. —- Von Kreuzemachen beim Rechnen u. dergl. habe ich und hoffentlich jeder aufmerksame Zuhörer nichts gehört, das wäre also — --. Doch genug für heute und in dieser Sache für immer. Herr F...s*) mag erwiedern, was er will; ich werde nie mehr gegen ihn auftreten, denn dafür stehen mir die Worte Lessings zur Seite: Der Löwe schämt sich wahrlich, wenn er mit dem Fuchse jagt, des Fuchses nicht der List. . . . n. *) So die Unterschrift jenes Referenten. Volksthümliche Aussätze »»> Aenrtheilungcn. Der jüdische Tempel in Hamburg*). (Aus der „Jewish Intelligence" Februar 1842.) In dem Namen „Tempel", wie es auf das Haus angewandt wird, worin die reformirten oder (sogenannten) aufgeklärten Juden Hamburgs ihre gottesdienstlichen Versammlungen halten, liegt etwas wahrhaft Niederschlagendes. Er erinnert uns immer an die Herrlichkeit, welche das von Salomon erbaute Gotteshaus erfüllte, „als die Priester nicht stehen konnten, um den Dienst zu verrichten, wegen der Wolke." Wie können die von einem Tempel sprechen, die Nichts von der Gegenwart Gottes auf Erden verstehen, und die große Lehre von der Versöhnung läugnen, durch die allein wir uns Gott nähern können, um ihm unfern Dienst angenehm zu machen? Mögen die Juden immerhin eine Synagoge, einen Versammlungsort für religiöse Zwecke bauen; aber auch der frömmste Jude darf es nicht wagen, sich einfallen zu lasten, daß das Haus, worin er betet, (Bibelabschnitte) liest, und Gottes Lehre hört, den Namen der heiligen Stätte verdient, wo Gott zwischen den Cherubim thronte. Um wie viel weniger haben erst diejenigen, die in ihrem Reformations- und Verbesserungseifer einen ganz unverhältnißmäßig großen Theil von dem beseitigt haben, was bei ihren orthodoxern aber auch bigottern Brüdern als Denkmal des Glaubens und der' Hoffnung vergangener Zeiten sich erhielt, das Recht, ihre religiösen Versammlungen mit den ehemaligen *) Dev Zweck dieser Mittheilung ist, dem Leser ein Bild zu geben, wie die moderne, bekehrungssüchtige Intoleranz über unsere Institute ein Urtheil zu fällen sich anmaßr. Es versteht sich von selbst, daß kein Jude, er gehöre zu welcher Partei er wolle, diesem Urtheite beistimmen kann. Red. Feierlichkeiten der Davidstadt zu vergleichen, wo die Stämme des Herrn hinaufzogen zum Zeugnifi für Israel. Vielleicht wünschten aber diejenigen, die bemüht waren, viele von den Hindernissen, die den Talmudglaubigen im Wege liegen, wegzuräumen, das Andenken an die alten Zeiten so viel wie möglich zu erhalten. So haben sie denn, indem sich das Gefühl der Verehrung für das Alterthum bei ihnen zu der Verachtung der besondern und auszeichnenden Vorrechte gesellte, welche ihre Vorfahren ehemals durch die Priesterschaft und den Tempeldienst genossen, ihrem Versammlungsorte einen Namen beigclegt, aus den sie ihre Ansprüche sehr schwer behaupten können. Der neue Hamburger Tempel besteht jetzt 22 Jahre. Gelehrte und beredte Männer sind mit der Leitung des darin üblichen Gottesdienstes befaßt gewesen. Durch ihre rein deutschen Predigten und dadurch, daß sie es unterließen, aus die meisten Eigenthümtichkeiten des Iudenthums und auf viele jenen erhabensten Wahrheiten der Offenbarung hinzuweisen, denen der Mensch von Natur abgeneigt ist, ist es ihnen gelungen, sich in hohem Grade beliebt zu machen. Die Zahl der Mitglieder dieser Gemeinde ist so zahlreich geworden, daß sie es für nöthig fanden, ein neues Gebäude, das 800 Sitze enthalten soll, aufzuführen. Das von ihnen eingesührte Gebetbuch ist durchaus Stück- und Ftickwerk. Manche der altherkömmlichen liturgischen Gebetsformeln, die den Juden Jahrhunderte lang so theuer waren, sind ganz herausgelassen, andere ohne scheinbaren Grund für die Bevorzugung beibehalten worden. Manche Gebete werden in einer deutschen Übersetzung abgehalten, und, als wolle man den Wirrwarr zum Aeußersten treiben, werden Strophen deutscher Hymnen an verschiedenen Punkten des Gottesdienstes eingeschoben. Scheint