Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 20 (14.5.1842)
- Date
- 1842-05-14
- Page
- Spalte 317-318 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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317 318 Uebersetzungsproben. Zwei Ghaseln aus rnirp ns rfriniJ. euer Ohr, er ruft euch hervoor! — Die Oase und die Wüste, das Meer und seine Küste, Buchten und Schluchten, Haide- Land und Weideland, Lowenhöl' und Tigerlager — beschwör' ich bei dem Schwerte, dürstend nach Blut, bei dem Arme, gerüstet mit Muth, bei des Sturmes Wuth, bei des Feuers Gluth, bei des Meeres Fluth — die Schlangen zu wecken in ihren Verstecken, die Ottern aufzuregen aus ihren Gehegen, aus Schlüften und Klüften die Drachen zu jagen, daß was kriecht und was fliegt, Natterbrut und Otterngezücht, hieher aus allen Enden sich wende, aus allen Winden zusammensinde! Keins soll entkommen und Keins entrinnen, und nirgends Schutz und Zuflucht gewinnen, bis sie sind gehetzt in mein Netz, gebannt in meine Bande, und festgehalten von meinen Zaubergewalten. Wohlan heran, sammelt euch, tummelt euch,. hastet euch, rüstet euch! Herbei von Weiten, von allen Seiten: Schlange von deinem Sitze, Viper aus deiner Ritze, Molch aus dem Leiche, Natter aus dem Gesträuche, Skorpion aus dem Gerölle, Drache aus der Hölle! Auf den Ruf des Führers und Regierers, auf den Wink des Beschwörers und Zerstörers, auf den Spruch des Zwängers und Drängers: seid gewärtig und macht euch fertig, mit Eilen ohn' Verweilen, mit Hast ohne Rast, schnelle zur Stelle, eh' ich euch plage mit bösen Gewalten, im.Namen deß, der allein kann schalten und walten!" — Drauf stimmt' er seinen Vers an: „Euch SLaubgeschöpfe, Schlangen und Skorpionen, Euch Alle, die in dürrer Oede wohnen, Beschwör' ich bei dem Herrscher aller Zonen, Daß ihr erscheint alsbald! Sonst ohne Schonen Heimsuch' ich euch durch flammende Dämonen!" Drauf-schwieg er ein Weilchen und bückt sich zur Erde mit .lauschender Geberde, bis man ein Rauschen hörte, das die Schläfer weckte und die Herzen schreckte, Felsen bewegte und Todte aufregte. Und Winde stürmten, Staubwolken sich thürmten, daß die Sonne ward verfinstert und der Blick verdüstert. Und - wie wir drauf mit Zagen die Augen aufschlagen, sehn wir herbeijagen Ungethüme aller Art mit gräulichen Gliedern, fliegende Drachen, zweiköpfige Hydern, vieläugige, . ohnfüßige Ottern und Nattern heran schlottern und flattern, daß Alles zitterte, was sie witterte, und Jedem graute, der sie schaute. Und da wir sahen die wüthigen Haufen auf uns zulaufen, als wollten sie uns mit ihrem Gifthauche. ersticken und tobten, mit ihren Blicken, dachten wir durch die Flucht zu entkommen, aber die Angst Hatte uns alle Regung benommen. Da redete der Mann uns lächelnd an: „Niemand eile fort, bleibe jeder an seinem Ort, steht und seht, was vor sich geht! Es ist ein Wunder höherer Art, .das nur den Weisesten ist offenbart." Nun öffnete er schnell die Grotte, und hinein stob die ganze Rotte, jetzt schloß er die Pforte, murmelte leise Beschwörungsworte, dann that er auf auf's Neue, ließ sie einzeln ins Freie, und auszog die ganze Reihe, Eine nach der Andern sah man sie wandern. Eine nur blieb stehn an der Schwelle und konnte nicht von der Stellesie wollte gerne mit, doch gehemmt war ihr Schritt, hurtig kam sie herangeschoffen, und saß fest wie angeschloffen: so merkten wir denn zuletzt, die zurückgeblieben bis jetzt, war's, die Jenem den Biß versetzt. Nun rief der Meister: „daß man den Verwundeten bringe, und schauen werdet ihr Wunderdinge!" Er befahl, ihn auf die Erde zu legen, die Wunde der Grottenöffnung entgegen, und rief der Schlange zu mit Grimme; die Listige merkte auf die Stimme, steckte den kohlschwarzen Kopf heraus, und saugte Gift und Geifer aus. Und zur Stunde gesundete der Verwundete, und die das Gift ausgesaugt, hatte den Athem ausgehaucht. Der Erzähler spricht: Nachdem wir uns von feiner Kunde Stärke überzeugt, durch die Wunderwerke die er gezeigt, priesen wir den Alleinen, der Weisheit spendet den Seinen. Und Jeder nach seiner Habe reichte dem Meister eine Gabe; drauf frugen wir, wo seines Bleibens sei, und was sein Thun und Treiben sei. Und er sagte: Im Wortkampf besiegt mich kein Frecher *), Im Krieg' bin ich Schwächern ein Rächer, Bin Heber, beim Becher ein Zecher, Bei Schlangen ein Zauberspruchsprecher. Der Erzähler spricht: Als ich hörte sein Gedicht, erkannt' ich auch sein Gesicht, und sagte rühmend allen Leuten, wessen Begleitung wir uns erfreuten, und so blieben wir beisammen, bis wir an den Scheideweg kamen und Abschied nahmen Einer vom Andern, um nach der Heimath zu wandern. Zedner. Zwei Ghaseln aus min' nn n^inn. 1. Sehnsucht nach Jerusalem. S. 53. (n). O Königsstadt, gepriesen oft von Klängen, dichterischen, Im Osten du, im Westen ich — mein Sehnen weilt dazwischen. Denk' ich der Zier, die dir geraubt, der Stätte, die zerstöret, Nichts kann aus meinem Herzen dann das Schmerzgefühl verwischen. Und doch auf Adlersflügeln möcht' ich hin zu Dir mich schwingen, - Bis daß ich meine Thränen .könnt' mit deiner Erde mischen; . Ergehen möcht' ich mich in dir, ob auch dein König ferne, Ob auch in einst würzreicher Flur jetzt gift'ge Schlangen zischen; Mir wären deine Steine lieb, ich wollt' sie brünstig küssen, Mich würde deines Staubes Duft wie Labetrunk erfrischen. *) Es ist wohl kaum nothig zu bemerken, das hier um des Klanges willen die Treue hat geopfert werden müssen, da das Wortspiel mit dem Eigennamen ohnehin, nicht wiederzugeben war.