Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 20 (14.5.1842)
- Date
- 1842-05-14
- Page
- Spalte 315-316 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Uebersetzungsproben. Des Lachkemoni 37. Pforte. 316 zu verschaffen, andererseits die Geringschätzung des Todes erklären". — Betrachten wir diese Stelle im Zusammenhänge mit der unmittelbar vorhergehenden, in welcher die Strenge der Speisegesetze (separati epulis) und He mit fremden Völkern verbotene Eheverbindung (discreti cubilibus) so wie mit der hier angeführten, in der das Aufgeben des Götzendienstes (conlemnere deos) das Sichlossagen von allen früheren Familienbanden (parentes, fratres, filios yilia habere) beim Eintritt in das Judenthum angeführt werden, so sehen wir, daß die Beschneidung, die mitten in dieser Darstellung ihren Platz findet, auch von Tacitus als eine der characterisiisch die Nation auszeichnenden Sitten angenommen wird. Ob der hierbei stehende Satz: Augendae tarnen multitudinl consulilur, mit als ein Erklärungsgrund für die Beschneidung betrachtet wird, wie dieses von mehrern Bibelexegeten und Aerzten des vorigen Jahrhunderts versucht wurde, die in dem Gebote der Beschneidung nichts weiter als eine polizeilich-medizinische Maßregel zur Vermehrung und Fruchtbarkeit der Israeliten erblicken wollten, oder ob darin die oben erwähnte Tendenz der Proselytenmacherei angedeutet wird und hier, wie Achainrre (in seiner Ausgabe des Juvenal S. 503) bemerkt, die Israeliten mit den ersten Christen von Tacitus verwechselt wurden, können wir hiernicht entscheiden. Lipsius in seinen Bemerkungen zu dieser Stelle des Taurus findet den Erklarungsgrund in dem folgenden Satze: Kam et ne care quempam ex agnatis, liefas. Hierzu lauten seine Worte: Qui oliose legerst, nihil offendet: forlassis, qui intente. Si enim de caede capis tantum, quid in eo noyi? sane et Romanis et barbaris plerisque necare consangaincos, nefas. Sed alium ego hie sensum odoror et scribo necare quemquam ex gnatis. Sciimts Graecis Latinisque in promiscuo usu fuisse objectiones infantum et* exp o-- siliones* immo neces. Id aiiter in Judaeorum moribus, et gentem in primis suboli sluduisse, adeo ut nulliusmodi partum necare fas, notat ut novum nosler. ilaque quia de liberis, jure addit, hinc gencrandi amor, quoniam malres scilicet certae prolem tollendam etc. Lipsius glaubt also, daß das necare quemquam ex agnatis nefas, in Bezug auf das Aussetzen der Neugebornen, auf Kindermord, wie dieses bei Römern und Griechen, häufig im Gebrauch war, gemeint sey, indem diese Gewohnheit bei den Israeliten niemals geherrscht hätte. Vielleicht könnte man die Vermuthung rechtfertigen, daß sich das necare hier auf die bei den Israeliten und spater bei den Arabern, überhaupt aber im Oriente üblichen Schutzörter der von Rache Verfolgten beziehe. Tacitus selbst giebt uns übrigens einen hinlänglichen Ecklärungsgrund über die bei der Beschneidung verschwelende Absicht in den Worten: ut diyersitate noscanlur. Diese Unterscheidung von andern Völkerschaften stimmt hier vollkommen mit der in der Bibel hin und wieder angedeuteten Bestimmung, das israelitische Volk, wie durch viele andere Institutionen, so auch durch den Beschneidungsact, der als ein Symbol der besondern priesterlichen Heiligkeit ausgefaßt wurde, zu einem von Gott auserkohrenem Stamme zu erheben, überein und keineswegs haben wir hier, wenn Tacitus von einer drversitas spricht und den Nationalunterschied der Israeliten von andern Völkern besonders hervorhebt, an jene vom Professor Dr. v. Au- (enrieth in der neuern Zeit vertriebenen Ansicht zu denken, der zufolge die Beschneidung auf einen ethnographischen Ursprung zu reduciren ist, worauf wir übrigens noch in dem kritischen Theile unserer Abhandlung zurückkommen werden. (Fortsetzung folgt.) Uebersetzurigsproben. Des Tachkemoni 3?» Pforte» Der Beschwörer. Ich zog von Zor nach Chazor mit werthen, bewährten Gefährten, und aus öder Wüste gelangten wir auf eine herrliche Oase, mit goldgrün glänzendem Grase, blinkenden Blumen und Blättern, erquickt von Lüsten lau, geschmückt mit Perlenthau, und herab sich senkten dichte Schatten auf die reichlich getränkten lichten Matten. Und wie wir, einherziehend die Straßen, den Platz ermaßen, freuten wir uns über die Maßen; Alle von den Thieren abfaßen, ließen sie grasen, und lagerten sich auf den Rasen, um die müden Glieder zu stärken wieder. Kaum von des Schlafes Schleier umfangen und in des Schlummers Schlinge gefangen, wurden wir'von langen, bangen Klagetönen erweckt und aufgeschreckt. Wir sprangen auf und sieh — es war einer aus unserer Compagnie, der so jämmerlich schrie, daß ein Fels hätte gezittert, und Aller Herzen wurden erschüttert. Auf unser Befragen that er zu wissen, er sei von einer Schlange gebissen, und kein Kundiger da, der mit weisem Munde bespreche die Wunde. Geholfen hätten wir gern, aber guter Rath war fern : hier mitten auf.dem Wege gab's weder Pflaster noch Umschläge, Salben und Verband sind nicht allenthalben zur Hand. Wie wir so voll Erbarmen umstanden den Armen, mit fühlendem Herzen mitfühlend seine Schmerzen, da plötzlich redet uns an ein unbekannter Mann : „Was schaut ihr einander an? Mt Aengsten ist nichts gethan! Bezahlt ihr's, so will ich ihn heilen ohm Verweilen, daß er sei völlig aufrecht bevor ihr aufbrecht.^ Wir sagten: „Wenn du's machst wie du sprachst, und leistest was du verheißest, dann sollst du mit dem Lohne zufrieden sein, der dir wird brschieden sein." Schnell macht er von Steinen einen Kreis, thut darauf Stäbe und dürres Reis, süllt's mit Erde auf, bildet eine Grotte draus, dazu eine Art von Pforte; drauf räuchernd an diesem Orte, spricht er die Beschwörungsworte: .„Ihr, der Berge Geister, hört euren Meister! neigt ihm