Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1842-05-14 · 20 (14.5.1842) · p. Spalte 313-314

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
20 (14.5.1842)
Date
1842-05-14
Page
Spalte 313-314 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/8555529-9894039-9894071--2134-3529333
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

313 Jüdische Alterthumskunde. Die Beschneidung bei den Israeliten. Bon Dr. Bergson. 314 stecken gelassen wird. Unter Iricesima sahbala ist der Versöhnungstag zu verstehen, an welchem die Juden, wie Heindorf richtig bemerkt, nach der Meinung der Römer, sich sogar scheuten, etwas Ernstes und Geheimes mit einander zu besprechen. Der schalkhafte Fuscus nimmt daher die Miene an, als sei er in die jüdische Religion eingeweiht und voll von diesem Aberglauben. Was wir besonders an dieser Stelle hervorzuheben haben, ist das von Horaz den Juden beigelegte epitheton ornans: curti. Curti heißt hier so viel als circumcisi, reculiti, Yerpi, beschnitten, kurz, verstümmelt, verkürzt. Wir sehen also auch hier, daß die Beschneidung als ein charakteristisches Merkmal der Israeliten bei Horaz vorkommt, die er um so mehr zu verspotten suchte, als die Jugend der Israeliten zu seiner Zeit sich der Beschneidung zu schämen ansing, und deßhalb in den Gymnasien und Kampsschulen sie zu verdecken suchte, wie wir dieses weiter unten bei der Entwickelung des Begriffes srciOTtaG^og auseinandersetzen werden. Tacitus.*) Der nächste römische Historiker, den wir hier zur Beleuchtung unseres Gegenstandes citiren, ist Cornelius Tacitus. Es ist bekannt, daß er einer der bestimmtesten und zuverlässigsten Geschichtsforscher ist, und daß seine Darstellung, obgleich sie concis, gedrängt und kurz erscheint, doch deswegen weder an Klarheit, noch an Deutlichkeit verliert, sondern vielmehr eben so kräftig als wahr, eben so energisch, als offen ist. Wie dieses im Allgemeinen von dem Taciteischen Geschichtswerke gilt, so muß es auch in Bezug auf den Bericht über die Israeliten, den wir darin antreffen, gesagt und angenommen werden. Es ist seine Schilderung des israelitischen Volkes mit die gründlichste, ausführlichste und richtigste unter den aus dem klassischen Alterthume der Römer und Griechen auf uns gekommenen Schriftdenkmalm. Bei Tacitus finden wir zuerst eine genaue Kenntniß der über Ursprung, Geschichte und Fortbildung dieses Volkes zu seiner Zeit herrschenden Ansichten. Obgleich einer der größten Philologen der neuern Zeit, Ecnesti, es dem Tacitus zum Vorwurf anrechnet, daß er die Geschichtswerke des Josephus, die zu Tacitus Zeiten in Rom gar nicht so unbekannt waren, so wenig bei der Darstellung der israelitischen Data berücksichtigt und gekannt hat und mehr aus profanen, exoterischen Schriftquellen sich darüber Belehrung geholt, als bei dem inländischen Nationalhistoriker (vgl. 6. Corn Tacitus emendatus et illustratus ab Immanuel. Bekkero. Lips. 1831. Tomus II. Historiae Lib. V, Cap. 2. aperire.) so können wir doch unfern Historiker von dieser Schuld in so fern rechtfertigen, als einer¬ *) Er lebte im ersten Jahrhunderte nach Christi Geburt. seits es unerwiesen bleibt, ob er den Josephus wirklich benutzt hat oder nicht, und andererseits, sollte er auch wirklich diesen jüdischen Geschichtschreiber nicht gekannt haben, er doch andere sichere Quellen haben mußte, die ihm zu seiner im Ganzen richtigen, klaren und ausführlichen Schilderung der israelitischen Gebräuche Stoff genug darbieten konnten, so daß er mit ihrer Hülfe den Josephus vollkommen entbehren durste. Er erwähnt der Israeliten, indem er ihren Charakter und Religionscultus mit der ihm eigenthümlichen Correetheit und bündigen Pracisi'on in kurzen aber scharfen Contouren schildert, an vielen Stellen seines Geschichtswerkes, doch kann für uns blos diejenige Stelle namentlich in seinen Historiae ab exc6ssu Neronis von Interesse styn, wo auch unser Thema flüchtig berührt wird. Dieses geschieht in dem fünften Buche seiner Historiae. Dieses fünfte und letzte Buch ist in der ersten Hälfte (13. Kapitel) einzig und allein der Beschreibung von israelitischen Verhältnissen gewidmet. Indem Tacitus nämlich die Zerstörung Jerusalems unter Titus erzählen will, meint er, eine kurze geschichtliche Notiz über den Ursprung, die Religion, die Sitten und die zeitherige Geschichte des israelitischen Volkes voranschicken zu müssen. Rist. Lib. Y. cap. 2. Setl cjuia formosae urbis (Hierosolymarum) snpremum diem tradUuri siunus, congruens vidclur, primo.rdia ejus aperire. Ohne uns aber hier in eine detaillirte Angabe der Taciteischen Berichte, Urtheile, Ansichten und Berichtigungen der zu seiner Zeit gangbaren Sagen über die Urgeschichte Israeli weiter einzulassen, verweisen wir in dieser Beziehung auf Cliristianus Wormius Comipla antiquitatum Ehraicorum apud Tacitum et Martialem Yesligia. Hafniae 1693 und wenden uns zu dem fünften Capitel, wo es unter Anderem heißt: Circumcidere genitalia inslituere, ut diversitate noscantur. Transgressi in worein eorum, idem usurpant. Nee quicquam prius imJwunlur, quam conlemnere deos, exuere pairiam, parentes, liberos, fratres, Yilia kabere. Augendae tarnen multitudini consuliüir. Nam et ne care quemquam ex agnalis nefas, animasque praeliis aut suppliciis peremptorum aetcrnas putant. Hinc generandi amor et moriendi contemplus, d. h.: „Es ist bei den Israeliten Gesetz, die Geschlechtstheile zu beschneiden, um sich dadurch von andern zu unterscheiden. Diejenigen, die zu ihrer Religion übergehen, nehmen dasselbe auf sich, und werden zu allererst daran erinnert, Heimath und Götzendienst zu verlassen und sich von ihren Eltern, Brüdern und Kindern Loszusagen. Doch wird für die Vermehrung des Volkes gesorgt. Denn es ist verboten, Jemanden von den Anverwandten zu tödten, und es herrscht unter ihnen der Glaube, daß die Seelen der in der Schlacht oder durch Hinrichtung.Umgekommenen unsterblich sind; hieraus laßt sich einerseits der Hang, sich Nachkommen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.